Auf dem Zentralen Versuchsfeld in Gäufelden-Tailfingen werden verschiedene Getreidesorten erforscht

Nach der Ernte ist vor der Ernte

Artikel vom 22. August 2019 - 19:00

GÄUFELDEN (red). Es ist ein Bild, das einem derzeit überall im Kreis Böblingen begegnet: Maschinen fahren über Felder und Wege, um die Ernte einzufahren. Wintergerste und Winterraps wurden bereits gedroschen, aktuell werden Winterweizen und Sommerkulturen wie Sommergerste, Hafer und Erbsen eingesammelt. So auch auf dem Zentralen Versuchsfeld in Gäufelden-Tailfingen.

Auf dem Versuchsfeld werden Getreidesorten angepflanzt und später analysiert

Das Versuchsfeld mit seinen Sorten-, Dünge- und Pflanzenschutzversuchen dient als wichtige, unabhängige Informationsquelle für Landwirte. In einzelnen Versuchsparzellen werden verschiedene Sorten der Kulturen Weizen, Gerste, Hafer, Erbsen, Mais und Soja angebaut. Betreut werden die Versuche von den Landwirtschaftsämtern Böblingen und Tübingen. Bei der Ernte werden die Parzellen nun nacheinander abgeerntet und die Ergebnisse analysiert. Zum Einsatz kommt dabei ein spezieller Parzellenmähdrescher im Miniaturformat.

"Die Ergebnisse sind eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Landwirte in der Region. So können sie passende Sorten für ihren Betrieb auswählen und Pflanzenschutzmittel und Dünger zielgerichtet einsetzen", erklärt Yvonne Bäuerle, Leiterin des Amts für Landwirtschaft und Naturschutz im Landratsamt Böblingen. Wichtige Kriterien sind Ertrag, Krankheitsanfälligkeit und Standfestigkeit. Diese können sich je Sorte regional ganz unterschiedlich ausprägen. Die Landwirtschaftsämter Böblingen und Tübingen bieten ab Frühjahr regelmäßig Führungen für die Landwirte an. Die Ernteergebnisse werden auf Informationsveranstaltungen im Winter vorgestellt. "Für dieses Jahr können wir trotz der trockenen Witterung der vergangenen Wochen mit einer durchschnittlichen Ernte rechnen", so Bäuerle.

Verschiedene Saatgutmischungen für die Biodiversität

Nach der Ernte ist die Arbeit auf dem Acker aber noch nicht vorbei. Auf dem Versuchsfeld ist dann zunächst die Aussaat verschiedener Begrünungsmischungen auf den abgeernteten Flächen geplant. Sie dienen als Nahrungsgrundlage und Lebensraum für Insekten und Wildtiere und fördern so die Biodiversität. Außerdem fixieren sie Nährstoffe, unterdrücken Unkräuter und tragen zur Bodenverbesserung bei. Auf dem Versuchsfeld werden verschiedene Saatgutmischungen mit unterschiedlichen Aussaattechniken erprobt. Mit der Aussaat der Winterkulturen wandert das Versuchsfeld auf die Nachbarfläche. Im Spätsommer wird dort zuerst der Winterraps gesät, im September und Oktober dann Wintergerste und Winterweizen.

Übrigens ist beim Einholen der Ernte immer Eile geboten. Denn der Erntezeitraum ist oft knapp bemessen. Gewitter und zu starke Dürre können den Landwirten einen Strich durch die Rechnung machen und die Ernte zerstören. Deshalb wird, wenn es so weit ist, unter starkem Zeitdruck und oft bis tief in die Nacht gedroschen.

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