Beispielhaft

Kommentar

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    Emsige Erntehelfer: Zentnerweise Äpfel sammeln die Grundschüler ein und liefern sie am Hänger ab

Artikel vom 10. Oktober 2018 - 17:30

Von Dirk Hamann

Wie kommt der Saft in die Tüte und wie kommt er wieder raus? Das fragte Stefan Raab in den 90er-Jahren in seinem Hit über die Sendung mit der Maus. In Altdorf brauchen Grundschulkinder keine Fernsehsendung, um diese Frage zu beantworten. Sie wissen es, weil sie bei der Saftproduktion selbst tatkräftig mitgewirkt haben.

Unter der Leitung von Karl Berner hat der BUND schon zum zweiten Mal die Kooperation mit der örtlichen Grundschule gesucht. 130 Schulkinder waren in mehrere Gruppen eingeteilt einen Vormittag auf Altdorfer Streuobstwiesen unterwegs, haben Äpfel aufgelesen, die zuvor von einigen Helfern des BUND von den Bäumen gerüttelt worden waren. Diese Äpfel durften sie in Eimern auf einem Hänger abladen, den Berner tags drauf mit einem Schlepper nach Mönchberg kutschierte, wo das Obst bei der Manufaktur Maisch gepresst, der Süßmost auf 78 Grad erhitzt zum Apfelsaft veredelt und im Bag-in-Box-Verfahren abgefüllt wurde. Zwei Tage nach ihrer Sammelaktion in freier Natur durften die Grundschüler so viel feinsten Apfelsaft in Empfang nehmen, dass sie in der Schule mehr als ein Jahr lang damit ihren Durst löschen können.

Die Kinder lernten bei der Aktion des BUND den hohen Wert der hiesigen Streuobstlandschaft in der Praxis kennen, erhielten zur Belohnung für ihre Arbeit eine ebenso schmackhafte wie gesunde Belohnung. Und das Obst, das auf den Streuobstwiesen oft vergeblich auf Abnehmer wartet, bekam den ihm zugetragenen Nutzen. Nicht zuletzt dient das Projekt auch dazu, wertvolles Wissen von der älteren Generation an die jüngste weiter zu reichen. Wie kommt der Saft in die Tüte und wie kommt er wieder raus? Eine Frage, die sich in Altdorf nicht mehr stellt. Eine andere drängt sich dafür auf: Warum gibt es eine so beispielhafte Aktion nicht überall?

 

 

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