Baugebiet Herrenberg Süd: Die Stadt wirbt ums Ja der Grundbesitzer

45 Hektar im Süden der Gäumetropole sollen im Sinne des Gemeinwohls entwickelt werden

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    Herrenberg Süd soll vor allem bezahlbaren Wohnraum liefern sowie Flächen für Dienstleitungen und Gewerbe Foto: Thomas Bischof

Mit einer Gesamtfläche von rund 45 Hektar bietet der Bereich Herrenberg Süd die Chance, einen deutlich spürbaren Beitrag zur Deckung des Wohnraum- und des Gewerbeflächenbedarfs in der Region zu leisten. Entstehen soll ein ganz neuer und zukunftsfähiger Stadtteil mit unterschiedlichen Funktionen.

Artikel vom 20. Mai 2019 - 16:12

HERRENBERG (red). Mit der Entwicklung des Gebietes Herrenberg Süd soll ein ganz neues Stadtquartier aus dem Boden gestampft werden. Bei der Bebauung und Nutzung der Grundstücke geht die Stadt dabei neue Wege: Weil das Gemeinwohl im Vordergrund stehen soll, laufen vorbereitende Untersuchungen zur Einleitung und Durchführung einer so genannten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM). Voraussichtlich Ende 2020 kann nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse vom Gemeinderat abschließend entschieden werden, ob das Projekt verwirklicht wird.

"Inzwischen stehen die Werte für die unterschiedlichen Flächen fest und wurden mit den Eigentümern besprochen", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Öffentlich bestellte und vereidigte Gutachter einer Immobilienbewertungs GmbH aus Esslingen waren beauftragt worden, die für den Ankauf maßgeblichen Grundstückswerte zu ermitteln, berichtet Rainer Stingel, der städtische Sonderbeauftragte für Herrenberg Süd. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem so genannten Anfangswert der Grundstücke zu: Dies ist der Wert, den Grundstücke haben, bevor die konkrete Absicht einer Gebietsentwicklung bekannt wurde. Dabei ist wichtig, welchen Entwicklungszustand die Grundstücke zu diesem Zeitpunkt haben. Rein landwirtschaftliche Flächen haben den niedrigsten Wert, sie wurden mit drei Euro pro Quadratmeter bewertet. 30 Euro pro Quadratmeter gibt es für Bauerwartungsland im Hinblick auf den Gemeinbedarf, 40 Euro pro Quadratmeter gibt es für Bauerwartungsland, auf dem Gewerbe angesiedelt werden soll, und 80 Euro für den Quadratmeter Bauerwartungsland in Sachen Wohnen.

"Dies sind die Werte, zu welchen die Stadt den Grunderwerb durchführen kann", erklärt Stingel. Die Bebauung und Nutzung der neu erschlossenen Grundstücke soll nicht mehr allein der privaten Initiative und den Mechanismen des Marktes überlassen werden, sondern gemeinwohlorientiert durch die öffentliche Hand gesteuert werden.

Eigentümer sind ernüchtert - Nachschlag womöglich zu guter Letzt

Über das Ergebnis der Wertermittlung wurden die Eigentümer in einer Informationsveranstaltung am 15. Mai informiert. Dabei zeigten sich die anwesenden Eigentümer zunächst ernüchtert und auch enttäuscht hinsichtlich der Quadratmeterpreise. Manch einer hatte deutlich mehr erwartet.

Baubürgermeister Tobias Meigel erläuterte daraufhin nochmals das geplante Vorgehen und die Hintergründe: "Um die Gemeinwohlorientierung zu erreichen, ist es notwendig, dass die Stadt über die entstehenden Bauflächen verfügt und Eigentum an diesen Flächen erwirbt." Diesem Vorgehen hatte der Gemeinderat Anfang des Jahres zugestimmt, als für die Entwicklung von Herrenberg Süd ein Ankaufsverfahren beschlossen wurde. Dies bedeutet, dass die Stadt alle für die Entwicklung notwendigen Grundstücke aufkauft und nicht - wie sonst in Umlegungsgebieten üblich - den bisherigen Eigentümern wieder Bauflächen zuteilt, welche diese dann entsprechend ihrer Vorstellungen nutzen können.

Die Stadt hat neben den Kaufpreisen für die Grundstücke am Anfang des Verfahrens auch sämtliche Kosten der Gebietsentwicklung wie zum Beispiel Planungskosten, Erschließungskosten, Kosten der sozialen Infrastruktur, Finanzierungskosten oder Vermarktungskosten zu tragen. Wichtig bei einer SEM ist, dass all diese Kosten vollständig aus der mit der Gebietsentwicklung verbundenen Wertsteigerung der Grundstücke, sprich aus den späteren Verkaufserlösen der Baugrundstücke, refinanziert werden. Das fertig erschlossene Bauland wird zur Bebauung in zeitlich definiertem Rahmen vergeben - womit der Zurückhaltung von "Enkelstücken" ein Riegel vorgeschoben wird. Das Risiko eventuell übersteigender Kosten trägt allein die Stadt. Sollte nach Abrechnung aller Maßnahmen aber ein Überschuss verbleiben, wird dieser an die früheren Eigentümer ausbezahlt - den etwaigen Nachschlag gibt's dann sozusagen am Ende aller Erschließungsarbeiten obendrauf.

Zur Klärung individueller Fragen und der Mitwirkungsbereitschaft werden im nächsten Schritt Einzelgespräche mit allen betroffenen Grundstückseigentümern geführt. Damit wird im Juni gestartet. Parallel hierzu laufen Vermessungsaufnahmen, naturschutzfachliche Untersuchungen, Kostenermittlungen und vieles mehr.
Mit Herrenberg Süd sollen Flächen für den Wohnungsbau, aber auch für Gewerbe, Handel und Dienstleistungen sowie öffentliche Infrastruktur geschaffen werden. Den Leitlinien der Region entsprechend, liegt der Schwerpunkt auf dem Wohnungsbau mit Erweiterungsflächen für Gemeinbedarf im Bereich "Längenholz" sowie Flächen für Handel, Dienstleistung und Gewerbe im Bereich "Hinter dem Armenhaus". Abgeholfen werden soll auch dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum. (red)
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