Technologischen Fortschritt in Ägypten gefördert

Gottlieb-Daimler-Schule 1 in Sindelfingen kooperiert mit Bildungsnetzwerk in Assiut

Artikel vom 23. Oktober 2019 - 17:12

SINDELFINGEN (red). Erst in den 1960er-Jahren gegründet und mittlerweile die drittgrößte Stadt des Landes mit knapp 500 000 Einwohnern: Assiut hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Das bestätigen nicht nur die Einwohnerzahlen, sondern auch der hohe Industrialisierungsgrad sowie der bildungspolitische und technologische Fortschritt, den man sich dort auf die Fahnen geschrieben hat. Dieser wurde jetzt mit einem Besuch an der Gottlieb-Daimler-Schule (GDS) 1 vorangetrieben.

Allen voran die Assiut University trägt mit ihrem integrierten technischen Bildungsnetzwerk (Integrated Technical Education Cluster/ITEC) zu diesem Phänomen bei. Hier wird in enger Kooperation mit Partnern im süddeutschen Raum ein berufliches Ausbildungszentrum zur Ausbildung von Konstruktions- und Industriemechanikern aufgebaut und weiterentwickelt. Die Auslandsabteilung des Kultusministeriums mit Auftrag der KfW hat dabei das Heft in der Hand und dazu als duale Partner die Daimler AG und die GDS 1 ins Boot geholt. Die deutschen Partner unter der Projektleitung von Bernhard Streicher (IP Consult) sind immer wieder vor Ort im Norden Afrikas und unterstützen die ägyptischen Bestrebungen, wo sie können. Die dort initiierte Ausbildung zum Konstruktions- und Industriemechaniker wird von ägyptischen Fachkräften durchgeführt, die in Deutschland wahlweise ihren Bachelor oder Master erworben haben. Zur Einweisung in die Lehrpläne sind die Lehrer aus Deutschland vor Ort.

Die Besonderheit des aufzubauenden Ausbildungszentrums ist die Integration von schulischer und betrieblicher Ausbildung an einem Ort. Anders als im dualen System Baden-Württembergs geschieht hier alles konzentriert, sodass es Mehrzweckräume mit unterschiedlichen Gerätewagen zum Drehen, Fräsen, Schweißen und Feilen gibt. Der Gesamtumfang des Projektes, das sich seit 2015 im Aufbau befindet, beläuft sich derweil auf 20 Millionen Euro.

Wie so oft, wenn ausländische Delegationen umgekehrt mit den Besonderheiten des deutschen Bildungssystems konfrontiert werden, reagieren die Besucher erstaunt und begeistert beim Blick auf die Ausstattungen der Unternehmen wie auch der Schulen. Das war bei den Besuchern aus Assiut nicht anders. Sie erhielten an der GDS 1 Einblick in die Werkstatträume zur Metallgestaltung, begutachteten Drehbänke und die Steuerungstechnik. Sachkundig begleitet wurden sie von Sven Gessert und Jürgen Maurer, Werkstattlehrer an der GDS 1, die bereits in Assiut waren und die Rahmenbedingungen dort kennen. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Schulleiter Jörg Jud freuten sie sich sehr, den beiden Vertretern des ägyptischen Ausbildungszentrums zwei große Metallkreissägen überreichen zu können, die nun ein weiterer Baustein im System des ITEC werden.

Der Besuch hinterließ bei allen Beteiligten einen bleibenden Eindruck. Besonders aber, betonten die Gäste, habe ihnen die Sauberkeit in den deutschen Werkstätten gefallen. Wenn diese mit dem Ausbildungsgang des Konstruktionsmechanikers ebenso nach Ägypten exportiert werden könnte, wäre das sicher ein weiterer Pluspunkt für die Kooperation.

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