Kampf gegen den Laubholzbock-Käfer gestartet

Mit Fällungen und Quarantäne-Radien rücken die Fachleute dem Tierchen zu Leibe - Landrat appelliert an Bevölkerung zur Mitarbeit

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    Der Anoplophora wird in der Regel drei bis vier Zentimeter lang und hat unregelmäßige weiße Punkte auf dem Rücken

Nach der Entdeckung des Asiatischen Laubholzbock-Käfers durch Hildrizhausener Bürger am 5. August ist jetzt die systematische Bekämpfung angelaufen: Bis Mittwoch wurden acht befallene Bäume an drei Stellen im Nordwesten der Gemeinde gefällt. Im Quarantäneumkreis von 100 Metern müssen hier jetzt alle Fressbäume der Käfer gefällt und vernichtet werden.

Artikel vom 24. August 2016 - 21:12

Von Hans-Dieter Schuh

HILDRIZHAUSEN. Vor der Pressekonferenz gestern Nachmittag im Rathaus von Hildrizhausen demonstrierte die zertifizierte Spürhundeführerin Petra Meier mit ihrer Hündin Rika, wie in den kommenden Wochen verdächtige Bäume aufgespürt werden sollen: Der ausgebildete Hund erschnüffelte binnen Minuten ein mit dem Duft der Käfer präpariertes Holzstück in etwa zwei Meter Höhe in einem Baum. Mit lautem Bellen zeigte die Hündin an: Hier riecht es streng nach dem Asiatischen Laubholzbock-Käfer, von den Fachleuten ALB abgekürzt.

Dabei haben aufmerksame Bürger den Bösewicht entdeckt, der gesunde Laubbäume zum Absterben bringt. Am Freitagnachmittag, 5. August, so berichtet Bürgermeister Matthias Schöck, habe es am bereits geschlossenen Rathaus geklingelt und der Chef machte zwei Hausemern auf, die in einem verschlossenen Plastikeimer einen Käfer dabei hatten. Die beiden hatten schon etwas von dem gefährlichen Käfer gelesen und das Tier, das sie auf ihrer Terrasse gefunden hatten kam ihnen verdächtig vor.

Schöck schaltete sofort den Förster ein und der die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg. Eine Woche später war die Bestätigung da: Es ist ein männliches Exemplar des ALB. und nach dem Wochenende tummelten sich die Experten in Hildrizhausen. Am Dienstag wurden befallene Bäume gesucht und vier am Ortsausgang Richtung Ehningen gefunden, gefällt, geschreddert und verbrannt. Nach den Zeitungsartikeln darüber meldeten sich weitere Bürger mit Funden in der Falkentorstraße und in der Carl-Zeiss-Straße. Bilanz bis gestern Nachmittag: Acht Bäume wurden gefällt, davon sechs Ahorn und eine Hainbuche. Insgesamt wurden bisher 14 Käfer gefangen.

Infoveranstaltung am kommenden Montag in der Schönbuchhalle

Landrat Roland Bernhard spricht von Horrormeldungen und will jetzt alles tun, um den Käfer so schnell wie möglich rund um Hildrizhausen zu vernichten: "Wir wollen den Käfer ausrotten." Die Gefahr für den Wald sei groß und "wird von uns nicht auf die leichte Schulter genommen". Deshalb werd das Landratsamt "strenge Maßnahmen rund um den Befall einleiten, um die Ausdehnungsgefahr zu bändigen". Vermutlich sei der Käfer durch Verpackungsholz oder Pflanzen aus Asien eingeschleppt worden. Glücklicherweise sei es aber nicht so, dass die Gefahr bestehe, dass jetzt gleich der ganze Schönbuch abgefressen werde: Der Käfer ist relativ "flugfaul" und langsam. Der Landrat appelliert an die Bürger, die Augen offen zu halten und weiteren Befall dem Landratsamt zu melden. Am kommenden Montag, 29. August, wird es deshalb eine Informationsveranstaltung um 19 Uhr in der Schönbuchhalle geben.

Zur Eindämmung der Käfer folgt das Landratsamt unter Finanzierung durch das Landwirtschaftsministerium einem von der EU vorgeschriebenen Verfahren, da der Laubholzbock-Käfer als Quarantäne-Schädling eingestuft wird. Wie die Leiterin des Amts für Landwirtschaft und Naturschutz am Landratsamt, Regina Meier erläutert, wird in der Befallszone mit einem Radius von 100 Metern um befallene Bäume eine Gruppe von 15 spezifischen Laubholzarten (Ahorn, Hainbuche, Esche) gefällt und verbrannt werden. "Das ist bitter, aber nötig", sagt sie, denn das wirke sich später positiv aus. In einer Zwei-Kilometer-Zone werde es zudem über vier Jahre lang eine engmaschige Überwachung geben (Hundeteams kontrollieren, Baumkletterer sichten Kronen), um die Ausrottung des Käfers zu gewährleisten. In dieser Zone lagerndes Holz darf nicht genutzt werden. Dazu Pflanzenbeschauer Hermann Meier vom Regierungspräsidium: "Der Käfer darf sich hier nicht festsetzen. Wir haben deshalb viel Arbeit vor uns."

 

  Das Amt für Landwirtschaft und Naturschutz informiert, was zu tun ist, wenn man einen verdächtigen Käfer oder ein geschädigtes Laubholz findet: den Käfer fangen und in einen Behälter sperren (zum Beispiel Schraubdeckelglas), den Käfer oder das Schadbild möglichst digital fotografieren und dann das Amt informieren: Telefon (0 70 31) 663 2330, oder E-Mail an landwirtschaftsamt@lrabb.de. Infos über den Laubholzbock-Käfer gibt es auf der Homepage des Landratsamts unter http://www.lrabb.de/ALB.
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