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Schluss machen mit wild entsorgtem Müll

Aktionsbündnis macht sich für sauberes Herrenberg stark und hofft auf Mitstreiter - Kennenlern-Treffen am kommenden Mittwoch

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    Wild entsorgter Müll und überquellende Mülleimer sind vielen ein Dorn im Auge - In Herrenberg wird jetzt aktiv dagegen vorgegangen Foto: red

Blauer Himmel, grüne Streuobstwiesen, Bäume voller reifer Äpfel - herbstliche Idylle pur. Wäre da nicht das bunte Sammelsurium an leeren Getränkekartons, Plastikverpackungen und Folien, das unter einem der Bäume liegt. Achtlos weggeworfener Müll, der die schöne Landschaft verschandelt . . .

Artikel vom 16. Oktober 2018 - 16:06

HERRENBERG (red). Der wilde Müll belastet zum einen die Natur und stört zum anderen Spaziergänger wie Hildegard und Paul Dengler, Annemarie Bek und Susanne Orlich. Alle vier engagieren sich bei "Aktiv gegen Müll". Sie sammeln auf ihren Spaziergängen rund um Herrenberg den Müll auf, den andere gedankenlos, vielleicht sogar mutwillig, weggeworfen haben und entsorgen diesen in den öffentlichen oder auch in ihren privaten Mülleimern. Die Frage nach dem "Warum" für dieses ehrenamtliche Engagement ist schnell beantwortet: "Ich komme einfach nicht daran vorbei", bringt es Hildegard Dengler auf einen einfachen Nenner.

Es sei kein bisschen appetitlich, "wenn man beim Spazierengehen auf Schritt und Tritt in Taschentücher, Papierschnipsel oder gar Folien tritt", sagt die Affstätterin. Damit ihr dieses unangenehme Erlebnis wenigstens auf dem Rückweg erspart bleibt, sammeln sie und ihr Mann Paul den wilden Müll auf. "Gott hat die Erde so schön gemacht", sagt der pensionierte Theologe. "Es ist für mich nicht verständlich, dass der Mensch diese Schönheit so wenig achtet." Das Ehepaar Dengler hat es sich zur Angewohnheit gemacht, bei seinen Spaziergängen auf den Feldwegen rund um Affstätt oder auf dem Weg zum Einkaufen in die Kernstadt den umher liegenden Müll einzusammeln. Gleiches gilt für Annemarie Bek, die Schwester von Hildegard Dengler. Mehrmals täglich ist sie mit ihrem Hund draußen, regelmäßig sammelt sie dabei Müll. Dennoch: "Es geht kaum ein Tag vorbei, an dem ich nichts finde." Für sie unverständlich, vor allem da "sehr oft sogar ein Mülleimer in der Nähe steht".

Die Liebe zur Natur als Triebfeder des Handelns

Doch nicht nur in Affstätt und in Gültstein - hier hat Ortsvorsteher Gerhard Kauffeldt eine kleine Schar engagierter Bürger um sich gesammelt, die regelmäßig den Herrenberger Ortsteil von wild entsorgtem Müll befreien - gibt es aktive Müllsammler. Susanne Orlich ist in der Kernstadt unterwegs, oder vielmehr drum herum. Wie Annemarie Bek geht sie regelmäßig mit ihrem Hund spazieren. Während sie zuvor stillschweigend den Müll anderer aufgesammelt hat, hat Susanne Orlich seit kurzer Zeit einen Instagram-Account installiert, auf dem sie aktiv nach weiteren Mitmachern sucht. Regelmäßig postet sie Vorher-Nachher-Bilder und ist überregional vernetzt. Denn in vielen Städten, sagt sie, gründen sich gerade lose Netzwerke von Anti-Müll-Aktiven, die ihre Fotos teilen. Fotos von vermüllten Flächen und Ecken - und von der gesäuberten Landschaft nach ihrem Aufräumen.

Wie bei ihren Mitstreitern in Affstätt, ist bei Susanne Orlich auch die Liebe zur Natur die Triebfeder für ihr Tun. "Als Küstenkind und später während meines Aufenthaltes in den USA hatte ich wunderschöne Strände direkt vor meiner Haustüre." Zu sehen, wie das Schöne durch weggeworfenen und angeschwemmten Müll zerstört wird, habe sie "unheimlich traurig" gemacht. Gleiches gilt für ihre Wahlheimat Herrenberg, weshalb sie sich dazu entschieden hat, aktiv einzuschreiten und bei ihren Mitbürgern ein Bewusstsein zu schaffen - auch dafür, dass es nicht viel braucht, um Herrenberg und das Umland vom Müll sauber zu halten.

Eigenes Netzwerk für Herrenberg wird aus der Taufe gehoben

Diese Überlegungen greift das geplante Projekt "Aktiv gegen Müll" auf, für das nun der Startschuss fällt. Bereits aktive Müll-Sammler sollen miteinander vernetzt werden, in der Hoffnung, zukünftig gemeinsam aktiv zu werden und weitere Bürger zum Mitsammeln zu animieren. Wobei es nicht darum geht, den öffentlichen Aufgabenträger, also die Stadt, aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Ganz im Gegenteil: Schon heute sind die Mitarbeiter des Amtes für Technik, Umwelt und Grün (TUG) täglich unterwegs, um die öffentlichen Mülleimer im Stadtgebiet zu leeren und die Kernstadt und ihre Stadtteile müllfrei zu halten. Das Projekt will vielmehr die Aktivitäten der privaten Anti-Müll-Aktiven wertschätzen, sie unterstützen und mit der Arbeit der öffentlichen Stadtreinigung abstimmen.

Das Team für Beteiligung und Engagement und das Amt für Technik, Umwelt, Grün laden deshalb alle Menschen, die schon jetzt aktiv etwas gegen Müll unternehmen oder die zukünftig etwas unternehmen möchten, herzlich zum gegenseitigen Kennenlernen ein. Treffpunkt ist am Mittwoch, 24. Oktober, im Klosterhof-Keller. Beginn des Treffens ist um 19.30 Uhr.

Fragen zum Projekt "Aktiv gegen Müll" beantwortet Vanessa Watkins, Leiterin Beteiligung und Engagement, unter BE@herrenberg.de Kontakt auf. Bei ihr können sich auch diejenigen melden, die sich gerne engagieren würden, aber nicht zum Vernetzungstreffen kommen können.
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