IG Kultur: Coronavirus bremst Jubiläum aus

Kulturverein in Sindelfingen wird 40 Jahre alt - Am 24. März 1980 im Nachgang zur ersten Weihnachtssession gegründet

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    Regelmäßig geht im Pavillon am Calwer Bogen die Post ab - doch derzeit ist Ruhe / Foto: Bischof/Archiv

Eigentlich hatten es sich die Macher der IG Kultur so schön vorgestellt. Am Dienstag, 24. März, wird der Verein 40 Jahre alt, und am kommenden Samstag hätte ausgiebig gefeiert werden sollen. Doch die Corona-Krise machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Artikel vom 23. März 2020 - 15:18

SINDELFINGEN (red). Zur Jubiläumsfeier waren bereits sämtliche Mitglieder eingeladen und zwei Bands am Start, die so richtig Stimmung machen: No Sports, die wiederauferstandene Ska-Legende aus den 90ern, und die Sindelfinger Powerformation Fonky Fonky. Doch dann kam Corona und damit das Aus für diesen schönen Plan. Seit 13. März besteht ein Veranstaltungsverbot. Bitter, aber in diesen Zeiten nachvollziehbar. "Wir können mit dem Verbot leben. Auch wenn es wehtut. Denn als kleiner Club trifft es uns mit voller Breitseite", sagt der Vorsitzende Ingo Liedtke, "aber die Gesundheit unserer Gäste und ehrenamtlichen Helfer geht vor."

Seit 40 Jahren trägt die IG Kultur einen gehörigen Teil zur regionalen Veranstaltungslandschaft bei. Hunderte Konzerte, Theater- und Kabarettveranstaltungen haben die ehrenamtlichen Soziokultur-Macher auf die Beine gestellt. Gegründet wurde der Verein 1980 im Nachgang zur allerersten Sindelfinger Weihnachtssession, um dem neuen Event einen rechtlichen Rahmen zu geben. Doch schnell entwickelte die IG Kultur ein Eigenleben und war auf der Suche nach einem geeigneten Raum für ein Kulturzentrum.

Seit 1987 wird im Pavillon gerockt und geschwitzt. Der ehemalige Aufführungssaal der Musikschule war als Provisorium gedacht, entwickelte sich aber zu viel mehr. Vielfach renoviert und mit einer hochprofessionellen Bühnentechnik versehen ist der schmucke Saal für maximal 300 Zuschauer beim Publikum wie bei den Künstlern überaus beliebt. Allein 2019 stellten die Kulturaktivisten 55 Veranstaltungen mit rund 5000 Besuchern auf die Beine. "Da geht es um etwa 4000 Stunden ehrenamtliche Arbeit", weiß Ingo Liedtke. Und jetzt sollten die Sektkorken knallen. Doch das Coronavirus hat den ehrenamtlichen Schaffern das Jubiläum mächtig verhagelt.

Bereits Anfang März begann die Diskussion über Corona. Da trat die bunte Theatercompagnie von Hotel Burlesque auf und traf auf einen ausverkauften Pavillon. In Absprache mit dem Kulturamt und den Gesundheitsbehörden wurden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen wie eine Sichtkontrolle auf erkrankte Personen beim Einlass, Hinweisschilder für die Hygiene und Ansagen über das richtige Verhalten bei Niesen und Husten. In den darauffolgenden Tagen wurde es ernster. Und schließlich gab es nach einigem Hin und Her ein Veranstaltungsverbot bis Ende März, das kurz darauf bis Ende April verlängert wurde. Das war zwar bitter, doch gleichzeitig waren klare Rahmenbedingungen geschaffen, mit denen die Veranstalter der IG Kultur umgehen konnten.

Veranstaltungen, die ausfallen, sollen im Herbst nachgeholt werden

Erste Opfer des Verbots: die Balkan-Brass-Punkrock-Combo Dr. Aleks & The Fuckers, deren Konzert wieder einmal ausverkauft war. Immerhin war Bandchef Aleks bereits einige Tage vorab informiert worden, dass es eng werden könnte. So kam das endgültige Verbot einen Tag vor der Veranstaltung nicht völlig überraschend. Allerdings fehlen ihm wie allen anderen Künstlern die Einnahmen, denn die Absage der Veranstaltungen wegen Corona gilt als "höhere Gewalt". Das bedeutet, die Künstler erhalten keine Gage und auch keine Ausfallentschädigung. Was vor allem für die Musiker der Sindelfinger Jazztage bitter war, die am vergangenen Wochenende hätten stattfinden sollen. "Sie sind alle Berufsmusiker und leben von ihren Konzertengagements, die nun flächendeckend abgesagt werden", erläutert der stellvertretende Vorsitzende Hilmar Kallweit.

Der aktuelle Vorstand der IG Kultur / Foto: red

Und was bedeuten die Absagen für die IG Kultur? Der Geschäftsbetrieb steht still. Es gibt damit keine Einnahmen aus Eintrittskarten und auch keine aus dem Getränkeverkauf, mit denen Anschaffungen für den Pavillon, Werbemaßnahmen, Wartungsarbeiten und Gehälter für Hilfstätigkeiten finanziert werden. Darüber hinaus sind Rückabwicklungsgebühren für im Vorverkauf abgesetzte Tickets zu zahlen. "Zum Glück haben wir in den letzten Monaten gut gewirtschaftet und können so von einem kleinen Polster zehren", meint die Kassenführerin Birgit Yigit, "aber lange reicht das nicht. In jedem Fall müssen wir größere Anschaffungen verschieben." So wird es also auch bei der IG Kultur irgendwann knapp. "Die größte Unbekannte ist, wie lange das Veranstaltungsverbot noch anhält", weiß Hilmar Kallweit. "Derzeit gilt es bis Ende April. Zuletzt nannte die neue Landesverordnung schon Mitte Juni. Das wird hart, ist aber unausweichlich, um der Verbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken."

Trotz allem ist die IG Kultur bereits dabei, Ausweichtermine für die ausgefallenen Konzerte zu finden. Dabei sollte ursprünglich der Juli in Betracht gezogen werden. Jetzt wurde der Zeitraum ab September ins Auge gefasst. Zwei Termine sind schon bestätigt: Dr. Aleks & The Fuckers am 12. September und die Jazzpreisträgerin Olivia Trummer am 3. Oktober. "Wir hoffen, dass diese Konzerte stattfinden können", so Ingo Liedtke.

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