Gemeinderat Waldenbuch: Deutlich jünger und wesentlich grüner

Verabschiedung des alten und Einsetzung des neuen Gemeinderats in Waldenbuch - Annette Odendahl ist stellvertretende Bürgermeisterin

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    Bürgermeister Michael Lutz (r.) verabschiedet am Dienstagabend (v.l.) Karlheinz Roth, Elaine Rauhöft, Christoph Hellenschmidt und Heidrun Rohse aus dem Gemeinderat Foto: Julia Hanselmann

Artikel vom 24. Juli 2019 - 19:36

Von Sandra Schumacher

WALDENBUCH. Deutlich jünger präsentiert sich der neue Gemeinderat in Waldenbuch, den Bürgermeister Michael Lutz am Dienstagabend verpflichtete: Das Durchschnittsalter sinkt von 57,8 auf 53,7 Jahre - wird in fünf Jahren dann allerdings wieder darüber liegen. Der Frauenanteil bleibt indes unverändert bei 44,4 Prozent. Zudem gibt es vier neue Gesichter in dem 18-köpfigen Gremium, das sich nun aus vier statt drei Fraktionen zusammensetzt. Bei der Kommunalwahl am 26. Mai hatte die neu formierte Grüne Liste auf Anhieb drei Mandate im Gremium erobert, die nun Maria Rapp, Elena Kossiva-Rapp und Sebastian Winkler bekleiden. Stärkste Fraktion bleiben die Freien Wähler, die künftig über acht statt sieben Sitze verfügen. Das zusätzliche Mandat übernimmt Robin Mehnert.

Deutlicher Verlierer der Wahl war einerseits die CDU, die zwei Sitze eingebüßt hat und nun nur noch auf vier kommt. Seinen Stuhl am Ratstisch räumen muss deshalb zum einen Dr. Karlheinz Roth. Der Diplom-Physiker, der sich in der katholischen Kirchengemeinde und bei der Lokalen Agenda engagiert, war 2018 für Alf-Dieter Beetz nachgerückt und blickt auf insgesamt vier Amtsjahre als Stadtrat zurück. Ebenfalls nicht mehr dabei ist Christoph Hellenschmidt, der nicht erneut kandidiert hatte. Er war 2017 für Astrid Neff ins Gremium eingezogen und gehörte ihm insgesamt sieben Jahre an. "Wir verlieren mit euch zwei Stützen, aber auch zwei Pole, die unterschiedlicher nicht hätten sein können", fasste Fraktionsvorsitzender Karl Rebmann zusammen.

"Heute ist nicht Brexit, sondern Elexit"

Ebenfalls mit zwei Mandaten weniger am Start ist die SPD, die nur noch drei Räte stellt. Heidrun Rohse verlässt das Gremium nach fünf Jahren. Die selbstständige Gartengestalterin hatte sich besonders für erneuerbare Energien und bezahlbaren Wohnraum stark gemacht und hatte unter anderem die Bepflanzung des Liebenau-Kreisels verantwortet, listete Fraktionsvorsitzende Ingrid Münnig-Gaedke auf. Elaine Rauhöft muss das Gremium nach zehn Jahren verlassen. Sie hatte sich für den Erhalt der Vorderen und Hinteren Seestraße, junge Familien und die Jugendlichen im Städtle eingesetzt. "Als mir vor zehn Jahren ein Fraktionskollege telefonisch zur Wahl gratulierte, habe ich aufgelegt und geweint. Das hätte nicht passieren dürfen", blickte die "überzeugte Europäerin" mit einem Augenzwinkern zurück. Denn eigentlich sei sie weniger Anführerin als Anhängerin, habe zwar viele Ideen, überlasse die Umsetzung aber lieber Menschen, die mehr Mut besäßen. Trotzdem habe sie ihr Bestes gegeben. "Ich hatte Angst, dass ich wegen des Brexits meinen Sitz im Rat verliere, deswegen bin ich Deutsche geworden", plauderte die gebürtige Engländerin. "Nun hat der Brexit noch nicht angefangen und ich bin meinen Sitz trotzdem los." Gleichzeitig gehöre sie zu den grünsten Menschen am Ratstisch. "Ich fliege wegen meiner Flugangst nicht und bin Veganerin. Trotzdem muss ich meinen Platz für ein Mitglied der Grünen räumen. Aber so ist das Leben", scherzte sie und verabschiedete sich aus dem Gremium: "Heute ist also nicht Brexit, sondern Elexit."

Insgesamt hatte der Gemeinderat in den vergangenen fünf Jahren über 881 Tagesordnungspunkte beraten, mehr als 190 Stunden und damit mehr als sieben Arbeitstage zusammen über der Zukunft der Schokoladenstadt gebrütet, fasste Bürgermeister Lutz zusammen. Dabei standen unter anderem das neue Baugebiet "Liebenau VII", der gemeinsame Flächennutzungsplan mit Steinenbronn, der Kindergarten-Neubau in der Eugen-Bolz-Straße und die Innenentwicklung der Stadt beispielsweise bei den Panoramabögen, dem Schöllkopf-Areal und der Nachfolgenutzung der Stuttgarter Straße auf dem Programm. Lutz bedankte sich für das Engagement der jetzigen Alt-Stadträte. Er hoffe darauf, dass sie die kommunalpolitische Arbeit auch in Zukunft von außen mit ihrem Fachwissen begleiten werden.

Mit der Verpflichtung des neuen Gremiums stand auch die Wahl der drei stellvertretenden Bürgermeister an, die traditionsgemäß die drei stärksten Fraktionen stellen. Zur ersten Stellvertreterin wurde Annette Odendahl (FWV) mit 17:2 Stimmen gewählt, zweiter Stellvertreter ist Karl Rebmann (CDU/einstimmig), Dritte im Bunde ist Ingrid Münnig-Gaedtke (SPD/15:4). Einstimmig gewählt wurden auch die Ausschussmitglieder, da sich die Fraktionen bereits im Vorfeld auf ihre Vertreter geeinigt hatten.
Jeweils zehn Jahre gehören Elaine Rauhöft, Sabine Dandachi, Josef Lupion und Karl Rebmann dem Gemeinderat an. Dafür gab's die Ehrennadel des Gemeindetages aus den Händen von Bürgermeister Michael Lutz.
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