Mutgeschichten-Festival reist durch Herrenberger Teilorte

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    Insgesamt 15 Veranstaltungen haben sich die ehrenamtlichen Heimatforscher, Sportvereine und Kirchen einfallen lassen Foto: red

Wie kann man Menschen ermuntern, für andere einzustehen und wie macht man erlebbar, dass unsere Demokratie kostbar ist? Um diese Fragen dreht sich das Herrenberger Mutgeschichten-Festival, dessen Hauptakteure sich am Montagabend vorstellten.

Artikel vom 26. April 2018 - 07:12

HERRENBERG (red). Im Klosterhof präsentierten die Mitmachenden des Festivals ihre vielen Aktionen in den Stadtteilen und fanden Zeit, sich gegenseitig kennenzulernen. Mit einem gelben VW-Bus aus den 1970ern steuern Studierende der Empirischen Kulturwissenschaft in Tübingen und die Partnerschaft für Demokratie alle Herrenberger Stadtteile an. Dort sammeln sie Geschichten von mutigen Menschen, von Freundschaft, Zivilcourage und Völkerverständigung. Das Projekt wird 2019 in einer Ausstellung münden.

Ersonnen hat die Festivalidee der Begleitausschuss des Projektes "Demokratie leben!" vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der Ausschuss setzt sich aus Ehrenamtlichen und dem Team für Beteiligung und Engagement zusammen. "Es tut gut zu merken, dass sich die Vorarbeiten gelohnt haben und dass das Festival so großen Anklang findet", so die Mitglieder des Begleitausschusses. Gemeinsam haben sie eine Menge Multiplikatoren aus den Stadtteilen Herrenbergs eingebunden, von ehrenamtlichen Heimatforschern über die Sportvereine bis hin zu den Kirchen. "Ich finde es gut und wichtig, dass dieses Festival ganz bewusst in Kooperation mit den über Jahrzehnte oder Jahrhunderte gewachsenen Vereinen und Gruppen in Herrenberg umgesetzt wird", meinte Oberbürgermeister Thomas Sprißler.

Die Multiplikatoren haben schon einmal vorgefühlt, wo sich Mutgeschichten finden lassen. "Von uns kommen Schilderungen über die Proteste gegen die Müllverbrennungsanlagen", kündigt zum Beispiel Christel Grüner vom Heimatgeschichts- und Trachtenverein Kayh an. "In Mönchberg hat eine Familie ein Kind aus Nigeria adoptiert, was damals viel Aufsehen erregt hat", so die Mönchbergerin Bärbel Bolay. Gerhard Kauffeldt, Ortsvorsteher von Gültstein, erzählt von einem "ganz bescheidenen Mann", der mit Lastwagenladungen von Hilfsgütern in Kriegsgebiete gefahren ist.

Die Verfasser des Oberjesinger Ortsbuchs fanden mit den Mitarbeitern der KZ-Gedenkstätte in Hailfingen-Tailfingen heraus, dass während der NS-Zeit Eugen Renz 20 griechische Zwangsarbeiter mit Lebensmitteln versorgte. Sie waren im Schafhaus untergebracht. In Lebensgefahr begab er sich auch, als er geflüchtete russische Soldaten in eben diesem Haus versteckte.

Mutmobil auf Fahndungsmission

In den nächsten Monaten "fahndet" das Mutmobil-Team auf den örtlichen Vereinsfesten nach weiteren Geschichten. Gefragt sind durchaus auch kleine Alltagsschilderungen, wie etwa von mutigen Kontakten zwischen den früher verfeindeten Kuppingern und Oberjesingern. Am 6. Mai hält das Mutmobil zum Beispiel beim Fest des Obst- und Gartenbauvereins Gültstein und am 24. Juni beim Gemeindefest im Otto'schen Garten Herrenberg. Die Stadtteile unterstützen das Festival außerdem mit "Couragierten Stadtteilaktionen". Der SV Affstätt organisiert am 10. Juni ein Sommerfest mit Spiel, Sport und ökumenischem Gottesdienst. Ein interkulturelles Gemeindehausfest mit Public Viewing der Weltmeisterschaft veranstalten die Mönchberger am 17. Juni.

Zweifellos die sportlichste Aktion plant der Lauftreff Kuppingen zu seinem 25-jährigen Jubiläum am 26. Juni. "Der Lauftreff wird von Kuppingen unter den Linden nach Berlin unter den Linden rennen", so Mario Fritsch aus Kuppingen. Mit dabei in Staffeln verpackt: das Grundgesetz. Was bedeutet das Grundgesetz für uns? Davon wollen die Läuferinnen und Läufer sich und anderen ein Bild machen und die Antwort im Kontakt mit Menschen aus ganz Deutschland in Erfahrung bringen. Beim ersten Teilstück zum Herrenberger Marktplatz kann und sollen möglichst alle Herrenberger mitlaufen oder -fahren.

Haslach bereichert die Stadtteilaktionen mit dem "Kultourtag" am 8. September mit Musik, Kunst und einem interkulturellen Back-Workshop. Die Oberjesinger Feuerwehr lädt zum Tag der Offenen Tür am 29. September Feuerwehrfrauen und Mitglieder mit Migrationshintergrund ein. Mit dabei: der Türkische Arbeitnehmerverein mit zahlreichen Mutgeschichten. Eine couragierte Stadtteilaktion bei der Langen Nacht der Kulturen am 10. Oktober beschließt den Veranstaltungsreigen: die Lange Tafel "Streuobst meets Orient meets kleine Börse" im Hof der VHS.

Wer eine Mutgeschichte zu erzählen hat, das Mutmobil aber nicht besuchen kann oder möchte, findet auf der Homepage des Projekts eine Möglichkeit sich mitzuteilen oder kann mit Projektleiterin Manuela Epting unter (0 70 32) 20 18 971 einen persönlichen Termin ausmachen.

 

  Eine Übersicht über alle Veranstaltungen im Rahmen des Festivals gibt's unter http://www.mutgeschichten-herrenberg.de.
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