Leonberger Sommerfestival: Bürgerplatz hat eine neue Bedeutung

Furiose Premiere für das Leonberger Sommerfestival Leonpalooza, das in nur sechs Wochen aus dem Boden gestampft wurde.

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    Vor der Stadthalle in Leonberg herrscht ein nie erlebte Atmosphäre. Die Zuschauer genießen beim Leonpalooza mit ausreichendem Abstand ein außergewöhnliches Programm Foto: Jürgen Bach

Artikel vom 03. August 2020 - 12:00

Von Thomas K. Slotwinski

LEONBERG. Nicht nur Schüler wissen: Der Platz in der ersten Reihe kann gefährlich sein. Am Samstag bekommt das ein Paar aus Gebersheim deutlich zu spüren: Die beiden wollten vermutlich die Eröffnungsnacht des großen Sommerfestivals Leonpalooza vor der Stadthalle so richtig unmittelbar erleben.

Dumm nur, dass die Kabarettisten Uli Boettcher und Bernd Kohlhepp ihr Publikum gerne ins Programm miteinbeziehen. Gäste in der ersten Reihe sind dafür prädestiniert. Noch dümmer, wenn diese, vermutlich zu aufgeschreckt, nicht so richtig mitspielen, etwa durch Nichtnennen des Namens. Für die beiden professionellen Spaßmacher auf der Bühne kein wirkliches Problem: Das Paar im Publikum bekommt einfach welche, in dem Fall Erich und Erika. Die beiden Namen ziehen sich wie ein roter Faden durchs Programm.

Boettcher und Kohlhepp moderieren mit sprachlicher Brillanz, echter Komik und bemerkenswerten Improvisationsqualitäten die Premiere eines ebenso bemerkenswerten Projekts, das der Leonberger Veranstaltungsmanager Nils Straßburg binnen sechs Wochen mit dem Stadthallen-Team, Kulturamt, Citymanagement und der Wirtschaftsförderung aus dem Boden gestampft hat: Leonpalooza, ein Kulturfestival, das in den kommenden drei Wochen eine spannende Mischung aus Musik, Kabarett und Comedy auf dem Bürgerplatz vor der Stadthalle bietet.

Die Zuschauer sitzen auf Paletten-Sofas

Entsprechend stolz ist Oberbürgermeister Martin Georg Cohn auf seine Leute. Bei der Eröffnung lobt er die Zusammenarbeit von mehreren Abteilungen und das unermüdliche Engagement Straßburgs, um aus dem Bürgerplatz, der bisher vor allem als illegaler Parkplatz von sich reden machte, eine ganz neue Bedeutung zu verleihen: Denn dass hier ein kleines wie feines Festival bestens aufgehoben ist, das hätten die Organisatoren wohl selbst kaum gedacht. Die Bäume spenden am frühen Abend Schatten, in der Dunkelheit werden sie angeleuchtet und tragen wesentlich zur Atmosphäre bei.

Die Gäste sitzen auf Paletten-Sofas für jeweils zwei Personen, die in gediegenem Abstand zueinander aufgestellt sind. Befürchtungen, die Corona-Regeln könnten nicht eingehalten werden, sind unzutreffend. An der Essensausgabe des Stadthallen-Restaurants ist genügend Platz.

Das Kulturprogramm passt zur Platzgestaltung: Hier gibt es inspirierende Kunst zum Genießen, aber nichts zum Schunkeln oder gar Headbangen. Das wirklich geniale Kabarett-Duo Böttcher/Kohlhepp, das am Freitag mit dem Programm "Winnetou IV" erneut zu sehen ist, präsentiert am Eröffnungssamstag Nachwuchskünstler: Die Leonbergerin "Miricalls" mit ihrem Gitarrist Samuel Hartel. Die junge Frau, die jüngst im Vorprogramm von Ton Jones oder Christinia Aguilera zu hören war, besticht mit einer glasklaren Stimme und einer sympathischen Ausstrahlung. Kein Wunder, dass der Papa, der hiesige Geigenbauer Martin Eppler, im Publikum mächtig stolz ist.

Echte Kabarett-Qualitäten hat der schwäbische Saarländer Luca Brosius, der es bei seinem Stimmimitationen selbst mit den Sachsen aufnimmt. In die Abteilung Comedy für ein jüngeres Publikum fällt Johann Theisen, der mit teils derben Sprüchen aus seinem Leben erzählt.

Schon am Freitagabend hatten die "Füenf" mit ihrer Acapella-Comedy für Furore gesorgt. Höhepunkt: Die Umdichtung deutscher Schlager. Wenn Dein Bier nicht mehr schmeckt, sind wir jenseits von Emden. Und so blau blau macht der Enzian. Wer würde da widersprechen?

Mehr Infos zu dem Leonberger Festival gibt es unter leonpalooza.de im Netz.