Gezacktes Hobby trotzt dem E-Mail-Zeitalter

Vom morgigen Donnerstag an lockt die Briefmarkenmesse wieder massenhaft Sammler nach Sindelfingen

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    Nicht nur die Briefmarken an sich sind für den Philatelisten interessant, sondern die gesamten Poststücke Foto: red

Artikel vom 22. Oktober 2019 - 16:00

SINDELFINGEN (red). Am 5. September, dem Tag der Briefmarke, ist eine 1,55-Euro-Sondermarke erschienen, die das Briefmarkensammeln zum Thema hat. Das ist eine Würdigung dieses traditionsreichen Hobbys, das im Zeitalter von E-Mail, WhatsApp und Co. neue Wege geht, um seine Anhänger für die gezackten Aufkleber zu begeistern. Auf der 37. Internationalen Briefmarken-Börse Sindelfingen ist diese frisch gedruckte Marke zu bewundern - und neben ihr viele andere Werke aus dem philatelistischen Atelier der Deutschen Post. Sie findet vom 24. bis zum 26. Oktober in der Messe statt.

Das Hobby Briefmarkensammeln ist fast so alt wie die Briefmarke selbst. "Schon kurz nach der Herausgabe der ersten Briefmarken in den 1840er-Jahren begannen die Menschen, Briefmarken zu sammeln", berichtet Philatelie-Experte Jan Billion, Herausgeber der Zeitschrift "Deutsche Briefmarken-Revue" und Manager der Internationalen Briefmarken-Börse in Sindelfingen. Damals war die Anzahl der Sammelobjekte noch überschaubar: "Man legte zunächst sogenannte Generalsammlungen an. Mit der Zunahme der Markenländer und einem steigenden Umfang der Ausgabeprogramme durch Sonderausgaben in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kam es aber immer mehr zu Spezialisierungen."

Zunehmend wurde neben dem Sammeln von den Ausgaben einzelner Staaten das Sammeln von Motivmarken beliebt. Dabei sammelt man Briefmarken, aber auch Ganzsachen und Stempel aus der ganzen Welt zu einem ganz bestimmten Thema. Beliebte Motive sind Sport, Transportmittel wie die Eisenbahn, Musik oder Natur. Fortgeschrittene Sammler haben in den letzten Jahrzehnten den kompletten Beleg, also zum Beispiel den gesamten frankierten Brief, als Sammelobjekt entdeckt. Ein aktueller Trend in diesem Kontext ist die "Social Philately". "Neben der Betrachtung von Frankatur und Stempel bezieht man dabei das soziale, ökonomische und historische Umfeld eines philatelistischen Beleges mit ein und rekonstruiert so die ,Story des Briefs oder der Postkarte", erklärt Billion. "Fortgeschrittene Sammler zeigen auf Wettbewerbsausstellungen ihre Exponate und messen sich mit Gleichgesinnten aus dem In- und Ausland."

Partner der Briefmarkensammler in Deutschland ist der 1946 gegründete Bund Deutscher Philatelisten (BDPh), der derzeit rund 30 000 Mitglieder hat. Er vermittelt Neueinsteigern wie Fortgeschrittenen das Wissen für eine erfolgreiche Ausübung des Hobbys. Ihm untergeordnet sind Landesverbände - in Baden-Württemberg der Landesverband Südwestdeutscher Briefmarkensammlervereine.

Die Zukunft des gezackten Hobbys ist schwer vorherzusagen. Die Zahl der aktiven Sammler nimmt ab. In Zeiten von E-Mail, WhatsApp und Co. sind Briefe, Postkarten und damit auch die Briefmarken zu einem eher altmodischen Korrespondenzmedium geworden. Doch die Faszination am analogen Luxus sei aber nach wie vor vorhanden, sagt Billion. Gleichzeitig würden die ein bis zwei Millionen Sammler, die es in Deutschland noch gibt, die digitalen Möglichkeiten als neue Dimension für ihr Hobby nutzen. Heutzutage stellt man seine Sammlung eingescannt ins Netz, Kontakte für Tausch und Kauf erfolgen in Foren im Internet.

2019 ist laut Billion eine Vielzahl an hochattraktiven Marken erschienen, die oftmals auch thematisch eine spannende Geschichte erzählen. So zeigt die Serie "Astrophysik" ein Bild von der Raumfahrtmission Rosetta oder von einem Schwarzen Loch. Eine 370-Cent-Marke widmet sich dem 50. Jubiläum der ersten Mondlandung. Auch berühmte Persönlichkeiten werden porträtiert wie der Ausnahmewissenschaftler Alexander von Humboldt, der in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag feiert, oder die 1819 geborene Pianistin Clara Schumann. In der Serie "Für die Jugend" gibt es in diesem Jahr Fledermäuse zu bewundern.

Die 37. Internationale Briefmarken-Börse findet vom 24. bis zum 26. Oktober in der Messe Sindelfingen statt und ist Donnerstag und Freitag von 10 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
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