Gemeinde Gäufelden um 220.000 Euro erleichtert

Ehemaliger IT-Administrator der Gäufeldener Verwaltung betrog mit falschen Rechnungen die Kommune und stand jetzt vor dem Böblinger Amtsrichter

  • img
    Die Verwaltungszentrale in Gäufelden: Hier trieb der ehemalige IT-Administrator sein Unwesen Foto: Archiv

Der Betrug über Jahre wäre fast geglückt und nie aufgeflogen. Doch dann war der ehemalige IT-Administrator in der Gemeindeverwaltung Gäufelden doch zu dreist. Jetzt saß er vor dem Böblinger Amtsrichter. Das Urteil: Zwei Jahre Haft auf Bewährung. Für Bürgermeister Buchter ein "höchst unerfreulicher Vorgang".

Artikel vom 21. April 2017 - 01:00

Von Helmut Schilling

GÄUFELDEN. Man nehme eine existierende Software-Firma, ändere deren Kontonummer und lässt sich über seinen Arbeitgeber immer wieder erfundene Rechnungsbeträge über mehrere Tausend Euro an sich selbst überweisen. Die einfache Masche funktionierte bei der Gemeindeverwaltung Gäufelden über Jahre problemlos. Der angestellte IT-Administrator der Verwaltung hat sich auf diese Weise insgesamt 220 000 Euro beschafft, ohne dass irgendjemand etwas bemerkt hat. Das Geld kann die Gemeinde jetzt in den Wind schreiben, bei dem IT-Spezialisten ist wohl nichts zu holen.

In den Jahren 2011 bis 2015 hat sich der IT-Experte somit eine lukrative Nebeneinnahme geschaffen. Das hat deshalb funktioniert, weil die Verwaltung die insgesamt 49 Überweisungen recht lax gehandhabt hat. Im Nachhinein erklärt Bürgermeister Johannes Buchter den Vorgang gegenüber der KREISZEITUNG: Es seien regelmäßig Rechnungen für Wartungsarbeiten aufgelaufen, die Vorgänge hätten nichts Außergewöhnliches dargestellt, auch, weil die Summen immer im Rahmen geblieben seien. Nie habe er daran gedacht, dass jemand aus dem Rathaus seine Stellung so missbrauche.

Die erfundenen Rechnungen habe der ehemalige Verwaltungsmitarbeiter immer selbst abgezeichnet und nicht der Vorgesetzte, weil dieser sich mit den speziellen Details nicht auskenne. Dies sei geschehen, auch wenn der jetzt Angeklagte nicht wirtschaftsbefugt gewesen sei. Johannes Buchter: "Irgendwann wurde es zum Regelvorgang". Der IT-Administrator habe die Rechnungen immer direkt zur Kasse geleitet. Und das Geld floss.

Das würde es vielleicht noch heute tun. Doch der IT-Experte verließ Gäufelden, um in einer Stadt in Bayern einen besser dotierten Job anzutreten. Seinen Nachfolger hat er noch eingearbeitet. Rund ein halbes Jahr nach seinem Abgang kam erneut eine Rechnung des Softwarefirma, mit der der neue IT-Mann rein gar nichts anfangen und die er sich nicht erklären konnte.

Angeklagter hat Tat voll eingeräumt

Die Verwaltung hat recherchiert und bei der Firma angerufen. Die war ebenso entsetzt wie die Verwaltung, weil sie bis dato keinerlei geschäftlichen Beziehung mit Gäufelden unterhalten hat. Firma und Gemeinde haben daraufhin Anzeige gegen den ehemaligen Mitarbeiter erstattet. Der Gemeinderat wurde ebenfalls über den Fall informiert.

Der Angeklagte am Böblinger Amtsgericht war voll geständig und hat alle Taten eingeräumt. Sonst wäre eine Bewährungsstrafe wohl nicht möglich gewesen.

Verwandte Artikel