Den Anvertrauten aufmerksame Zuwendung geben

Nachbarschaftshilfe Holzgerlingen e.V. feiert 40-jähriges Bestehen in der Begegnungsstätte

Artikel vom 18. Oktober 2017 - 18:18

HOLZGERLINGEN (red). Am Freitag feierte die Nachbarschaftshilfe Holzgerlingen e.V. ihr 40-jähriges Bestehen in der Begegnungsstätte "Haus am Ziegelhof" - musikalisch begleitet von "Burr & Klaiber". Vorsitzende Margot Sautter beleuchtete vor geladenen Gästen die Frage: "Wer ist die Nachbarschaftshilfe Holzgerlingen?"

Im "Arbeitskreis offene Gemeinde" der evangelischen Kirche Holzgerlingens wurde in den 70er-Jahren in vielen Gesprächen festgestellt, so Margot Sautter in ihrem Rückblick, dass sich in Not geratene Personen nicht trauten, fremde Menschen um Hilfe zu bitten. Bei diesen Menschen, die dringend Hilfe benötigten, handelte es sich vor allem um alleinstehende, ältere Menschen und neu zugezogene Familien.

Mit Aufrufen, Anzeigen und Flugblattaktionen wurden die Einwohnerinnen und Einwohner Holzgerlingens im Oktober 1976 auf diese Situation aufmerksam gemacht und um Mitarbeit gebeten. Schon bei der ersten Versammlung erklärten sich daraufhin zahlreiche Bürgerinnen und Bürger bereit, Nachbarschaftshilfe zu leisten.

Das Ziel des Vereins ist, in Not geratenen Mitbürgerinnen und Mitbürgern schnell und unbürokratisch zu helfen. Das kann zum einen Entlastung pflegender Angehöriger sein oder Verbesserung der Lebensqualität der Hilfebedürftigen, indem die verbliebenen Fähigkeiten beachtet und gestärkt werden.

Um diese spontane Hilfe allen Einwohnern - ohne Rücksicht auf Konfession und Nationalität - nahebringen zu können, wurde am 31. März 1977 der gemeinnützige Verein "Nachbarschaftshilfe Holzgerlingen e.V." gegründet und am 21. April der Vorstand gewählt.

Im Jahr 1978 wurde geprüft, ob der Bedarf für "Essen auf Rädern" vorhanden ist und wie dieses Angebot dann praktisch durchführbar wäre. Im Jahr darauf gab es dann "Essen auf Rädern" als Tiefkühlkost und wurde per Fahrrad ausgeliefert. 1997 war der Bedarf von "Essen auf Rädern" stark rückläufig und wurde 1998 eingestellt. Fazit von Margot Sautter: "Der Verein Nachbarschaftshilfe e.V. ist stolz darauf, dieses Angebot erstmals in Holzgerlingen ermöglicht zu haben."

Regelmäßiger Treff: das monatliche Arbeitsfrühstück

1989 kamen die ersten Asylbewerber in Holzgerlingen an. Die Nachbarschaftshilfe kümmerte sich von Anfang an um Integration. In der Turmstraße wurde ein Möbel- und Kleiderlager für Asylbewerber und Aussiedler organisiert und betreut.

Seit 1995 gibt es das monatliche Arbeitsfrühstück. Jeden ersten Donnerstag im Monat treffen sich die Helferinnen und Helfer im Haus am Ziegelhof, um sich über ihre Arbeit auszutauschen und sich fortzubilden. Diese Räumlichkeiten werden von der Stadt Holzgerlingen zur Verfügung gestellt.

In all den Jahren fanden und finden bis heute Fortbildungen statt, deren Themen sich am Bedarf der Helferinnen und Helfer orientieren. Themen sind zum Beispiel "Demenz oder Vergesslichkeit?", "Lebensrettende Erste Hilfe" , "Erste Hilfe bei Kindern", "Bessere Kommunikation zwischen Helfer/innen und Hilfesuchenden", "Lehrgang zur häuslichen Krankenpflege".

Von Anfang an bezog die Nachbarschaftshilfe alle Holzgerlinger Seniorinnen und Senioren in ihre Arbeit ein: zum Beispiel bei bunten Nachmittagen, Busfahrten und seit 2015 beim alljährlichen Seniorentag mit Informationen, Begegnungen und Aktivitäten.

Die Arbeit der Nachbarschaftshilfe ist nach den Worten von Margot Sautter vielfältig und gelingt nur durch aufmerksame Zuwendung und behutsamen Umgang mit den ihr anvertrauten Menschen, aber auch durch die Beziehung zwischen den ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Die Nachbarschaftshilfe ist ein gemeinnütziger Verein, der - übrigens lange vor der Pflegegesetzgebung - erfahrene, kontaktfreudige, hilfsbereite und belastbare ehrenamtliche Mitarbeiter an Hilfesuchende vermittelt. Die Mitarbeiter erhalten eine Aufwandsentschädigung, viele Stunden werden aber auch kostenlos geleistet.

Seit 2016 ist die Nachbarschaftshilfe als niedrigschwelliges Betreuungs- und Entlastungsangebot anerkannt. Das bedeutet, dass Hilfesuchende unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten über die Krankenkasse abrechnen können. Wer bei der Nachbarschaftshilfe mitmacht, muss sein Privatleben nicht aufgeben, versichert die Vorsitzende, sondern kann sich nach seinen Möglichkeiten einbringen. Diese Mitarbeit kann jederzeit beendet werden.

Margot Sautter macht es möglichen Interessenten leicht: "Wer die Nachbarschaftshilfe unverbindlich kennenlernen möchte, ist herzlich zu den monatlich einmal stattfindenden Arbeitsfrühstücken eingeladen." Den genauen Termin kann man dem Holzgerlinger Nachrichtenblatt entnehmen.

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