Dokumentarfilm zu Genozid an Rohingya am Sonntag beim Kulturwerk Waldenbuch

Dokumentarfilm macht auf Genozid an Rohingya aufmerksam - Junge Filmemacherin kommt am Sonntag nach Waldenbuch

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Theresa Berg und Jonas Niesmann wollten in Thailand nur studieren. Sie erfahren jedoch von dem Schicksal der Rohingya - einer verfolgten Minderheit in Burma. Sie sprechen mit ihnen und machen daraus einen Dokumentarfilm. "Der Rauch hinter den Hügeln" läuft am Sonntag in Waldenbuch.

Artikel vom 12. Juli 2019 - 07:00

WALDENBUCH (red). Thailand. August, 2017. In einem Bus sitzen zwei junge Studierende aus Hamburg und Frankfurt am Main. Theresa Berg ist für Soziologie und Politik eingeschrieben, Jonas Niesmann für Kommunikationsdesign. Beide machen gerade ihr Auslandssemester in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Im Bus überfliegt Niesmann gerade die Nachrichten. Als er von den Vertreibungen der Rohingya in Burma liest, ist er erschüttert. Ebenso wie Theresa Berg. Das Land ist nicht weit weg, die Nachricht macht sie betroffen: "Wir dachten viel über das nach, was in Burma mit den Rohingya passierte, und überlegten was wir tun konnten", erzählt Berg.

An der Universität in Bangkok kommen Menschen aus aller Welt zusammen. Auch aus Burma. Umso unbegreiflicher war es für Berg, dass burmesische Kommilitonen in Seminaren leugneten, was mit den Rohingya geschah: "Sie behaupteten, dass das, was in den internationalen Nachrichten über die Rohingya gesagt wurde, nicht stimme." Es war für sie und Niesmann kaum zu begreifen, also handelten die beiden: "Wir starteten ein Projekt, holten Informationen ein, stellten Infostände auf dem Universitätsgelände auf und sammelten Spenden", erinnert sich Berg. Die burmesischen Kommilitonen waren nicht begeistert. "Irgendwann wurde uns klar, dass wir nach Bangladesch selbst fahren mussten, wenn wir etwas bewegen wollten", erzählt Berg.

Die meisten waren froh, ihre Geschichte erzählen zu können

Die Studentin produziert bereits seit längerer Zeit Filme, hat an Kurz- und Werbefilmen mitgewirkt. Mit Reisefilmen hatte Niesmann bereits Erfahrungen gemacht.

Aber ein Dokumentarfilm, das war neu. Ursprünglich war es das Ziel, die Menschen zu erreichen, die in Bangkok nicht verstanden, was mit den Rohingya in Burma passierte. "Die Produktion des Films lief nicht auf eigene Faust", erklärt die Studentin. Der Zufall half den Filmemachern. "Auf einer Brücke begegneten wir Touristen aus Bangladesch", erzählt sie. "Wir sprachen über unsere Projektidee, blieben in Kontakt und wurden kurz darauf an Freunde in eines der Flüchtlingscamps in Bangladesch vermittelt."

Zusammen mit den Helfern und begleitet von einem Übersetzer gelangten sie in das Camp. Der Übersetzer war wichtig, da er die Sprache der muslimischen Minderheit verstand - ein besonderer Dialekt des Bengali. "Es gab viele Rohingya, die mit uns sprechen wollten", sagt Berg und erzählt, dass die meisten froh waren, ihre Geschichte erzählen zu können. Aber hunderte Interviews machten der jungen Filmemacherin zu schaffen: "Mist, wie verarbeitest du das jetzt?", dachte sie damals. Ihre Reaktion darauf: Vorträge, den Film zeigen und über die Hintergründe sprechen. 16 Geschichten werden in dem Dokumentarfilm beleuchtet.

Am Sonntag, 14. Juli, um 16.30 Uhr zeigt das Kulturwerk Waldenbuch den Dokumentarfilm im Haus der Begegnung, Bahnhofstr. 6 in Waldenbuch. Eintritt 3 Euro. Weitere Informationen dazu unter http://www.kulturwerk-waldenbuch.de im Netz.
Wer sind die Rohingya und was ist passiert?
Die Rohingya sind eine ethnische Minderheit aus Myanmar (Birma). Sie sind muslimischen Glaubens und gelten als staatenlos.
Seit dem 19. Jahrhundert kommt es zu zahlreichen Konflikten mit den örtlichen Regierungen. Amnesty International berichtet in diesem Zusammenhang von jahrhundertelangen Verfolgungen.
Im Oktober 2016 attackieren militante Rohingya burmesische Polizeiposten und töten neun Offiziere.
Das Militär reagiert umgehend, zerstört hunderte Dörfer und tötet mehr als 6700 Menschen, darunter 730 Kinder.
Seit August 2017 flohen mehr als 706 000 Rohingya. Sie leben heute in Flüchtlingscamps in Bangladesch. (tag)