Altdorf: Großes Gebell über kleinen Geldbetrag

Der Altdorfer Gemeinderat hat beschlossen, künftig auf Steuerzahlungen für Jagd-, Diabetiker- und Epilepsiehunde zu verzichten

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Artikel vom 20. März 2019 - 17:36

Von Dirk Hamann

ALTDORF. Welcher Hund kostet in welcher Kommune den Besitzer wie viel? Und warum überhaupt, wo es doch so eine Steuer für Katzen oder Pferde nicht gibt? Das Thema Hundesteuer ist eines, das immer dann, wenn es zur Sprache kommt, die Gemüter erregt. Auch im Altdorfer Gemeinderat. Thema in der Sitzung am Dienstag: Steuerbefreiung für Jagd-, Diabetiker- und Epilepsiehunde.

In Altdorf bezahlen Besitzer für ihren ersten Hund 102 Euro Steuern pro Jahr und für jeden weiteren 204. Dass die Verwaltung nun eine Empfehlung des Gemeindetags Baden-Württemberg aufgriff, um die Steuerpflicht für Diabetiker- und Epilepsiehunde aufzuheben, stieß im Gemeinderat auf allgemeines Wohlgefallen. Anders sah es im Fall des Jagdhunds aus. Nein, hier erinnerten sich die Gremiumsmitglieder daran, dass die Angelegenheit Hundesteuer eine ist, die nach emotional geführter Debatte verlangt.

Bürgermeister Erwin Heller holte weit aus, um den Gemeinderat von der Richtigkeit zu überzeugen, den Jagdhundbesitzer von Steuerzahlungen zu befreien. Er begann seine Ausführungen mit einem Exkurs in die allgemeinere Tierwelt, verwies auf die Schweinepest, die im Anmarsch sei. Und darauf, dass Jäger und deren Hunde gefordert seien, um deren Ausbreitung zu verhindern oder zumindest einzudämmen. Und weil der Jäger auch sonst Aufgaben übernehme, die dem Allgemeinwohl dienten, sei die "Steuerbefreiung gerechtfertigt". Da sich in Altdorf unter 212 Hunden maximal fünf mit dem Titel "Jagd" schmücken dürfen, fielen auch finanzielle Auswirkungen für die Gemeinde kaum ins Gewicht.

So sah es auch Arnd Rehn (Bürgerliche Wählervereinigung): "Ich sehe nichts, was dagegen spricht, ich kann da mitgehen. Der Jäger erfüllt schließlich eine ökologische und soziale Aufgabe", sagte er. Und bekam anschließend von Albrecht Brenner (Altdorfer Forum) zu hören, dass er die Geschichte ganz anders sieht. Er sprach sich vehement gegen die Befreiung aus - "das ist für mich eher keine Geld- sondern eher eine Gefühlsfrage". Die Argumentation mit der Schweinepest sei für ihn "weit hergeholt". Und wenn man die Jäger aufgrund dieser Begründung unterstützen wolle, dann dürfe man auch keine 7000 Euro Jagdpacht von ihnen verlangen.

Zahlreiche Gremiumsmitglieder plus Erwin Heller und Kämmerer Sven Fischer stiegen in der Folge in eine umfangreiche Diskussion mit ein. Der Gemeinderat war auf den Hund gekommen, keine Frage. Zur Verwunderung von Wolfgang Henne (Bürgerliche Wählervereinigung): "Ich hatte nicht gedacht, dass wir wegen 500 Euro so ein Fass aufmachen", meinte er. Und beteiligte sich darauf prompt am allgemeinen Gebell: "Wir brauchen die Jäger", befand er. "Mit der Befreiung geben wir auch ein Stück zurück von dem, was die hier noch alles im Wald für uns machen. Ich sehe einen großen Nutzen in der Sache."

Albrecht Brenner indes beharrte, ohne dass er bestreiten wollte, dass Jäger sinnvolle Arbeit leisten, auf seinem ablehnenden Standpunkt. Er wittert allerdings Lobbyarbeit auf höherer Ebene, die hinter dem aus seiner Sicht unsittlichen Antrag stecken könnte: "Hier wird so getan, als ob das Jagdwesen auf dem Niedergang wäre, um eine Steuerbefreiung zu erhalten. Da mache ich nicht mit."

Noch ein paar Mal ging's im Ratssaal hin und her. Dann war die Beute erlegt, es war klar, dass auch Jagdhundebesitzer in Altdorf künftig von der Hundesteuer befreit sind. Halali! Die drei Gemeinderäte des Altdorfer Forums mussten sich dem Mehrheitswillen der restlichen Gremiumsmitglieder beugen.

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