Freie Reichsstadt zum Leben erweckt

20 Jahre wirkte Stadtarchivar Lothar Sigloch in Weil der Stadt zwischen Urkunden und Rollregalen

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    Bürgermeister Thilo Schreiber (r.) verabschiedet Stadtarchivar Lothar Sigloch Foto: Stadt

Artikel vom 20. Oktober 2020 - 18:00

WEIL DER STADT (red). Nach 20 Jahren als erster hauptamtlicher Stadtarchivar wurde Lothar Sigloch nun offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Bereits zum 1. Juni 2020 hatte er die Geschäfte an seinen Nachfolger, Mathias Graner, abgeben und genießt seither seine freie Zeit. Coronabedingt konnte die offizielle Verabschiedung mit ausgewählten Gästen allerdings erst jetzt stattfinden.

Sigloch war Archivar aus Leidenschaft. Er hat das Weiler Stadtarchiv aufgebaut und ging mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Seit dem 1. April 2001 war er in Verantwortung für die Archivalien der geschichtsträchtigen ehemaligen freien Reichstadt. Als Sigloch seine Arbeit aufnahm, waren die Bedingungen, die er vorfand, nicht optimal: Die Bestände des Archivs waren nur unzureichend geordnet und wurden ohne Bestandsübersicht im Augustinerkloster aufbewahrt, es gab keinen Arbeitsplatz oder Bürobereich. Das Augustinerkloster ist an sich ein Traum für ein Stadtarchiv, aber einrichtungsmäßig und vom Ordnungsstand her war es wohl eher ein Alptraum. Eine Herausforderung, die er mit Leidenschaft und großem Einsatz annahm.

Der damals wie heute in Zuffenhausen lebende Archivar hatte sich bewusst für Weil der Stadt entschieden. "Sich hier zu bewerben, war reizvoll, weil ein reichsstädtisches Archiv etwas Besonderes ist. Ich habe große Möglichkeiten gesehen, forschend tätig zu sein. Weil der Stadt hat eine besondere und wertvolle Geschichte."

Bürgermeister Thilo Schreiber hob in seinen Abschiedsworten insbesondere hervor, welch schwierige Aufgaben Sigloch über die Jahre bewältigen musste. Die Beschaffung einer Rollregalanlage, Einbruchsicherung, Überwachung der Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte und die Integration der Archive der Stadtteile waren nur einige der Baustellen. Hinzu kam die Verwaltung der umfangreichen Bestände des katholischen Pfarramts und der Keplergesellschaft, die als Depositumbestände ins Stadtarchiv übernommen wurden.

"Und mit den wechselnden Ausstellungen im Archiv und den zahlreichen öffentlichen Publikationen hat er auch immer die breite Bürgerschaft in die Arbeit des Archivs einblicken lassen. Er war ein Archivar, wie ihn sich jeder Bürgermeister wünscht", lobte Schreiber: "Lothar Sigloch war ein Glücksfall für das Stadtarchiv und für Weil der Stadt. Darauf darf er am Ende seines Arbeitslebens stolz sein. Mehr Zeit für Hobbys und Familie, mehr Zeit zum Reisen, Radtouren, Motorradfahren sei ihm nun aber gegönnt."

Nach der Übergabe einer Urkunde und von Geschenken aus Weil der Stadt verabschiedete der Bürgermeister den langjährigen Stadtarchivar mit den besten Wünschen: "Denn eins ist gewiss: Einen guten Archivar vergisst man nicht!"