"Malort"-Ausstellung der Berkenschule Holzgerlingen in der Burg Kalteneck

Das Thema lautete "Heimat"

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    Projektleiterin Christine Jäckle zeigt Kindern, wie es in Holzgerlingen nach dem Zweiten Weltkrieg ausgesehen hat - daneben stehen Worte, die mit Heimatbegriff verbunden werden Foto: red

Artikel vom 11. April 2019 - 17:00

HOLZGERLINGEN (red). "Was bedeutet eigentlich Heimat?" Dieser Frage hat sich der "Malort" der Holzgerlinger Berkenschule - geleitet von Christine Jäckle in Kooperation mit dem Team des Integrationsmanagements der Schönbuchlichtung unter der Leitung von Anna Sommer - gewidmet. Und eine kleine Ausstellung zu diesem Thema in der Burg Kalteneck auf den Weg gebracht.

Projektteilnehmerin Humeira Abbassi erzählte am Abend der Ausstellungseröffnung von ihrem Herkunftsland Afghanistan. Dort, so berichtete Abbassi, würden Frauen und Kinder ihrer Menschenrechte beraubt. Trotzdem blicke sie heute hoffnungsvoll in die Zukunft - auch dank der Ausstellung in der Burg Kalteneck: Denn dort habe sie gesehen, dass auch in Holzgerlingen nach dem Zweiten Weltkrieg einmal alles kaputt gewesen sei, nun sei aber alles wieder schön aufgebaut. "Frieden macht Heimat erst möglich", sagte sie. Anschließend las Nava Ebrahimi aus ihrem Roman "Sechzehn Wörter", in dem sie der Frage nachgeht, ob man sich in zwei Kulturen beheimatet fühlen kann oder eher zwischen ihnen verloren geht.

Den "Malort" in der Berkenschule Holzgerlingen gibt es seit Mai 2015. Dort war er anfangs für viele Schulkinder und Menschen jeglichen Alters und Herkunft ein Ort der Ruhe. Seit September 2018 haben die Teilnehmer an der Ausstellung, die mit Landesmitteln aus dem Topf "Gemeinsam in Vielfalt" finanziert wurde, gearbeitet, gemalt und gekocht. Schülerinnen, die als Flüchtlinge in Holzgerlingen angekommen sind, zeichneten auf Plakaten ihren Fluchtweg nach - und veranschaulichten auf diese Weise ihre persönlichen Schicksale. Eine Schülerin war mit ihrer Familie beispielsweise fast 2000 Kilometer zu fuß unterwegs.

Auch der Holzgerlinger Heimatgeschichtsverein war an der Ausstellung beteiligt und steuerte einige Stücke bei, die unter anderem aus der jüngst zu Ende gegangenen Sonderausstellung zu Flucht und Vertreibung in Erinnerung sind: Exponate, die zeigen, wie es Holzgerlingen nach dem Zweiten Weltkrieg erging.

Einige Ausstellungsteile luden zum Mitmachen ein. Beim Duftkino konnten Besucher ihre Nase testen, indem sie Gerüche erschnupperten, die für die Teilnehmer des Malort-Projekts Heimat bedeuten. Was die Ausstellungsbesucher selbst unter diesem Begriff verstehen, durften sie auf ein Flipchart schreiben.

Nun soll aus der Ausstellung ein Bilderkochbuch entstehen. Es wird Rezepte enthalten, die im Verlauf des Projekts gekocht wurden - und Fotos der ausgestellten Bilder.

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