In Waldenbuch verwandeln sich Mädchen in Meerjungfrauen

Ein Kursbesuch im Waldenbucher Hallenbad bei der Stuttgarter Obernixe Nikolett Garbacz

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    Wie Arielle im Wasser: KRZ-Mitarbeiterin Chiara Sterk hat sich in Waldenbuch als Meerjungfrau versucht

Halb hüpfend, halb watschelnd geht es Stück für Stück die letzten Meter an den Beckenrand. Dann macht es "Platsch"und alle sind drin: die Wassernixen und Meerjungfrauen vom Waldenbucher Hallenbad. Mit dabei, getarnt als Meerjungfrau: Reporterin Karla Kolumna.

Artikel vom 19. März 2019 - 17:00

Von Chiara Sterk

WALDENBUCH. Wer die Wahl hat, der hat die Qual. So auch beim Aussuchen des richtigen Fischschwanzes. Von blau über grün und gelb, orange, rot bis hin zu Rosa- und Lilatönen und auch ganz bunt ist alles da. Denn der muss ja zum Bikini passen. Soviel wissen auch schon die ganz kleinen Meerjungfrauen.

Gespannt sitzen sie also da, die vier Mädels zwischen sechs und neun - und können es kaum erwarten, einen der schillernden Fischschwänze samt Flosse anziehen zu dürfen.

Was, in dieses Ding sollst Du hineinpassen? Wer's glaubt, wird selig, denkst du dir. Aber nur keine falsche Scheu an den Tag gelegt: Anziehen, drüberstülpen und hinein in das Teil. Aaaachtung: Immer hübsch die Balance halten, bloß nicht umkippen. Ganz schön kippelig. Und wie fühlt sich das so an mit Fischschwanz? Die Beine wie gefesselt, von Bewegungsfreiheit keine Spur! Aber wenigstens sitzt der Schlauch einigermaßen an der Taille, da macht das viele Nudeln essen doch gleich doppelt Spaß. Und jetzt der Weg zum Beckenrand: Eine echte Tortur, Schritte zu machen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Da springen dann Mama und Papa helfend ein und nehmen die Mädels an die Fischflosse - pardon: an die Hand. Doch Karla Kolumna muss ganz alleine vorwärtskommen. Also ist Freestyle im Watscheln und Hüpfen angesagt. Was sonst selbstverständlich scheint, wird auf den paar Metern bis zum Wasser zur echten Herausforderung.

Nikki, die eigentlich Nikolett Garbacz heißt und aus Stuttgart-Weilimdorf kommt, leitet den Meerjungfrauen-Kurs, selbst im Kostüm. Seit nun drei Jahren veranstaltet die Obernixe Nikki nebenberuflich Meerjungfrauenschwimmen, auch auf Geburtstagen oder Junggesellenabschieden. Zu ihrem Nebenberuf kam die 33-Jährige über ihre Tochter. "Die wollte das unbedingt ausprobieren. Doch das hat dann vor allem mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin", erzählt sie lachend. Und fügt hinzu: "Als ehemalige Schwimmerin und Trainerin hab' ich mich aber schon immer im Wasser zu Hause gefühlt."

Und dann geht es endlich rein ins kühle Nass. Platsch und Pardauz. Aaahh - fast wie ein Aufatmen unter Wasser: Das fühlt sich jetzt aber gut an, als hättest du das schon immer gemacht. Leichte Schwimmbewegungen, erst auf dem Bauch, dann auf dem Rücken. Die Beine sind gestreckt, die Bewegung kommt aus der Hüfte und die Flossenspitze am Ende des Fischschwanzes zappelt übers Wasser. Das klappt ja prima. Bisher hast du noch gar kein Wasser geschluckt und vorwärts kommst du auch. Wie aber schlagen sich die anderen? "Gar nicht einfach" müssen die kleinen Meerjungfrauen feststellen. Denn die Flosse zu bewegen, ist ganz schön kräftezehrend.

"Hört mal her: Versucht nicht mit der Flosse Brust oder Kraul zu schwimmen, weil ihr es gelernt habt, so zu schwimmen", mahnt Nikki. "Das kann unmöglich klappen, weil die Beine im Fischschwanz wie miteinander verwachsen sind."

Salto mortale am Grund des Beckens

Als nächstes stehen Purzelbäume auf dem Programm, vorwärts und rückwärts. Huiiih, ist die Flosse lang, die ziehst du bloß besser an den Bauch heran beim nächsten Purzelbaum. Und das war eindeutig zu wenig ausgeatmet, das Chlorwasser ist dir beim Salto mortale unter Wasser in die Nasenlöcher hinein- und fast noch die Stirnhöhle hinaufgelaufen. Puuh, das brennt in der Nase. Ein Blick zu den anderen genügt - ihnen geht's genauso. "Ganz schön anstrengend", finden die beiden Meerjungfrauen Mia und Sophia und prusten, was das Zeug hält.

Heute hat Nikki gerade mal fünf Anmeldungen. "Das ist wirklich wenig", seufzt sie. Von den drei Kursen, die ursprünglich angeboten wurden, kommt so nur einer zustande. Heute sind es auch nur Mädchen in Nikkis Kurs. Aber das ist nicht immer so: "Ich hab immer mal wieder Jungs dabei und auch manchmal Pärchen", freut sich die Stuttgarterin: Echte Wassermänner also, wahre Neptune, die sich dann zu Nikki und den Nixen gesellen.

Schluss mit Purzelbäumen jetzt - endlich geht's an die nächste Disziplin, die Königsdisziplin für die Meerjungfrauen: Das Tauchen! Tief hinab, bis zu den Ringen am Beckengrund. Ein echter Aha-Effekt, auch bei den Anderen: "Tauchen mit der Meerjungfrauenflosse, das klappt doch fließend", stellen die begeisterten Nixenmädels fest. Und nun der Zirkusteil: am Beckengrund entlang durch senkrecht stehende Reifen hindurch. Obernixe Nikki macht vor, wie sie durch einen Reifen hindurchtaucht, wendet und auf der anderen Seite durch einen weiteren Reif zurücktaucht. Wie ein Tümmler. Dann der Selbstversuch: Hoppla, wirklich wendig ist die Flosse nicht. Mensch, Meerjungfrau, pass bloß auf, dass du mit der Schwanzflosse nicht an den Reifen hängenbleibst und den ganzen Parcours noch mit dir reißt.

Puuh, gerade so geschafft, die Reifen stehen noch. Und die anderen Meerjungfrauen? Japsen nach Luft, haben vom Chlor gerötete Augen, sind ganz schön geschafft. Mama und Papa nehmen sie am Beckenrand in Empfang und helfen ihnen aus dem nassen und schweren Fischschwanz wieder heraus. Nur Karla Kolumna kämpft wieder ganz alleine vor sich hin und müht sich mit dem Teil ab.

Nach 45 Minuten ist der Zauber vorbei. Geschafft, aber auch glücklich. Eine Doppelstunde im Meerjungfrauenschwimmen wäre dann doch für den Anfang zu viel des Guten gewesen. . .

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