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Schätze der Artenvielfalt am Straßenrand

Landkreis Böblingen beteiligt sich an Landes-Modellprojekt zur ökologisch orientierten Pflege des Begleitgrüns am Straßenrand

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    Blühende Pflanzen, Krafttankstellen für Bienen: So sollte der Idealzustand am Straßenrand aussehen, und zwar mit möglichst vielen unterschiedlichen Gräsern als Lebensort für Insekten Fotos: Bischof

Täglich kämpfen Straßenmeistereien an Hunderten von Kilometern Böschungen gegen wucherndes Grün. Dabei könnte man die Flächen dringend brauchen, um mit blühenden Pflanzen etwas gegen das Insektensterben zu tun. Ein Modellversuch soll diese Schätze der Artenvielfalt mit den passsenden Pflegemethoden heben.

Artikel vom 23. Juni 2018 - 08:00

Von Hans-Dieter Schuh

GÄUFELDEN. Auf einer größeren Verkehrsinsel zwischen der Landesstraße 1184 und abgehenden Straßen ins Nebringer Gewerbegebiet trafen sich am Freitag kurz vor dem Feierabend Landrat Roland Bernhard und eine Handvoll Fachleute. Hier am Straßenrand startet ein dreijähriger Feldversuch, der Aufschluss darüber bringen soll, mit welchen Pflegemethoden eine höhere Artenvielfalt an den Verkehrswegen erreicht werden kann. Die Zeit drängt: In den letzten 25 Jahren ist die Masse der Fluginsekten um über 75 Prozent zurückgegangen. Weniger lästige Insekten würde das Gros der Menschheit wohl nicht stören, aber der parallele und nicht weniger dramatische Rückgang der Vogelbrutpaare, der eben auch auf den Rückgang der Insekten als ihre Lebensgrundlage zurückgeführt wird.

Nun könnte man annehmen, dass mit dem schmalen Begleitgrün an Böschungen und Randstreifen wenig gegen den Artenrückgang getan werden kann. Professor Christian Küpfer, von der Hochschule für Umwelt und Wirtschaft Nürtingen-Geislingen und vom Land mit dem Feldversuch beauftragt, rückt die Dimension ins rechte Licht: "Das Land hat 85 000 Hektar Naturschutzgebiete und 27 000 Hektar erfasste Straßenböschungen."

Da könnte also durchaus etwas erreicht werden - auch für wertvolle Insekten wie Wildbienen, die zum Beispiel zur Bestäubung von Obstbäumen notwendig sind. Drei Millionen Euro steckt das Verkehrsministerium nun in das dreijährige Modellprojekt. Einer der fünf Landkreise, die den Zuschlag bekommen haben, ist der Kreis Böblingen mit 20 von insgesamt 120 ausgewählten "Dauerbeobachtungsflächen". Froh äußert sich am Freitag Landrat Roland Bernhard darüber, dass der Landkreis bei dem von den Grünen ("Die Erhaltung der Artenvielfalt ist so wichtig für den Planeten wie der Klimaschutz") initiierten Feldversuch beteiligt ist. Er kann sich in der bereits angelaufenen Zusammenarbeit zwischen dem Forscherteam und den Straßenbauämtern und Straßenmeistereien eine "Win-Win-Situation" vorstellen. Denn in der Kooperation kann bei den richtigen Pflegekonzepten und Handlungsempfehlungen durchaus auch eine Reduzierung der Pflegekosten herauskommen.

Landschaftsplaner Professor Küpfer formuliert das Ziel so: Empfehlungen zu finden, wie blüharme Standorte mit "fetten" Böden nach und nach in blüh- und artenreiche Standorte auf mageren Böden umgewandelt werden können. Ein Weg dahin: die Mahd nicht zu mulchen und damit den Standort zu düngen, sondern abzuräumen.

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