Maichinger Ur-Schwabe aus Weil

Walter Dettinger feiert bei bester Gesundheit seinen 90. Geburtstag - Ortswechsel der Liebe wegen

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    Jubilar Walter Dettinger mit dem uralten Wappen seiner Familie. Foto: H. Schmidt

Artikel vom 06. Juli 2020

Von Holger Schmidt

MAICHINGEN. Seit Beginn der 1950er-Jahre wohnt Walter Dettinger im Maichingen, seit ungefähr 1953 ist er Leser der Böblinger Kreiszeitung. Aber eigentlich stammt der Ur-Schwabe, der heute seinen 90. Geburtstag feiert, aus Weil im Schönbuch. Dort ist seine Familie bis mindestens ins 15. Jahrhundert genau nachweisbar. Und wenn man der Inschrift unter dem stolz vorgeführten Familienwappen trauen darf, stammt das Geschlecht der Dettinger sogar aus dem Jahr 1258.

Walter Dettinger wuchs mit drei Brüdern und einer Schwester in Weil auf, ging dort zur Schule und half danach in der elterlichen Landwirtschaft und im Gipsergeschäft seines Vaters. Kein Wunder, dass er später als Gipser und Stuckateur bis zur Rente mit 60 Jahren die Brötchen für seine Familie verdiente. Am Bau der Maichinger Johannes-Widmann-Schule wirkte er ebenso mit wie bei der Sanierung des Alten Rathauses in Sindelfingen. Gut erinnert er sich aber auch aus seiner Jugendzeit an die Besuche des im Zweiten Weltkrieg erfolgreichsten deutschen Jagdfliegers Erich Hartmann, dessen Vater Arzt der Familie war, auf dem Hof seiner Eltern. Noch heute bewahrt Dettinger Bücher und Modelle der Flugzeuge von Hartmann in seinem Wohnzimmerschrank auf.

Walter Dettinger selbst verschlug es mit Anfang 20 nicht nur der Arbeit, sondern vor allem der Liebe wegen nach Maichingen. 1953 heiratete er seine vor zehn Jahren verstorbene Ehefrau Gudrun, geborene Beuttler. 1964 zog das Ehepaar mit den mittlerweile drei Söhnen, von denen Rudi als einziger noch immer im Flecken wohnt und nach seinem Vater sieht, ins eigene Haus am Feldrand mit Blick in Richtung Dagersheim. Heute hat Walter Dettinger außerdem drei Enkelkinder und zwei Urenkel. Gerne bastelt er auch für andere Kinder liebevoll gestaltete Landschaftsmodelle mit Tieren.

Gefeiert wird im Stammtisch-Lokal, dem Reiterstüble in Maichingen

Gesundheitliche Probleme plagen Walter Dettinger, der in jüngeren Jahren nach einem Unfall zu erblinden drohte, sichtlich keine größeren. "Mein Hausarzt sagt, ich werde 100", meint er schmunzelnd. Früher unternahm er Reisen nach Skandinavien, Russland und Nordafrika und noch immer kümmert er sich um Teile des Gartens um sein Haus, den er bis vor zwei Jahren noch ganz alleine pflegte. Er kocht selbst und besorgt seinen Haushalt. Nur sonntags geht es zum Stammtisch ins Maichinger Reiterstüble, wo er heute mit den nach den derzeitigen Corona-Regeln erlaubten 20 Personen auch seinen runden Geburtstag feiern will.

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