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Viel Lachen und ein bisschen Stirnrunzeln: drei Stand-Up-Künstler bei der Kulturbühne Grafenau.

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    Humor unter freiem Himmel bei der Kulturbühne Grafenau Fotos: Eibner/ Jürgen Biniasch

Artikel vom 09. August 2020 - 13:42

Von Eddie Langner

DÄTZINGEN. "Erzieher ist der beste Job der Welt - wenn nur die Kinder nicht wären." Das sagt Jan Preuß - und er muss es wissen. Der Stand-up-Comedian arbeitet als Erzieher in einem Kindergarten. Was er im Beruf erlebt, verarbeitet er in Gag-Material für seine Bühnenauftritte. Am Samstagabend trat er damit zusammen mit seinen Kollegen Toby Käp und Naim Jerome Antoine Sabani bei der Kulturbühne Grafenau auf. Ein Auftritt hinterließ dabei eher gemischte Gefühle.

Mit der Open-Air-Reihe auf dem Dätzinger Schlosshof wollen der Althengstetter Event-Organisator Tom Sanchez und der Grafenauer Veranstaltungstechniker Thomas Uhl den Menschen nach monatelangem Corona-Koller wieder ein bisschen Lockerheit und Unterhaltung bieten (wir berichteten). Nach dem musikalischen Auftakt mit der Band Julie Hellion and the batten Masons in der vergangenen Woche ist die Bühne für die verbleibenden Samstage im August für Stand-up-Comedy reserviert. Genau mit diesem Format waren Sanchez und Uhl vor der Corona-Krise mit einigem Erfolg tätig: Bei der "FunTastic Comedy Night" präsentierte das Duo bisher regelmäßig jeweils fünf Stand-up-Künstler in fünf Locations. "Dabei hatten wir insgesamt meist so um die 500 Zuschauer", sagt Sanchez.

In Dätzingen ist da noch viel Luft nach oben. Kaum 50 Gäste haben vor der Bühne Platz genommen, um sich die Auftritte von drei Künstlern anzuschauen. Angekündigt sind mit Jan Preuß und Toby Käp zwar nur zwei, aber die Verpflichtung von Naim Jerome Antoine Sabani als Moderator erweist sich als wahrer Glücksgriff. Der hauptberuflich als Frisör tätige Entertainer aus Aspach bei Backnang hält das Publikum vor und zwischen den Auftritten bestens bei Laune.

Mit schwäbisch-trockenem Witz und furchtlosem Körpereinsatz (unter anderem bei einer sehr lustigen Zumba-Einlage) bringt er nicht nur die Zuschauer, sondern auch seine Comedy-Kollegen am Bühnenrand lauthals zum Lachen. "Kennt ihr Monet?", überrascht Naim einmal mit einer Kunstfrage. Eigentlich hatte er gerade noch von Andrea Berg gesprochen. Die Schlagersängerin sei seine Nachbarin. Was Andrea Berg mit den Bildern von Monet zu tun hat? "Beide sehen nur gut aus, wenn man sie von Weitem anschaut."

Ebenso wie seine beiden Kollegen ist der Aspacher auf einem guten Weg, sich in der umkämpften Comedy-Szene einen Namen zu machen. Den Namen Jan Preuß darf man sich dabei schon jetzt vormerken. Der bereits bei einigen Comedy-Wettbewerben erfolgreiche 26-Jährige punktet mit frechen Gags und Anekdoten aus dem Alltag eines Kindergärtners. Weil Kinder immer alles von zu Hause erzählen, verschaffe ihm das zum Teil recht pikante Einblicke. Zum Beispiel habe einer seiner Schützlinge einmal ausgeplaudert, dass seine Eltern, genau wie er, gerne schaukeln - nur dass bei Mama und Papa die Schaukel im Schlafzimmer hänge. Herrlich absurd und auch ein bisschen verstörend sind ein paar der Kinderlieder, die der Kölner als Ausschnitte einspielt. Hinter der niedlich-unschuldig daherkommenden Musik verbergen sich zum Teil erschreckend rassistische und gewalttätige Inhalte.

Trinkspiel mit Benjamin Blümchen

Das beste Material hebt Preuß sich für die zweite Hälfte auf - darunter die schöne Idee zu einem "Benjamin Blümchen"-Trinkspiel: Jedesmal wenn der freundliche Elefant den Namen seines Freundes "Otto" oder "Törööö" sagt, wird ein Glas Schnaps geleert - ein elefantöser Kater ist garantiert. Besonders die Gags über Kinderserien und Hörspiele wie "Feuerwehrmann Sam" oder "Bibi Blocksberg" treffen - trotz einiger Anzüglichkeiten - beim Publikum ins Schwarze.

Keinen so guten Abend erwischt dagegen Toby Käp. Der 31-Jährige ist hörgeschädigt und hat einen Sprachfehler. Sein Handicap hat er sich zur Stärke gemacht, indem er seine Erfahrungen auf die Bühne bringt. Wer sich Clips von seinen Auftritten im Internet anschaut, der sieht, wie gut seine selbstironischen und sarkastischen Pointen beim Publikum zünden können. In Dätzingen ist dies allerdings nicht der Fall. Es mag am Timing liegen, vielleicht auch an der übellaunig wirkenden Präsentation, möglicherweise auch am Altersschnitt der Zuschauer, die mit den zum Teil sehr derben Scherzen nur wenig anfangen können - jedenfalls will der sprichwörtliche Funke hier nicht überspringen. Bei Toby Käps zweitem Auftritt direkt nach der Pause bleiben deshalb ein paar Plätze leer.

Danach geht die Stimmung aber wieder steil nach oben und bei der Zugabe tanzt Toby Käp zusammen mit Jan Preuß auf der Bühne zu einer Art Ballermann-Party-Einlage mit Naim Jerome Antoine Sabani. Der fröhliche Beifall am Ende gilt allen dreien.

Dätzinger Schlosshof wird zum Comedy-Club

Am Samstag, 15. August, setzen Nick Schmid und "Mechthild"-Finalist Andreas Weber das Comedy-Programm fort. Mehr Infos und Vorverkauf unter http://www.kulturgrafenau.de im Netz.
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