Über der Arbeitswelt baut sich ein großes Gebirge auf

Paul Schobel hat an der Renninger Krippe gepredigt - Friedensgebet am Donnerstag - Schlussfeier am kommenden Sonntag

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    "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen" heißt das Motto der Renninger Krippe in dieser Saison Foto: red

Artikel vom 29. Januar 2020 - 18:00

RENNINGEN (red). Paul Schobel feierte mit vielen Mitgliedern aus der Welt der Arbeit einen Gottesdienst an der Renninger Krippe. Eindringlich beschäftigte er sich mit der Transformation, die jetzt auf die Automobilindustrie zukommt. Wo jetzt noch sieben Menschen im Motorenbau beschäftigt sind, genügt künftig nur noch einer. "Und da soll man nicht zittern?", fragte der ehemalige Betriebsseelsorger Schobel.

Bereits das zweite Vatikanische Konzil, das vor über 50 Jahren stattfand, sagte: "Nichts gegen den technischen Fortschritt, aber an seiner Lenkung müssen möglichst viele Menschen beteiligt sein, das darf man nicht wenigen Mächtigen überlassen." "Über der Arbeitswelt hat sich ein großes Gebirge aufgetürmt", sagte Paul Schobel. "Es ist nur mit bergsteigerischen Methoden zu überwinden. Dazu braucht es eine verlässliche Seilschaft. Eine Seilschaft gibt Sicherheit und so wächst der Mut."

Von der Seilschaft aus Staat, Arbeitgebern und Arbeitenden müsse zuerst mal eine Bildungsoffensive ausgehen, denn die neue Arbeitswelt verlange hochqualifizierte Arbeitnehmer. Als Zweites müsse die vorhandene Arbeit neu verteilt werden, dann könnten alle an Bord bleiben. Nichts wäre unsinniger, als eine neue Arbeitslosigkeit zu produzieren, so Schobel. "Auch in dieser Krise setzen wir als Gläubige auf die Kraft von oben, auf den, der es gut mit uns meint. Was aber menschenmöglich ist, müssen wir schon selber organisieren", schloss Schobel. Betriebsseelsorger Walter Wedl umrahmte den Gottesdienst mit seiner Trompete und der Frauenchor der Katholischen Arbeitnehmerbewegung erfreute die Besucher mit seinen Liedern.

Zum Abendlob an der Krippe sprach auch Robert Antretter. Er war Vorsitzender der Bundesvereinigung Lebenshilfe, SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Er verband seine Ansprache mit dem Blick auf die Befreiung des KZ Auschwitz vor 75 Jahren. Dabei erzählte er von einem Mädchen, das mit acht Jahren in Auschwitz war und den Judenstern an der Brust tragen musste. Sie schrieb darüber: "Ich will diesen Stern für mich tragen. Der Stern bin ich. Ich glaube an Gott, auch wenn er jetzt schweigt."

Wolfgang Gramer, ehemaliger Pfarrer und Domkapitular, der lange in Argentinien in der Seelsorge tätig war, sang ein lateinamerikanisches Lied und spielte Gitarre dazu. Den Inhalt seiner Worte und seiner Musik fasste er in dem Satz zusammen: "Ich glaube an das Licht in der Dunkelheit." Damit stellte er einen Bezug zu dem her, was Robert Antretter zuvor gesagt hatte.

Zum ökumenischen Friedensgebet an der Renninger Krippe am Donnerstag, 30. Januar, um 18 Uhr treffen sich katholische und evangelische Christen, die Landeskirchliche, die Neuapostolische und die Freie Evangelische Gemeinde. Auch die Muslime sind eingeladen.

Das Friedensgebet wird eingeleitet von einem Situationsbericht. Danach werden Friedenskerzen entzündet - in besonderer Weise für die Länder, wo im Moment Unfrieden herrscht. Der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Renningen wird das Friedensgebet musikalisch begleiten. Unmittelbar vor der Krippe steht das Friedenslicht von Bethlehem, das im Advent an der Geburtsgrotte entzündet wurde und von der Jugend per Stafette nach Malmsheim gebracht wurde.

Die Vorabendmesse am Samstag, 1. Februar, um 18 Uhr wird von der Renninger Gruppe "Akzent" musikalisch gestaltet. Zum Sonntagsgottesdienst am 2. Februar um 10.45 Uhr kommt der Stuttgarter Spielkreis, eine Chorgruppe, die mit ihren Trachten auch was fürs Auge bietet. In diesem Gottesdienst werden die Kerzen gesegnet.

Bei der Schlussfeier am Sonntag um 18 Uhr spricht der ehemalige Regierungspräsident und heutige Hauptgeschäftsführer der IHK Stuttgart, Johannes Schmalzl. Er geht auf eine besondere Gestalt der Kirchengeschichte ein.

Ein Höhepunkt der Schlussfeier ist der Auftritt der blinden Sängerin Sonja Prinz mit ihrer Gruppe "Soul Touch". Pfarrer Franz Pitzal wird eine Zusammenfassung über das ganze Krippengeschehen geben.

Mit dem Löschen des Lichtes von Bethlehem, das während der ganzen Krippenzeit brannte, geht die über sechswöchige Krippenzeit zu Ende. Am Montag wird dann abgebaut.

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