In Herrenberg werden Steine leuchten

Dreiwöchiges Lichtkunstfestival "Aufstiege" mit zwei Installationen

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    Das Sonnenlicht lädt die Steine tagsüber auf, sodass sie das gespeicherte Licht in der Dunkelheit wieder abgeben können Foto: red

Artikel vom 20. August 2016 - 08:00

HERRENBERG (red). Die KulturRegion Stuttgart veranstaltet vom 16. September bis 9. Oktober das Lichtkunstfestival "Aufstiege". Nach Einbruch der Dunkelheit lassen sich in den 25 teilnehmenden Städten und Gemeinden drei Wochen lang Installationen und Projektionen auf zahlreichen Treppen und Anstiegen entdecken. Am 17. September wird auf dem Schlossbergplateau die Veranstaltungsreihe in Herrenberg mit einer Laserinstallation eröffnet. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr.

Die Laserinstallation der drei Künstlerinnen Katharina Heubner, Martina Kändler und Susan Helen Miller schafft eine konkrete und doch immaterielle Realität auf dem Plateau. Die Besucherinnen und Besucher bewegen sich durch eine parallel zum Boden projizierte Ebene aus Licht. Sie befinden sich plötzlich über der Wolkendecke, aber immer noch unter dem Himmel. Durch die Bewegungen und Schatten der Besucherinnen und Besucher wird die zunächst glatte und homogene Fläche lebendig. Es entsteht eine Irritation der gewohnten Wahrnehmung von Raum: Die Besucherinnen und Besucher befinden sich auf zwei Ebenen gleichzeitig.

Während des dreiwöchigen Lichtevents wird zusätzlich der Treppenpfad außerhalb der Stadtmauer in ein neues Licht gesetzt: "Vertex". Die Künstlerinnen Heubner, Kändler und Miller transformieren Lichtpunkte der Stadt Herrenberg fragmentarisch in eine Struktur von 576 analogen Pixeln und beleuchten damit den Treppenpfad.

576 Megapixel eines digitalen Bildes kann das menschliche Auge erfassen, besagen einige der zahlreichen Berechnungen zur visuellen Wahrnehmungsfähigkeit. Diesen Wert nehmen die Künstlerinnen als Referenzgröße für ihre Arbeit "Vertex". Sie transformieren die vom Weg vor der historischen Stadtmauer aus sichtbaren Lichtpunkte der Stadt Herrenberg fragmentarisch in eine Struktur 576 analoger Pixel. Diese werden in Form selbstleuchtender Pflastersteine entlang der Pfade zur Schlossruine gesetzt. Das Sonnenlicht lädt die Steine tagsüber auf, sodass sie das gespeicherte Licht in der Dunkelheit wieder abgeben können. In ihrer Anordnung spiegeln die Steine die städtischen Lichtpunkte. Diese Pflastersteine werden fest verankert und bleiben auch nach Abschluss des Lichtkunstfestivals Teil des Treppenpfads.

Joachim Fleischer, Stuttgarter Lichtkünstler und Kurator des Lichtkunstfestivals, hat Künstlerinnen und Künstler aus zehn Nationen eingeladen, sich von den Aufstiegsorten der Region inspirieren zu lassen. Die über 40 Licht- und Intermediakünstlerinnen und -künstler entwickeln spezifische Arbeiten für Stäffele, Freitreppen, Türme oder Unterführungen. Die Kunstwerke überraschen an frei zugänglichen Orten von Herrenberg bis Schwäbisch Gmünd und Bietigheim-Bissingen bis Bad Urach.

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