Wanderfrust: Weg im Würmtal bei Aidlingen endet an Hofstelle

Landratsamt bemüht sich um eine Wiederöffnung des Durchgangs auf dem Würmtalhof und ist mit dem Landwirt Friedrich Bauer im Gespräch. Hinweisschilder sollen künftig dafür sorgen, dass sich Spaziergänger und deren Vierbeiner auch ordentlich benehmen.

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    Derzeit ist der Durchgang über den Würmtalhof gesperrt. Das Landratsamt ist um eine Wiederöffnung bemüht. Dann müssten sich allerdings Wanderer und Spaziergänger, Jogger und Radfahrer, Herrchen und Frauchen mehr an Benimmregeln halten

Artikel vom 30. Juni 2020 - 17:00

Von Matthias Weigert

AIDLINGEN. Der Dätzinger Peter Egger staunte nicht schlecht, als er wieder einmal in Wald und Flur auf Schusters Rappen unterwegs war und das beschauliche Würmtal zwischen Dätzingen und Aidlingen queren wollte. Egger folgte dabei dem Wanderzeichen des Schwarzwaldvereins, als er von Lehenweiler Richtung Sculptoura-Route strebte. Doch ein Schild mit der Aufschrift "Privatbesitz" stoppte den Wanderer am Würmtalhof: "Die Brücke über die Würm war durch ein Eisengatter mit Stacheldraht versperrt, um ein Übersteigen zu verhindern", erinnert sich der Dätzinger, der sich nicht nur beim Schwarzwaldverein erkundigte, sondern auch mit dem Landratsamt Kontakt aufnahm. Schließlich sei die Behörde nicht allein für Autokennzeichen zuständig, auch die Naherholung im Verein mit Kunst und Natur werde gefördert und vorangetrieben.

In der Tat hat sich der Landkreis Böblingen seit Jahren dem Tagestourismus nicht nur im Heckengäu verschrieben. Doch in diesem Fall handelt es sich nicht um einen überregionalen Wanderweg, den der Landkreis als überregionale Verbindung ausgesucht hat und auch bewirbt. "Trotzdem haben wir mit dem betreffenden Landwirt gesprochen", bestätigt Pressesprecherin Simone Hotz auf Nachfrage, zumal Friedrich Bauer seit vielen Jahren als aufgeschlossener Landwirt gilt, der sich bei Vor-Ort-Aktionen des Landkreises als sehr kooperativ zeige.

Viel Verständnis für sein Handeln bringt deshalb nicht nur der für Regionalentwicklung zuständige Amtsleiter im Landkreis, Siegfried Zenger, für Friedrich Bauer mit, wenn der Landwirt der ständigen Streitereien mit Spaziergängern überdrüssig ist, weil deren Vierbeiner beim Gang über den Hof mal kurz ein Beinchen gehoben haben. Auch der Aidlinger Ordnungsamtsleiter Timo Koch hat den Aufreger als Akte auf dem Schreibtisch, sieht aber keine rechtliche Handhabe, den Zwist zu lösen: "Ich kann den Landwirt aber durchaus verstehen, wenn sich Passanten mit ihren Tieren nicht einigermaßen benehmen können."

Und so mühen sich in diesen Sommertagen viele, die Kuh vom Eis zu bringen und eine verträgliche Lösung für alle Seiten zu finden. Noch hängt das Schild "Privatbesitz" am Eingang zur Hofstelle, doch im Landratsamt ist man zuversichtlich, dass mit einigen Schildern, die beim Durchqueren der Hofstelle auf entsprechende Verhaltensregeln hinweisen, viel zu machen sei. "Denn gegenseitige Rücksichtnahme ist das A und O auf einem landwirtschaftlichen Anwesen, wo wie in jeder anderen Betriebsstätte produziert wird und damit auch Gefahren verbunden sind", mahnt Pressesprecherin Hotz, zumal jederzeit auch ein Schlepper um die Ecke biegen könne und schon deshalb Hunde an der Leine zu führen sind, damit das edle Tier nicht aus Versehen unter die großen Traktorräder kommt. Auch die Haftungsfrage ist daher für den Landwirt noch nicht geklärt: "Nur mit den Schildern ist es nicht getan. Wir brauchen deshalb eine Gesamtlösung."