Auf dem Herrenberger Marktplatz ist es heute "Kuhnacht"

Die schöne Altstadt soll besser ins Licht gerückt werden - Beleuchtungskonzept wurde vorgestellt

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Die Altstadt von Herrenberg soll bei Dunkelheit in besseres Licht gerückt werden. Wie "das lebendige und abwechslungsreiche Stadtbild" auch bei Nacht sichtbar werden kann, erläuterte Mario Hägele den Mitgliedern des Technischen Ausschusses.

Artikel vom 17. November 2016 - 14:06

Von Käthe Ruess

HERRENBERG. Der Architekt vom Stuttgarter Atelier für Architektur & Lichtplanung war Mitte Februar dieses Jahres vom Gemeinderat mit der Erstellung eines Gesamtkonzepts für die Beleuchtung der Herrenberger Innenstadt beauftragt worden, nachdem er in einer Sitzung zuvor Grundsätze der Lichtplanung und einige erste Ideen für die Altstadt präsentiert hatte.

Anhand von Fotos machte der Experte nochmals deutlich, wie sich die Beleuchtungssituation in Herrenberg aktuell darstellt - an den Leuchten selbst sei die Lichtdichte am größten und der Raum, der eigentlich beleuchtet werden soll, sei dunkel - und wie durch ein anderes Beleuchtungskonzept die Aufenthaltsqualität gesteigert werden kann. Bisher sei die Beleuchtung vor allem auf den Boden ausgerichtet, vertikale Elemente wie Mauern und Fassaden, die für Menschen zur Orientierung im Raum wesentlich seien, würden sich in der Dunkelheit verlieren.

Für Lichtplaner spielen Blickachsen auf einzelnen Plätzen und Gassen ebenso eine Rolle wie die Wahrnehmung der Stadtsilhouette aus der Ferne: Gebäude, signifikante Raumkanten, Bäume und Mauern, die das Stadtbild am Tage prägen, sollen auch nachts den Stadtraum sichtbar machen, rief Mario Hägele in Erinnerung.

Das Gesamtkonzept bezeichnete der Planer als "ersten Handlungsrahmen", dessen Umsetzung ein mehrjähriger Prozess sei und abschnittsweise erfolgen könne. In 17 mögliche Abschnitte hat Mario Hägele die Altstadt unterteilt, die gesamte Umsetzung würde geschätzt 730 000 Euro kosten. Für den Marktplatz (60 000 Euro), die Bronngasse (63 000 Euro) sowie die Stiftskirche und Umfeld (88 000 Euro) liegt bereits neben Kostenabschätzungen unter Zuhilfenahme realistischer heutiger Preise auch der jeweils zu erwartende Jahresenergieverbrauch im Vergleich zur heutigen Situation vor.

So verbrauchen beispielsweise die 13 Energiesparleuchten, die aktuell am Marktplatz installiert sind, 1212 Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a). Diese liefern aus Sicht des Experten durch ihre allseitige, diffuse Abstrahlung keinen adäquaten Beitrag zur Stadtbeleuchtung bei. Mit "Kuhnacht" fasste Mario Hägele die heutige nächtliche Situation in Herrenbergs "guter Stube" zusammen, und das obwohl die Gäustadt dort mit dieser "einmaligen Kulisse der Fachwerkhäuser ein Alleinstellungsmerkmal" aufweise. Im Konzept des Lichtplaners sorgen dagegen 20 hocheffiziente LED-Leuchten für eine angemessene Grundbeleuchtung, die durch gezielte Lichtsteuerung und Nachtabsenkung einen Jahresenergieverbrauch in Höhe von 1166 kWh/a ausweisen würden. 475 kWh/a würden weitere Leuchten zur Fassadenaufhellung benötigen, die aber gleichzeitig einen "Quantensprung an Qualität" bedeuten würden.

In der "guten Stube" herrscht das größte Beleuchtungsdefizit

Da der Experte auf dem Marktplatz das größte Beleuchtungsdefizit ausmachte, empfahl er, dort zu starten, auch weil rund um den Marktplatz viele Gebäude, an denen bei seinem Konzept die kompakten Strahler normalerweise angebracht werden, in städtischem Besitz seien. So wäre eine Umsetzung "einfach und schnell" möglich. Auch die Stadtverwaltung präferiert den Marktplatz als begrenztem Bereich als ersten Abschnitt in ihrem vorliegenden Beschlussantrag. Die benötigten Mittel wären bereits im diesjährigen Haushalt finanziert. Grundsätzlich würde er aber auch an jeder anderen Stelle starten, wenn vom Gemeinderat gewünscht, so Hägele weiter, aber "fangt an" - auch aus Gründen der Verkehrssicherheit. Dass es dadurch auch schöner werde in der Stadt, sei nur das zusätzliche "Schmankerl". Ein Punkt, den auch Stadtrat Bodo Philipsen ansprach: Die Ausleuchtung von Flächen sei auch für in der Sicht beeinträchtigte Menschen in punkto Barrierefreiheit ein Thema. Der SPD-Sprecher, der nochmals betonte, dass seiner Fraktion schon beim ersten Vortrag "ein Licht aufgegangen sei", überlegte aber, ob der Marktplatz wirklich der geeignete Anfang sei und hatte dabei stattdessen Stiftskirche und Dekanat und deren Fernwirkung im Blick.

Auch andere Ausschussmitglieder liebäugelten mit anderen Startpunkten: Für Maja Wulz (Grüne) hätten die Altstadteingänge einen gewissen Reiz und Eva Schäfer-Weber, die der Umsetzung des Vorhabens angesichts der großen anstehenden Aufgaben im Bereich der Stadtentwicklung und Verkehrsplan zum gegenwärtigen Zeitpunkt kritisch gegenübersteht, könnte sich einen Start in der Bronngasse vorstellen. Hermann Frank von der CDU, die ursprünglich den Antrag auf Erstellung eines Beleuchtungskonzepts gestellt hatte, regte für Interessierte einen Ortstermin in einer Kommune an, die schon auf diese Form der Beleuchtung setzt.

Einem Ansinnen, dem nicht nur Mario Hägele, sondern auch die Stadtverwaltung positiv gegenübersteht, wie Herrenbergs Erster Bürgermeister Tobias Meigel betonte, der die Ausschusssitzung in Abwesenheit von Oberbürgermeister Thomas Sprißler leitete. "Aber nicht vor der Beschlussfassung", die voraussichtlich schon am kommenden Dienstag auf der Agenda des Gemeinderats steht. Meigel hob zudem nochmals hervor, dass die Altstadtbeleuchtung aus der Sicht der Stadtverwaltung ein Projekt im Gesamtpaket des "Fahrplans Innenstadt" sein soll.

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