Milde Strafe für die Messerstecherin aus Hildrizhausen

Eineinhalb Jahre für US-Bürgerin aus Hildrizhausen werden zur Bewährung ausgesetzt

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    Den Tod ihres Ehemannes habe sie billigend in Kauf genommen, so der Richter bei der Urteilsverkündung Foto: Archiv

Artikel vom 11. Februar 2019 - 19:30

Von Bernd S. Winckler

HILDRIZHAUSEN. "Totschlagsversuch im affektiven Ausnahmezustand". So begründete die Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts die auf eineinhalb Jahre zur Bewährung ausgesetzte Strafe gegen eine 52-jährige US-Soldatin, die in Hildrizhausen mit einem langen Steakmesser auf den Ehemann losgegangen war (wir berichteten).

Der Prozess vor dem Stuttgarter Schwurgericht dauerte gerade mal zwei Tage. Ungewöhnlich kurz, da in Fällen von Tötungsversuchen die Gerichte peinlich akribisch die Beweisaufnahme durchführen und alle möglichen Motivlagen zu erkunden versuchen. Das Motiv dieser Tat, das am Nachmittag des 25. August letzten Jahres vor der Haustüre des gemeinsamen Einfamilienhauses in Hildrizhausen geschah, konnten letztlich die Stuttgarter Richter auch nicht erhellen.

Geblieben war rein rechtlich ein Verbrechen des versuchten Totschlags, wenn auch von Seiten der beiden Verteidigerinnen ins Feld geführt wurde, dass die Angeklagte Ehefrau an jenem 25. August kurz nach einer Operation und hohem Blutverlust keine Tötungsabsichten im Schilde führen konnte. Sie habe nicht töten wollen, denn sie habe ihren Mann geliebt - und umgekehrt sei es ebenso gewesen.

Durch die Messerattacke wollte sie stattdessen verhindern, dass ihr Ehemann sie erneut ins Krankenhaus bringt. Nachdem es nach der OP zu Komplikationen gekommen war, habe sie Angst gehabt, dass man sie dort umbringen werde.

Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigt der Frau zur Tatzeit erheblich eingeschränkte Schuld- und Einsichtsfähigkeit, hervorgerufen durch den hohen Blutverlust, die Angst vor dem Krankenhaus sowie durch frühere Kriegserlebnisse im Irak, dem Kosovo und anderen Krisengebieten, wo die Angeklagte sogar in Kampfhandlungen eingebunden war.

Tod billigend in Kauf genommen

All dies bewog die Richter, den mildesten Strafzumessungsrahmen anzuwenden, den das Gesetz ermöglicht. Aber es verlange auch die bundesdeutsche Rechtsordnung, so der Vorsitzende Richter gestern im Urteil, dass derlei Taten verfolgt und gesühnt werden müssen. Mit dem relativ großen Messer habe sie billigend den Tod des Ehemannes in Kauf genommen, zumal sie kurz vor der Tat das Messer noch hinter ihrem Rücken versteckt gehalten habe. Hätte der Ehemann nicht geistesgegenwärtig den Arm der Frau festgehalten und ihr das Messer abgenommen, wäre Schlimmeres passiert.

Das Gericht folgte den Argumenten des Staatsanwalts, der ebenfalls eineinhalb Jahre Haft wegen versuchten Totschlags mit Strafmilderung durch eingeschränkte Schuld gefordert hatte. Als Bewährungsauflage muss die Verurteilte innerhalb eines Jahres 7000 Euro an die Stuttgarter Bewährungshilfe zahlen.

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