"Mählanie" sorgt für den perfekten Fußballrasen in Herrenberg

Mähroboter flitzt im Zwei-Stunden-Takt über den Fußballplatz des VfL Herrenberg

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    Roboterfee Mählanie bei der Arbeit: Den Rasem klein zu halten, ist ihr bevorzugtes Metier / Foto: red

Die Arbeitswelt verändert sich rasant: Menschen und Maschinen, die miteinander kommunizieren und kooperieren. Digitale Systeme, die Prozesse intelligent miteinander verzahnen und weitestgehend selbstorganisiert arbeiten. Soweit die Theorie. Ein anschauliches Beispiel geht im Zwei-Stunden-Takt auf Herrenbergs "heiligem Rasen" seiner Arbeit nach - also auf dem Fußballplatz des VfL.

Artikel vom 22. Juni 2018 - 16:00

HERRENBERG (red). Das Fußball-Grün ist eine Wissenschaft für sich. Davon weiß auch der Stadionwart Helmut Storck ein Lied zu singen. Exakte 25 bis 28 Millimeter darf der perfekt gewachsene Grashalm unter des Fußballers Füßen bemessen. Über diesen satt-grünen "Kurzhaarschnitt" flitzen die Spieler am liebsten, weil der Ball dann am schnellsten läuft.

Im Schnitt dreimal pro Woche schwangen sich in der Vergangenheit Storck und sein Kollege Nazim Baran im Wechsel auf den Aufsitzmäher, um den Rasen dauerhaft in Spiel-Schuss zu halten. Die Pflege allein für diese eine Grünfläche schlug Woche für Woche mit etwa viereinhalb Arbeitsstunden zu Buche. Doch seit August vergangenen Jahres surrt statt des wuchtigen Großflächenmähers etwas grünes Kleines über den Platz, etwas, das in Form und Bewegung ein wenig an eine fliegende Untertasse erinnert. Aber es handelt sich mitnichten um ein UFO, sondern um ein smartes Projekt, gesteuert von den Technischen Diensten.

"BigMow" heißt der autonom fahrende Mähroboter mit dem Spitznamen Mählanie, der speziell auf große Flächen ausgelegt ist. Seit vielen Jahren beobachtet Herrenbergs Chef der Technischen Dienste, Stefan Kraus, den Mähroboter-Markt, der sich die letzten Jahren im Privatkunden-Segment schon seinen Platz erobert hat. "Für unsere Belange - also große und zudem mit großer Sorgfalt zu behandelnde Flächen - gab der Markt lange nichts her, was in einem für uns vernünftigen Preis-/Leistungsverhältnis stand", erläutert Kraus. Doch die Zeitenwende scheint eingeläutet zu sein: Jetzt schneidet Mählanie im permanenten Einsatz Herrenbergs Fußballrasen. Das Urteil fällt von allen Seiten eindeutig positiv aus: Dieser Mähroboter liefert allerorten eine akkurate Schnittleistung ab, der Rasen sieht bis in die letzte Ecke hinein stets Tipptopp aus.

Anders als ein handbetriebener Rasenmäher folgt ein Mähroboter keinem speziellen Muster, fährt vielmehr kreuz und quer auf der Fläche umher. Auf der Unterseite sitzen scharfe Messer, bei Mählanie sind es 15 an der Zahl. Entlang der Rasenkante verläuft ein stromführendes Kabel, 20 Zentimeter tief unter der Erdoberfläche vergraben, somit unsichtbar für den Betrachter. Das Kabel gibt dem Roboter seine zu bemähende Fläche vor. Nähert sich der Rasenroboter dem Begrenzungsdraht, stoppt er und fährt in anderer Richtung wieder davon. Was anfangs chaotisch wirkt, kommt schon bald picobello daher: Ein Rasen, der überall gleich kurz und wunderbar dicht wächst, von Moos keine Spur - kurzum der perfekte Rasen für packende Fußballspiele.

Alle zwei Stunden fährt der Elektroroboter selbstständig seinen "Futtertrog" an und packt an der überdachten Ladestation seine Akkus wieder voll. Zwei Stunden später surrt Mählanie wieder aufs Feld, um mit frischen Kräften ihrer Millimeter-Mission nachzukommen. Steht ein Training oder ein Spiel an, befiehlt der Stadionwart per Mobiltelefon den Rückzug in die Ladestation.

Schriller Ton hält Diebe auf Abstand

"Dieser elektrobetriebene Mähroboter sorgt für den perfekten Rasen, er schont die Umwelt, er kostet nur einen Bruchteil eines normalen Mähtraktors und er spart uns eine Menge Zeit", zieht Stefan Kraus, Leiter der Technischen Dienste, zufrieden Bilanz. Kostbare Zeit, mit der an anderer Stelle ein erheblicher Mehrwert erzielt werden könne.

Auch das Sicherheitskonzept überzeugt: Taucht ein Hindernis auf, stoppt der Roboter und sucht sich einen neuen Weg. Hebt ihn jemand hoch, schaltet er sich ab: So ist es nahezu unmöglich, mit den Händen ins laufende Messer zu geraten. Macht sich ein Unbefugter an ihm zu schaffen und will ihn wegtragen, wird es gleich dreifach ungemütlich: Erstens "wehrt" sich das Gerät mit einem lauten, unangenehmen Dauerton, der dem Dieb ein unbemerktes Entfernen schier unmöglich macht. Nur die Eingabe eines persönlichen PIN-Berechtigungs-Codes kann Mählanie wieder ruhigstellen. Zweitens geht dem zuständigen Stadionwart sofort eine SMS zu, dass da etwas nicht stimmt. Drittens wird per GPS-Übertragung stets der aktuelle Aufenthaltsort verfolgt.

Überhaupt: Das Teil würde ohne dazugehörige Ladestation nutzlos wie eine fluguntaugliche Untertasse in der Gegend herumstehen. Erst das intelligente Zusammenspiel von Mensch, Maschine und Anlage macht den Mehrwert von Mähen und Arbeiten 4.0 spürbar.

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