Aufklären über eine kaum bekannte Behinderung

Alkoholkonsum während der Schwangerschaft führt zu Schäden beim Kind: FASD-Selbsthilfegruppe für Eltern in Herrenberg am Start

Artikel vom 13. Oktober 2016 - 17:24

HERRENBERG (red). Die überregionale Selbsthilfegruppe FASD (Fetal Alcohol Spectrum Discorder, zu deutsch: Fetale Alkoholspektrum Störung) öffnet sich für Interessierte: An jedem dritten Mittwoch im Monat, also am 19. Oktober wieder, treffen sich die Teilnehmer aus dem Landkreis Böblingen und der Region Calw, Horb und Nagold von 20 bis 22 Uhr im Herrenberger Klosterhof.

Da das Leben mit FASD-Kindern tagtäglich für alle Beteiligte eine Herausforderung darstellt, haben sich betroffene Eltern aus und um Herrenberg im Dezember 2015 zur Selbsthilfegruppe FASD-Herrenberg zusammengeschlossen. Nach neunmonatiger Anlaufphase laden die Teilnehmer jetzt weitere betroffene Eltern zum gemeinsamen Austausch über diese immer noch weitgehend unbekannte sowie unsichtbare Behinderung ein. Ziel ist es, sich gegenseitig zu unterstützen, zu entlasten, Erziehungsfragen zu diskutieren und gemeinsam nach kreativen Ideen gegen den alltäglichen Trott zu suchen. Willkommen sind neben leiblichen Eltern, Adoptiv- und Pflegeeltern alle, die in irgendeiner Form mit dem Thema FASD konfrontiert sind.

Die Ursache für die Behinderung FASD ist der mütterliche Konsum von Alkohol während der Schwangerschaft. Trinkt eine Frau während dieser Zeit Alkohol, passiert dieser problemlos die Plazenta. Das ungeborene Kind ist dem gleichen Blutalkoholspiegel ausgesetzt wie die Mutter. Der Abbau des Alkohols ist in der unreifen Leber des Fötus aber nur in geringem Umfang möglich. Alkohol wirkt giftig auf die Zellteilung und ist wachstumshemmend, schädigt Organe und stört die Entwicklung des Gehirns. Jährlich werden rund 10 000 Kinder mit dem Syndrom FASD geboren, so eine Schätzung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Damit zählt FASD zu den häufigsten Behinderungen von Geburt an.

Betroffene Kinder und Jugendliche weisen Verhaltensauffälligkeiten sowie zum Teil schwere geistige und körperliche Behinderungen auf und benötigen dauerhaft fremde Hilfen und Unterstützung im Alltag. Etwa 80 Prozent der Kinder mit FASD leben nicht in ihren leiblichen Familien, sondern in Pflege- und Adoptivfamilien. Kinder mit FASD sind emotional und aufbrausend, haben Schwierigkeiten, sich an Regeln zu halten sowie aus Fehlern zu lernen und verstehen daher auch die Maßregelungen Erwachsener nicht. Von der Umwelt werden sie oft als schlecht erzogen oder als frech abgestempelt. Dass sie eine Behinderung haben, sieht man ihnen nicht an.

Die Selbsthilfegruppe FASD Herrenberg trifft sich jeden 3. Mittwoch im Monat, also wieder am 19. Oktober, von 20 bis 22 Uhr im Klosterhof Herrenberg. Interessierte können unter fasd-herrenberg@web.de im Vorfeld mit den Organisatoren Kontakt aufnehmen.
Verwandte Artikel