Inklusionsunternehmen feiert Jubiläum

Femos mit Sitz in Gärtringen ist ein Arbeitgeber für Menschen mit Behinderung - Unternehmen beschäftigt mittlerweile über 150 Mitarbeiter

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    Maria Müller im Hilfsmittel Logistik Center von Femos auf der Böblinger Hulb reinigt gerade einen Rollstuhl, der danach wieder an ein Sanitätshaus ausgeliefert wird Foto: red

Artikel vom 30. September 2019 - 17:00

GÄRTRINGEN/KREIS BÖBLINGEN (red). Aus einer Projektidee entstand 1989 das Inklusionsunternehmen Femos gGmbH als Tochter der GWW-gemeinnützige Werkstätten und Wohnstätten GmbH. Bereits zehn Jahre später eröffnete der erste CAP-Lebensmittelmarkt in Herrenberg. Über die Jahre etablierte sich Femos als verlässlicher Arbeitgeber für Menschen mit Behinderung. Am Freitag feierte das Unternehmen zusammen mit den Firmengründern Jubiläum.

Als die GWW-gemeinnützige Werkstätten und Wohnstätten GmbH vor 30 Jahren die Firma Femos gründete, war das heute weit verbreitete Konzept der Inklusionsfirmen noch recht unbekannt. Ziel war damals, Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit einer Behinderung zu schaffen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht unterkommen, aber in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung unterfordert wären. Heute beschäftigt das mittlerweile zur Stiftung Zenit gehörende Unternehmen über 150 Menschen, davon 90 mit anerkannter Behinderung.

Die Firma bietet eine Vielfalt von Beschäftigungen an. So werden in einer Halle Ladungsträger für die Automobilindustrie gefertigt. "Wir stellen hier Transportbehälter nach den Vorgaben unseres Kunden her. Mit diesen werden die Zulieferteile optimal geschützt ans Band des Kunden transportiert", informiert Geschäftsführer Wilhelm Kohlberger die Gäste.

Arbeit auf dem Wertstoffhof

In einem anderen Bereich werden Leiterplatten bestückt und verlötet. Aber nicht nur am Standort in Gärtringen bietet das Unternehmen Arbeitsplätze. Ebenfalls seit vielen Jahren betreibt Femos das Recyclingzentrum des Landkreises Böblingen. Dort pressen Mitarbeiter die von den Wertstoffhöfen des Landkreises angelieferten Wertstoffe wie Papier, Pappe, Tetrapacks und verschiedene Kunststoffe und bereiten alles zum Weitertransport vor. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Tätigkeiten im Einzelhandel. Neben der Möbelhalle auf der Hulb in Böblingen, wo auf 2500 Quadratmeter Fläche gut erhaltene, gebrauchte Möbel und andere Gebrauchtwaren zu günstigen Preisen angeboten werden, betreibt das Inklusionsunternehmen vier CAP-Lebensmittelmärkte im Landkreis.

Als der damalige Geschäftsführer Rainer Knapp 1999 die Idee hatte, im Herrenberger Ziegelfeld einen Lebensmittelmarkt zu übernehmen, traf er bei vielen Menschen auf Unverständnis. Heute befinden sich die Nahversorger häufig im Ortskern der Gemeinden und sind fußläufig erreichbar. Und sie bieten Menschen mit Behinderung Arbeitsplätze mitten in der Gesellschaft. Dass Knapp damals einen guten Riecher hatte und sich das Risiko der Umsetzung gelohnt hat, zeigen die bundesweit mittlerweile über 100 CAP-Märkte. Dabei ist es nicht immer einfach, passende Tätigkeiten zu finden, denn die Prozesse und die Arbeit werden so gestaltet, dass sie den individuellen Fähigkeiten behinderter Menschen angepasst sind. "Um als Inklusionsunternehmen erfolgreich wirtschaften zu können, müssen sich die Aufgaben nach dem individuellen Können der Mitarbeiter richten und nicht die Menschen nach der Arbeit", erklärt Kohlberger. Das sei auch die Besonderheit eines Inklusionsbetriebs.

"Wir erhalten einen Nachteilsausgleich für die Beschäftigung behinderter Menschen. Dieser wird von Unternehmen finanziert, die zu wenige behinderte Menschen einstellen. Wenn die Unternehmensumsätze sinken, stehen auch weniger Mittel zur Ausgleichsfinanzierung zur Verfügung. Dann erhalten auch wir weniger Unterstützung", bemerkt der Geschäftsführer. "Wir sind dafür angetreten, den Beschäftigten verlässliche Arbeitsplätze anzubieten. Daher stehen bei uns die Gewinne an zweiter Stelle."

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