Im Drogenrausch Mercedes in Gärtringen abgefackelt

Brandstiftung in Gärtringen: 31-jähriger Herrenberger vor dem Stuttgarter Landgericht

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Artikel vom 17. Juli 2019

Von Bernd Winkler

GÄRTRINGEN. Derzeit steht ein 31-jähriger Herrenberger vor dem Stuttgarter Landgericht, weil er einen Mercedes in der Blücherstraße in Gärtringen in Brand gesteckt haben soll. Im Zeugenstand sagte der Angeklagte aus, dass er keine Erinnerung mehr an jene Nacht habe. Er räumte aber ein, dass er seit langem drogensüchtig ist und zuvor bereits mit großen Mengen Rauschgift und verbotenen Substanzen gehandelt hat. Die Brandlegung, so der 31-Jährige, will er ebenfalls unter Drogeneinfluss begangen haben.

Am frühen Morgen des 6. Februar soll der Mann gegen 6.20 Uhr mit einem Schraubenzieher bewaffnet zuerst Schriftzeichen in den Lack des in der Blücherstraße geparkten Mercedes geritzt haben. Anschließend soll er eine brennbare Flüssigkeit als Brandbeschleuniger auf die Motorhaube und einen der vorderen Reifen geschüttet haben, bevor er das Fahrzeug in Brand setzte.

Ein aufmerksamer Fußgänger bemerkte die Flammen, die aus dem Fahrzeug schlugen, und löschte den Brand mit seinem eigenen Feuerlöscher. Er konnte allerdings nicht mehr verhindern, dass der Mercedes total ausbrannte. Es entstand ein Totalschaden in Höhe von 12 800 Euro, rechnete die Staatsanwältin gestern am ersten Prozesstag vor.

Der 31-jährige, der nun wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung angeklagt ist, soll seine Taten im Zustand einer paranoiden Schizophrenie begangen haben, somit also rechtlich gesehen nicht schuldfähig gewesen sein. Daher beantragte die Staatsanwaltschaft, den Mann in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung unterzubringen, da er krankheitsbedingt weitere Brandstiftungen begehen könnte und somit eine Gefahr für die Allgemeinheit nicht auszuschließen sei.

Weitere Rauschgift-Delikte werden ihm zur Last gelegt

Gleichzeitig wirft die Anklage ihm allerdings weitere Delikte im Rauschgiftbereich vor: So soll der Herrenberger als 29-Jähriger im Jahre 2017 große Mengen Drogen und vor allem Amphetamine und verbotene Substanzen gewinnbringend verkauft haben. Da er diese angeblichen Taten aber nicht im Zustand einer psychischen Krankheit verübt habe, so die Staatsanwältin, müsse er dafür nun auch bestraft werden. Ob der 31-Jährige indes auch jener Mann ist, den Passanten im Februar etwa 200 Meter entfernt von der Mercedes-Brandstelle in Gärtringen mit einer brennenden Spraydose in der Hand gesichtet hatten, ist bislang noch ungeklärt. Möglicherweise wird dieser Vorgang ebenfalls Thema in dem auf drei Tage angesetzten Verfahren sein.

Die vorgeworfene Brandstiftung ist nur noch bruchstückhaft im Gedächtnis des Angeklagten, wie sein Anwalt sagt. Grundsätzlich jedoch gibt er die Tat zu. Er habe das Feuer am Radlauf des Mercedes gelegt, so der Verteidiger. Und es tue ihm für den Fahrzeugbesitzer leid, dass ein Schaden entstand. Als Erklärung gab der Angeklagte an, dass er an diesem Morgen stark unter Drogen gestanden haben.

Mit acht Jahren habe er erstmals berauschende Mittel eingenommen, seit seinem 15. Lebensjahr konsumiere er praktisch alles, was der Drogenmarkt hergibt: Kokain, Heroin, Ecstasy und Amphetamine.

Wie hoch die Drogendosis zur Tatzeit gewesen ist, darüber wird dem Gericht ein Sachverständiger Auskunft geben. Das Urteil in diesem Prozess soll am 25. Juli gesprochen werden.

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