Schreib-Projekt "Bewegt-Einzigartig-Jugendlich" mit Dichter Walle Sayer an der Hilde-Domin-Schule Herrenberg

Gute Gedichte sind Augenöffner

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    Walle Sayer bespricht mit Schülern der Hilde-Domin-Schule das Schreiben von Gedichten Foto: red

"Als Schriftsteller ist man der ewige Anfänger vor einem weißen Blatt", hat einmal der Dichter Peter Bichsel gesagt. Und die 50 Schüler und Schülerinnen aus den Berufsvorbereitungsklassen der Hilde-Domin-Schule in Herrenberg konnten gut nachfühlen, was der Horber Dichter Walle Sayer mit dem Zitat meinte.

Artikel vom 16. Dezember 2019 - 17:36

Von Sibylle Schorpp

HERRENBERG. Saßen sie doch selbst im Gedichte-Workshop "Bewegt-Einzigartig-Jugendlich" vor einem weißen Blatt und sollten ein Gedicht zu Papier bringen.

Aber mit dem "Profi" an ihrer Seite, gelang es schließlich allen teilnehmenden Jugendlichen ihre Gedanken mit Worten zu verdichten. Seit dreizehn Jahren schafft es Walle Sayer mit viel Fingerspitzengefühl auf die Jugendlichen einzugehen und sie an Lyrik heranzuführen. Vor den Workshops hatten die Jugendlichen Gelegenheit, etwas über sein Leben und Arbeiten zu erfahren.

Seine Biografie verpackte Walle Sayer kurzweilig, indem er ausgewählte Gedichte und Fotos aus seinem Leben vortrug, interpretierte und illustrierte. Als er das Gedicht "Die aufgehängten Trikots" vorlas, wurde schnell klar, dass ein Teil seines Dichterherzens für Fußball schlägt. Dazu brachte er ein Foto mit, das ihn mit seiner damaligen Jugendfußballmannschaft zeigt.

Über das Gedicht "Zahnlückenfoto" erfuhren die Schüler, welche Gedanken ein Vater hat, dessen Tochter erwachsen wird und eigene Wege geht. "Die Unterschrift auf der Generalvollmacht" ist ein Gedicht, in dem Walle Sayer Beobachtungen über seinen verstorbenen Vater in bewegende Worte verpackt.

"Man liest ein Gedicht so, als ob man in einen Spiegel schaut. Man erfährt etwas über sich selbst. Ich schreibe, um zu erfahren, was ich weiß", begründete Sayer seine Leidenschaft Gedichte zu lesen und zu schreiben. Wie zeitintensiv das Entstehen eines Gedichtes sein kann, wurde deutlich als Walle Sayer erklärte, dass er an seinem neuen Gedichtband "Mitbringsel" ungefähr sechs Jahre gearbeitet habe bis es druckfertig war.

Zentrale Fragestellungen als Zugangshilfen zu Gedichtthemen

Eingestimmt auf das Thema, durften sich die Jugendlichen im zweiten Teil selbst ausprobieren. Vor dem Hintergrund, dass Energiewende und Umweltschutz derzeit Jugendliche auf die Straßen und in Bewegung setzen, hatte Sayer das Thema "Was bedeutet dir die Sonne?" und "Was ist dir wichtig oder unwichtig in deinem Leben?" als Anregung in den Raum gestellt.

Was fühlst du, wenn die Sonne fehlt? Welche Kleinigkeiten gehören zum Wichtigsten im Leben? Was macht dich traurig? Was macht dich glücklich?

Dies waren nur einige der Fragen, die Walle Sayer den jugendlichen Autoren und Autorinnen als Hilfestellung mitgab. Zu diesen oder auch ganz anderen eigenen Themen begannen manche Schüler Wörter zu sammeln, andere legten gleich mit kleinen Erzählungen los. In einer konzentrierten Arbeitsatmosphäre schaffte es Walle Sayer mit kleinen Tipps, dass aus diesen Konzepten Gedichte in Rohform entstanden. Die abschließende Lesung der Schülergedichte war eindrucksvoll, von großer Offenheit und gegenseitiger Achtung geprägt und beeindruckend für die jungen Schriftsteller, aber auch für Walle Sayer und die begleitenden Lehrkräfte.

Schülern der Berufsvorbereitung, welche die deutsche Sprache erst lernen müssen, brachte Walle Sayer in einer Poesiestunde Gedichte in deren Muttersprache mit. Anschließend verfassten die Jugendlichen Textminiaturen, in denen sie ihr deutsches Lieblingswort erklärten.

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