Falscher Fuffziger im Baumarkt

Ein 40-Jähriger soll beim Obi in Sindelfingen mit einem gefälschten Schein eingekauft haben. Doch man kann es ihm nicht beweisen.

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    Auch wenn Geldscheine schwer zu fälschen sind, tauchen immer mal wieder "Blüten" auf Foto: red

Artikel vom 29. Juni 2020 - 18:00

Von Artur Lebedew

SINDELFINGEN. Um an Falschgeld zu kommen, bedarf es meistens nur weniger Klicks im Netz. Dort werden 50-Euro-Geldbündel ab sechs Euro veräußert, im Kleingedruckten ausgewiesen als "Artikelart: Scherzartikel". Profiware, die für Laien nur schwer vom Original zu unterscheiden ist, kostet mehr.

Mit einem solchen gefälschten 50-Euro-Schein soll ein Mann aus dem Kreis Schwäbisch Hall in einem Obi-Markt in Sindelfingen vor knapp einem Jahr bezahlt haben. Nach langwierigen Untersuchungen der Polizei führte die Spur zu dem 40-Jährigen. Mittels chemischer Verfahren fanden die Beamten auf dem Schein Fingerspuren dreier Personen. Eine davon war der Angeklagte. Seine Daten waren der Polizei bekannt.

Die Mundschutzmaske will er bei der Verhandlung am Böblinger Amtsgericht aus Sicherheitsgründen nicht abnehmen, er sei lungenkrank, sagt er. Öffentliche Angaben über sich verweigert er. Drei Polizisten hatten den Mann in den Saal begleitet, sie lehnen jetzt an der Wand und beobachten ihn. Bereits seit Anfang des Jahres sitzt der 40-Jährige im Gefängnis. Straftaten: Waffenbesitz, Drogendelikte, mehrfaches Fahren ohne Führerschein. Hat er bei Obi mit Falschgeld gezahlt? Dem Gericht fällt es schwer, das zu beweisen. Der ermittelnde Kommissar nennt die Fälschung "eine gute Fälschung". Den Obi-Verkäufern war der Schein zunächst nicht aufgefallen, auch habe die Kassiererin ihn vor Ort nicht geprüft. Kameraaufnahmen, wie jemand mit dem Geld zahlt, sind nicht zuzuordnen. Erst viele Stunden nach dem Bezahlen fielen einem Subunternehmen der Baumarktkette auf, dass irgendetwas mit dem Schein nicht stimmt. Sie übergab die Note der Polizei. Diese stellt die Fälschung fest.

In der Regel falle so etwas relativ schnell auf, sagt die Polizei. Perfekte Fälschungen seien nahezu unmöglich, allein wegen des Papiers. Echte Euro-Banknoten bestehen aus Baumwolle. Auch moderne Sicherheitsmerkmale lassen sich nicht einfach kopieren: etwa das durchsichtige "Porträtfenster", das in fast alle Stückelungen der neueren Euro-Banknoten integriert ist. Oder die glänzende "Smaragdzahl" mit dem Nominalwert des Scheins.

"Blüten" zu 20 und 50 Euro besonders beliebt

Auch wegen dieser immer aufwendigeren Schutzmethoden geht die Zahl der Fälschungen in den letzten Jahren zurück. Waren der Bundesbank zufolge im Jahr 2018 noch 41 933 falsche 50-Euro-Banknoten im Umlauf, reduzierte sich deren Zahl auf 31 038 Stück im Jahr 2019. Rund 80 Prozent des Falschgeldaufkommens sind 20- und 50-Euro-Banknoten.

Ob der 40-Jährige bei Obi mit dem gefälschten 50-Euro gezahlt hat und ob er die Fälschung bewusst von einem Händler erworben hat, bleibt für das Gericht unbegründbar. Weil der Mann bis Ende nächsten Jahres sowieso seine Strafen absitzt, wird das Verfahren eingestellt.