Festakt zum 50-jährigen Schuljubiläum der Hilde-Domin-Schule in Herrenberg

Weiterhin am Puls der Zeit

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    2008 konnte der Erweiterungsbau der Hilde-Domin-Schule in Herrenberg bezogen werden Foto: KRZ/Archiv

Am Samstag strömten zahlreiche geladene Gäste ins Herrenberger Längenholz um das 50-Jahr-Jubiläum der Hilde-Domin-Schule mit einem Festakt zu feiern. Mit Ausbildungswegen in den Berufen Pflege, Kindergarten und Landwirtschaft besetzt die Schule Schlüsselpositionen des aktuellen gesellschaftlichen Diskurses.

Artikel vom 09. Dezember 2019 - 20:00

HERRENBERG (red). Neben Landrat Roland Bernhard, Herrenbergs Oberbürgermeister Thomas Sprißler, Markus Heinkele vom Regierungspräsidium Stuttgart, den ehemaligen Schulleitern Hermann Saur und Elfriede Betz, befanden sich Mitarbeiter, Kooperationspartner, Eltern- und Schülervertreter sowie aktuelle und ehemalige Kollegen im Publikum.

Verschiedene Grußworte, eine Rede von Schulleiterin Marion Schönhaar sowie künstlerische Beiträge wechselten sich ab. Aufgelockert wurde die Feier durch Musikstücke der "Rhythmus-Batteria" des Erzieheroberkurses, die zahlreichen Alltagsgegenständen wie Regentonnen und Nähmaschinen Melodien entlockten. Schüler der Klasse PIA2 entwickelten zwei rhythmisch-musikalischen Szenen, in denen die Tageszeitung die Hauptrolle spielte. In einer Szene skandierten sie: "Wir feiern heut die Hilde und gratulieren ihr." Ein Video der Abteilung Pflege stellte die Karrierewege von zwei ehemaligen Auszubildenden und einer Lehrerin dar.

Seit 2013 werden Erzieherinnen berufsbegleitend ausgebildet

In seinem Grußwort verwies Landrat Roland Bernhard darauf, dass die Geschichte der Schule weiter als 50 Jahre zurückreiche. Bereits 1902 wurde die erste Frauenarbeitsschule eingerichtet, 1969 übernahm der Landkreis Böblingen die Trägerschaft. In den Anfangsjahren der Haus- und Landwirtschaftlichen Schule waren die Schulstandorte über ganz Herrenberg verteilt. 1983 wurde ein gemeinsames Gebäude vom Kreis beim Stararchitekten Günter Behnisch in Auftrag gegeben, 2007 plante dessen Sohn Stefan den Erweiterungsbau. Die lichtdurchflutete, den Menschen zugewandte Architektur spiegele den Geist der Schule wider. 2012 gab es den großen Durchbruch, da mit der Einrichtung des sozial- und gesundheitswissenschaftlichen Gymnasiums junge Menschen nun auch in Herrenberg ihr Abitur an einem Beruflichen Gymnasium ablegen konnten.

2013 konnte die praxisintegrierte Erzieherausbildung (PIA) eingerichtet werden. Ein wichtiges Angebot für Städte und Gemeinden, die händeringend Erzieherinnen suchen. Bernhard betonte: "Es freut mich, dass auch soziale Berufe in einem Industrielandkreis ein hohes Standing haben." Kompetente Lehrkräfte, ehrenamtliche Paten und zahlreiche außerschulische Angebote wie Theatervorstellungen von Schüler*innen der Abteilung Sozialpädagogik, das Gedichteprojekt, Nachhaltigkeit und Europa zeigten, dass die "Schule am Puls der Zeit" sei.

400 000 Euro fürs Labor zum Training komplexer Pflegesituationen

Als besonderes Bonbon verwies Landrat Bernhard auf den im Dezember noch vom Kreistag zu beschließendem Haushaltsplan, in dem 400 000 Euro für die Einrichtung eines Skills Lab für die generalistische Pflegeausbildung eingestellt sind. Das Skills Lab soll die Simulation von komplexen Pflegesituationen ermöglichen. Damit würde neben Ludwigsburg an der Hilde-Domin-Schule das erste Skills Lab in Baden-Württemberg an einer staatlichen Schule eingerichtet.

Herrenbergs OB Sprißler schilderte die große Bedeutung, Fachkräfte im Bereich Pflege und Sozialpädagogik zu gewinnen und verwies auf die Kita-Offensive der Stadt Herrenberg mit dem Neubau von fünf neuen Kitas und dem daraus folgenden hohen Bedarf an Fachkräften. Mit einem Augenzwinkern forderte er Landrat Bernhard auf, dem Prinzip der Regionalität zu folgen und die an der Herrenberger Schule ausgebildeten Erzieherinnen vor Ort einzusetzen. Dann habe man in Herrenberg ein Problem weniger.

Auch Markus Heinkele, Referent am Regierungspräsidium Stuttgart hob die hohe gesellschaftliche Bedeutung der Pfleger- und Erzieherberufe hervor. Und die Landwirtschaft müsse nicht nur die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen, sondern sich auch dem Klima- und Artenschutz widmen. Daher sei die Hilde-Domin-Schule eine "Schule, die aktiv an unserer Zukunft mitarbeitet."

Hintergrund:

50 Jahre Hilde-Domin-Schule im Zeitraffer
    ■    1969, vor 50 Jahren, wurden die Landwirtschaftliche Schule, die Fachschule für Kinderpflege und die Frauenarbeitsschule zur Haus- und Landwirtschaftlichen Schule vereinigt – mit unterschiedlichen Standorten in Herrenberg.  
 
    ■    Schüler der Abteilung Landwirtschaft waren damals hauptsächlich Männer, stammten aus Familien mit Bauernhöfen.
 
    ■    1972 konnte die Fachschule für Sozialpädagogik eingerichtet werden.


    ■    1983 erfolgte der Umzug in das gemeinsame Schulgebäude im Herrenberger Längenholz. Das von Günter Behnisch entworfene Gebäude spiegele das pädagogische Verständnis damals und heute wider.
 
    ■    1989 wurde die Altenpflegeausbildung eingerichtet.
 
    ■    2012 wurde mit dem Sozial- und gesundheitswissenschaftlichen Gymnasium eine weitere neue Schulart integriert. Mittlerweile stellen die 150 Beurfsgymnasiasten einen großen Anteil an der Schülerschaft.
 
    ■    2016, während der Flüchtlingskrise, gab es vier Vorqualifizierungs-Klassen Arbeit/Beruf für geflüchtete junge Menschen ohne Deutschkenntnisse.
 
    ■    Ab 2020 startet die generalistische Ausbildung: Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege werden im Lehr-gang zum Berufbild Pflegefachfrau/Pflegefachmann zusammengefasst. (red)

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