Mit grünen Wellen zu weniger Gift in der Luft

Bundesregierung finanziert Modellprojekte für bessere Stadtluft in Herrenberg mit über vier Millionen Euro - Maßnahmen stehen

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    Durch ein ganzes Maßnahmenbündel will Herrenberg die schlechte Luft aus der Stadt vertreiben - das Modellprojekt wird zu 95 Prozent durch den Bund finanziert Grafik: Stadt Herrenberg

Als eine von bundesweit fünf Kommunen hat Herrenberg jetzt Fördermittel des Bundes zugesagt bekommen, die dazu eingesetzt werden, die Luftqualität in der Stadt zu verbessern. Dank dieser Finanzspritze in Höhe von voraussichtlich mehr als vier Millionen Euro kann schnell ein Maßnahmenbündel geschnürt werden, das den Nahverkehr verbessert und verbilligt sowie den Verkehrsfluss an den Hauptverkehrsadern verstetigt. Damit soll der zu hohe Stickoxidgehalt spürbar gesenkt werden. Nach den Sommerferien wird in die Umsetzung eingestiegen.

Artikel vom 15. August 2018 - 05:00

HERRENBERG (red). Alle Maßnahmen sind Bestandteile des Integrierten Mobilitätsentwicklungsplans für Herrenberg. "Wir freuen uns, dass dank der Fördermittel aus Berlin die Umsetzung jetzt sofort starten kann", erklärt Tobias Meigel, der als Erster Bürgermeister der Stadt Herrenberg das Baudezernat leitet.

Herrenberg hat bei der Bundesregierung sieben Projektskizzen eingereicht. Derzeit befindet sich der Bund in der Schlussphase der Prüfung. Bereits jetzt steht fest: Die Förderquote ist mit 95 Prozent besonders hoch und macht den Weg frei für eine schnelle Umsetzung. "Trotzdem steht vor dem Start jeder Baustelle eine fachlich fundierte Planung und die politische Entscheidung des Gemeinderats", wirft Meigel ein. Das Modellprojekt läuft über zwei Jahre und endet 2020 mit einer Evaluation.

Elektronische Tafeln. Der Stickoxidausstoß von Autos ist vor allem beim Anfahren und Beschleunigen hoch. Deshalb soll eine intelligente Lenkung den Verkehrsfluss durch eine dynamische Beschränkung des Tempos zwischen 20 und 40 km/h auf den Hauptachsen rund um den Reinhold-Schick-Platz verstetigen. An folgenden Streckenabschnitten werden elektronische Tafeln anzeigen, bei welchem Tempo die grüne Welle rollt: Auf der B 296 aus Richtung Tübingen ab der Kreuzung Beethovenstraße/Marienstraße; auf der B 296 aus Richtung Affstätt ab der Kreuzung Zeppelinstraße und weiter über den als Kaufland-Kreuzung bekannten Verkehrsknoten in Richtung Reinhold-Schick-Platz; auf der B 14 aus Richtung Nufringen ab der Kreuzung Daimlerstraße/Stuttgarter Straße; auf der Horber Straße ab der Kreuzung Schillerstraße/Vogelsang. Ebenfalls an das Lenkungssystem angeschlossen werden soll die gesamte K 1047 (also die Zeppelin- und die Daimlerstraße). Auch das Lkw-Durchfahrtsverbot wird über die elektronischen Tafeln angezeigt.

Wegfallende Längsparkplätze. Da Stop-and-go-Verkehr auch durch das Ein- und Ausparken ausgelöst wird, werden dieses Jahr bereits Längsparkplätze an Abschnitten der Horber Straße und der Hindenburgstraße stillgelegt, frei werdende Flächen Radlern und Bussen zugeschlagen. Auch das Linksabbiegen wird an einzelnen Punkten nicht mehr möglich sein, so von der Horber Straße in die Bismarckstraße und vice versa.

Messflotte. In Zusammenarbeit mit der Firma Bosch werden Fahrzeuge mit einem Gerät ausgerüstet, das das Fahrverhalten analysiert. Dadurch kann der Stickoxidausstoß berechnet werden. Die Flotte startet im Herbst. Außerdem werden die Zusammenhänge zwischen Geschwindigkeit, Beschleunigen und Halten einerseits und Schadstoffen andererseits genau erfasst und können entsprechend ausgewertet werden.

Busse und Linientaxis. Damit Busse schneller an ihr Ziel kommen, werden Busspuren eingerichtet: so bei der Horber Straße in Fahrtrichtung Reinhold-Schick-Platz; an der Mühlstraße bei der Kauflandkreuzung wird die Rechtsabbiegerspur zur Busspur. Ein dritter Bus soll das Angebot der bisherigen Citybuslinien verbessern. Zusätzlich werden Linientaxis eingeführt: Kleine Busse, die auch abends auf vier Linien nach einem festen Fahrplan unterwegs sind. Die Linientaxis ersetzen das Ruftaxi und koppeln die Innenstadt und die Stadtteile besser aneinander. Bisher wird der Einzelfahrschein subventioniert. Künftig sollen stattdessen das Monatsticket und das Tagesticket billiger werden. Das Tagesticket soll drei Euro kosten und das Monatsticket um 20 Euro billiger werden.

App für mobile Endgeräte. Herrenberg will eine kommunale Mobilitäts-App anbieten, die für alle Verkehrsmittel wie S-Bahn, Fahrrad und Auto den schnellsten Weg von A nach B kennt - auch über Gemeindegrenzen hinaus. Hinzu kommt die Organisation von Mitfahrgelegenheiten.

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