Gärtringen setzt jetzt auf Holzbauweise

Verwaltung will Vorschlag zur Flüchtlingsunterbringung öffentlich zur Diskussion stellen

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    Am Rand des Gärtringer Neubaugebiets Kayertäle-Ost soll noch in diesem Jahr eine Unterkunft für 32 Flüchtlinge entstehen Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 18. Mai 2018 - 17:06

GÄRTRINGEN (red). Die Diskussion in Sachen Flüchtlingsunterkunft in Gärtringen geht in eine neue Runde: Nachdem sich der Gemeinderat im April für eine mobile Unterbringung an zwei Standorten entschieden hatte, gibt es nun einen ersten konkreten Vorschlag.

Der Beschluss der Ratsmitglieder sah mobile Unterkünfte für rund 30 Personen am Standort Kayertäle Ost sowie für rund 20 Personen an der Schwarzwaldhalle vor. Diese Entscheidung stieß insbesondere beim Verein "Menschen kommen an" und bei der Bürgerinitiative "Besseres Gärtringen" auf massiven Gegenwind, der in der Überlegung gipfelte, ein Bürgerbegehren ins Leben zu rufen (die KRZ berichtete).

"Niemand will klassische Stahlcontainer"

Nach Rücksprache mit allen Fraktionen will die Verwaltung nun eine Beschlussvorlage zur Ausschreibung der Unterkünfte in der Gemeinderatssitzung am 26. Juni öffentlich zur Diskussion stellen. Das teilte die Verwaltung in einer Pressemitteilung mit. Der Vorschlag sieht vor, noch in diesem Jahr eine Flüchtlingsunterkunft in modularer Holzbauweise mit einer maximalen Kapazität von 32 Personen am Standort Kayertäle Ost zu realisieren. Am Standort Schwarzwaldhalle soll nur im Bedarfsfall eine Unterkunft in modularer Holzbauweise errichtet werden. Sie soll frühestens im Jahr 2019 kommen. Die kommenden Monate sollen genutzt werden, um weitere Möglichkeiten der Unterbringung von Flüchtlingen im Wohnungsbestand zu suchen, beispielsweise durch die Anmietung weiteren Wohnraums.

"Ich freue mich, dass wir mit der modularen Holzbauweise eine Bauform gefunden haben, die eine menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge und eine ordentliche städtebauliche Gestaltung zu vertretbaren Kosten mit vielfältigen Nachnutzungsmöglichkeiten verbindet", so Bürgermeister Thomas Riesch. Diese Aspekte seien allen Fraktionen im Gemeinderat äußerst wichtig. Niemand wolle auf klassische Stahlcontainer setzen, weil diese ein schlechtes Raumklima aufweisen, energetisch nachteilig seien und nur mit aufwendigen und teuren Fassadenkonstruktionen ordentlichen städtebaulichen Standards entsprächen. "Mit einer maximalen Belegungszahl von 32 Personen am Standort Kayertäle Ost kann auch niemand mehr von einer Großunterkunft sprechen. Wir reden hier über eine kleine bis mittelgroße Anlage, die der Philosophie der dezentralen Flüchtlingsunterbringung voll entspricht", so Riesch.

Die Bauweise in mobilen Holzmodulen vereine, so die Pressemitteilung, die Vorteile der klassischen Modul - und Holzständerbauweise und minimiere gleichzeitig deren Nachteile. Die mobilen Holzmodule hätten ein sehr gutes Raumklima und seien energetisch deutlich besser als Stahlcontainer. Sie könnten durch eine vertikal angebrachte Holzverschalung städtebaulich ansehnlich gestaltet werden, ohne den Vorteil der Mobilität zu verlieren.

Hohe Wohnqualität und geringe Kosten

Die Module seien selbsttragend und könnten problemlos zweigeschossig errichtet werden. Die Dachkonstruktion sei relativ frei gestaltbar. Eine massive Bodenplatte werde für die Holzmodule nicht benötigt. Durch die Massivholzbauweise der Module bestünden die Innenwände aus natürlichem Holz und müssten nicht verkleidet werden. Das führe zu einer sehr hohen Wohnqualität und trage zur Kostenminderung bei.

Vorgesehen ist jeweils ein Doppelmodul als Appartement für vier Personen mit jeweils einem Schlafraum, eigenem Sanitärbereich, Küche sowie einem Wohn- und Essbereich einzurichten. Diese werden voraussichtlich über zwei Geschosse zur Gesamtanlage kombiniert. Zusätzlich sollen ein vergrößertes Doppelmodul als Sozial- und Aufenthaltsraum sowie je ein Einzelmodul als Technikraum und Büro für einen Sozialarbeiter entstehen. Die Kostenschätzung für die Errichtung einer Unterkunft für 32 Personen liegt bei etwa 500 000 Euro.

Die Zuweisungszahlen für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen sind vom Landratsamt abermals nach unten korrigiert worden. So muss die Gemeinde Gärtringen in diesem Jahr nur noch 121 zusätzliche Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung aufnehmen. Davon können etwa 100 Personen im Gebäude Möbel Brodbeck untergebracht werden, das derzeit zu Appartements für jeweils vier bis fünf Personen mit jeweils einem Schlafraum, eigenem Sanitärbereich, Küche sowie Wohn- und Essbereich umgebaut wird. Auch hier sind großzügige Sozialräume sowie Büros für Sozialarbeiter vorgesehen.

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