Tipps für den Urlaub zuhause (5): Der Jusi ist der Hausberg der Kohlberger und ein wahres Paradies für Wanderer

Schwarzer Fels und meckernde Bewohner

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    Der Jusi thront über der Gemeinde Kohlberg. Auf der linken Seite des Hanges verläuft das liebevoll betitelte Kotzwegle durch den Wald. Auf der rechten Seite führt der Weg vom Parkplatz Raupental hinauf auf den Berg Fotos: Gunther Schaich

Artikel vom 13. August 2019 - 20:00

Von Melissa Schaich

KOHLBERG. So manch ein Kohlberger bekommt Heimweh, wenn sein Blick am frühen Morgen nicht den Jusi streift. Der 672 Meter hohe Berg war vor rund 17 Millionen Jahren einer der größten Vulkanschlote im Schwabenland. Und darauf sind die Kohlberger mächtig stolz. Schließlich hat nicht jeder Ort seinen persönlichen Hausberg.

Von Metzingen kommend ragt er bereits am Eingang Kohlbergs auf. Dort befindet sich auch gleich der Parkplatz Raupental, von dem aus es knapp 200 Höhenmeter den Berg hinaufgeht. Der Anstieg ist ziemlich steil, wer da eine Verschnaufpause einlegen will, hat auf halber Höhe des Berges allen Grund dazu: Wer Glück hat, trifft dort nämlich Ziegen an, die im Naturschutzgebiet die Wiesen in Zaum halten. Der geschickte Bergsteiger kann hier die pittoreske Idylle bestaunen und gleichzeitig unbemerkt seine exzessive Schnappatmung abflauen lassen.

Auf der Bergkuppe steht eine Gruppe von Lindenbäumen

Wenn sich der Puls wieder normalisiert hat, geht es auch schon weiter: Am schwarzen Felsen vorbei, dessen dunkles Gestein imposant aus dem Berg heraussteht und vom Ort aus gut erkennbar ist, geht es dann das letzte Stück hinauf. Zur Begrüßung steht direkt an der Bergkuppe eine Gruppe von Lindenbäumen, die mit ihrem prachtvollen Anblick die sportliche Betätigung direkt wieder wettmachen.

Wen der große Hunger packt, kann sich an der Grillhütte einen Leckerbissen zubereiten. Für alle anderen gilt: Aussicht genießen. Der Albtrauf, die Burg Hohenneuffen, die Burg Teck und sogar der Stuttgarter Fernsehrturm sind in der Ferne zu erkennen.

Doch viele Wege führen auf den Jusi: Wer beispielsweise von Neuffen aus kommt, kann links, kurz vor dem Eingang Kohlberg, zu einer Grillstelle abbiegen und durch ein Waldstück auf den Jusi wandern. Dieser Weg wird im Kohlberger Jargon auch liebevoll Kotzwegle genannt. Dies verdankt der Weg seinem steilen Anstieg und den vielen scharfen Kurven. Doch wahre Wandersleute lassen sich von solch kreativer Namensgebung nicht abschrecken: Wer die Aussicht genießen will, muss leiden.

Am Sattelbogen pfeifft der Wind von Dettingen herauf

Wer - egal auf welcher Route - auf dem Jusi angelangt ist, kann sich auf eine kleine Geschichtsstunde freuen. Denn hinter der Grillhütte im Wald auf dem Sattelbogen - dort, wo der Wind kalt von Dettingen hinaufpfeifft - befindet sich ein Soldatengrab. Dieses erinnert an einen Kohlberger namens Fritz Schur. Der Soldat war kurz nach Ende des Krieges im Jahr 1945 mit einem Pferd auf seinem Weg in die Kohlberger Heimat, als er von französischen Besatzungskräften zwischen den Bäumen erspäht und daraufhin getötet wurde - so die Erzählungen von alteingesessenen Kohlbergern. Ein Kreuz erinnert noch heute an sein Schicksal.

Mit nachdenklicher Stimmung im Gepäck steht der Rückweg bevor. Da bietet sich eine kleine Runde über Kappishäusern an. Hinter der Grillhütte führt ein Weg hinab in Richtung des Dorfes. Besonders schön ist der Weg bei Sonnenuntergang, wenn die glutrote Sonne den Weg in goldenes Licht wirft. Im Sommer aber auch in der Herbstzeit bereitet sich hier ein tolles Farbenspiel. Deshalb trägt der Weg auch in manchen Kreisen den Spitznamen "kanadischer Weg" - denn hier kommen Indian Summer-Gefühle gleich denen in Kanada auf. Zurück geht's dann am Kappishäusener Hochbehälter vorbei und wieder in Richtung Parkplatz Raupental. Viel frische Luft, Bewegung, Sonne und ein bisschen Geschichte: Der Jusi hat alles, was zu einem Urlaub dazugehört.

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