Drei Tage lang Blasmusik vom Feinsten

Brass, Gottesdienst, Frühschoppen-Konzert: Musikverein Renningen feiert sein 90-jähriges Jubiläum standesgemäß

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    Der Auftritt der Gruppe Viera Blech aus Tirol war ein Höhepunkt beim Jubiläumsfest des Musikvereins Renningen Foto: red

An diese drei Tage anlässlich des 90. Jubiläums wird man sich beim Musikverein Renningen (MVR) noch lange erinnern. Von der Tiroler Brass-Formation Viera Blech am Freitagabend bis zum ökumenischen Gottesdienst mit anschließendem Frühschoppen-Konzert am Sonntag gab es reichlich was auf die Ohren.

Artikel vom 08. Oktober 2019 - 14:54

RENNINGEN (red). Natürlich darf im Oktober ein Oktoberfest nicht fehlen, wenn schon das Vereinsjubiläum auf den Herbst fällt. Das war am Samstagabend mit Sicherheit günstiger als das Münchener Vorbild und nicht minder spaßig. Die "Dorfheiligen", eine zwölfköpfige Formation aus dem Unterallgäu, sorgte für die nötigen "Übungen" auf den Bänken in der Rankbachhalle. Damit das eigentlich als Sporthalle genutzte Gebäude keinen Schaden nimmt, wurden an die Biertische und Bänke eigens kreierte Holzlatten geschraubt, um den Hallenboden zu schonen.

In Dirndl und Lederhose

"Wir hatten eine gut gefüllte Rankbachhalle. Unsere Gäste kamen in Dirndl und Lederhosen - echtes Wasenflair", war der stellvertretende MVR-Vorsitzende Kai Rentelmann zufrieden. Nachdem die "Dorfheiligen" zunächst fast zwei Stunden böhmische Blasmusikklassiker aufgeboten hatten, bewiesen die jungen Musiker aus dem Unterallgäu fortan bei Partyhits und Popklassikern ihr Können auf den Instrumenten. "Ab da erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt und die Tanzfläche war voll. Eine angemessen rauschende Party zum Neunzigsten", freute sich Rentelmann.

Am Vorabend waren die für den konzertanten Teil aufgestellten Tische und Stühle bis auf den letzten Platz besetzt. Viera Blech aus Tirol hatten sich angekündigt. "Wir haben über 400 Gäste gehabt. Das freut uns natürlich", war der MVR-Vorsitzende Michael Kriegler überglücklich. Sogar Fans aus Aschaffenburg machten sich auf den Weg nach Renningen, um den Tirolern zuzuhören und zuzusehen. Feinste Blasmusik auf allerhöchstem Niveau, gepaart mit den unterhaltsamen Ansagen von Bandleader, Komponist und Schlagzeuger Martin Scharnagl, übten auf die volle Halle eine sich über den Abend steigernde Faszination aus.

Die Polka "Von Freund zu Freund" ist mittlerweile ein Klassiker im Programm der seit 15 Jahren bestehenden Formation. Diese gab es sogar zweimal zu hören. Auch die anderen Scharnagl-Stücke wie "Vaterfreuden" oder "Ehrenwert" fanden mit ihren harmonischen Arrangements wohlig in den Gehörgang der Besucher. Aus dem Pop-Universum gab es "Rosanna" (Toto), "That's What Friends Are For" (Dionne Warwick) oder "Something Happened On The Way To Heaven" (Phil Collins). Bei "Spanish Bulls" überzeugten die Trompeter als Solisten. "Cryin'" von Aerosmith und "Sierra Madre" beschlossen den offiziellen Teil des Konzertabends.

Viera Blech: allererste Sahne

Um das spielerische Können der siebenköpfigen Formation zu verdeutlichen, genügte es, in der Pause den Musikern aus verschiedenen Kapellen rund um Renningen zu lauschen. "Ich werfe mein Bariton weg. Ich glaube, das ist defekt", war ein Musiker aus Unterreichenbach der musikalischen Depression nahe. Was die Österreicher da aufs Parkett legten, war allererste Sahne. Besonders die Eigenkompositionen, die mittlerweile auch von vielen Musikvereinen gespielt werden, wurden beeindruckend dargeboten. Viera Blech machten aus dem Eröffnungsabend des Jubiläumswochenendes einen besonderen Konzertabend.

Den feierlichen Abschluss inklusive Gottes Segen gab es am Sonntag. Der Vize-Vorsitzende Kai Rentelmann bezeichnete es als "wunderschöne Geste", dass der Posaunenchor den ökumenischen Gottesdienst musikalisch umrahmte. "Aus dem Posaunenchor ist der Musikverein 1929 entstanden. Es bestehen enge Verbindungen", betonte er.

Auch Stefan Eitel, der neue Chorleiter, ist im Musikverein aktiv. Der katholische Pfarrer Franz Pitzal betonte, dass alle Bürger das 90-jährige Bestehen des Musikvereins sowie das Erntedankfest an diesem Sonntag "über alle Konfessionen hinweg" gemeinsam feiern sollen. Pfarrerin Regine Gruber-Drexler mahnte den heutzutage fehlenden Bezug der Menschen zur Natur und zur Landwirtschaft an. Bürgermeister Wolfgang Faißt hob in seiner Ansprache insbesondere die vorzügliche Jugendarbeit des MVR hervor. "Wer die Jugend hat, hat die Zukunft", so Faißt. Der Bundestagsabgeordnete Florian Toncar (FDP) würdigte ebenso das Engagement des Musikvereins in Sachen Jugendarbeit. Der Verein leiste einen Beitrag, dass außerhalb der Schule die Kinder und Jugendlichen eine Möglichkeit haben, ihren Vorlieben nachzugehen. "Weil wir aus ihnen keine Roboter machen wollen, sondern Menschen", betonte Toncar.

Anschließend zeigte der MVR die Bandbreite seines Repertoires. Klassiker wie der "Florentiner Marsch" und "Mars de Medici" durften ebenso wenig fehlen wie das Robbie-Williams-Medley oder die Kompilation der Jackson 5. Nach gut zweieinhalb Stunden Konzert schloss der Jubilar sein Jubiläumswochenende. Der Vorsitzende Michael Kriegler ist stolz auf seine Mannschaft. "Wir haben in diesen vier Tagen an jedem Tag mindestens 30 Helfer am Start gehabt." Kriegler selbst war seit Donnerstag nonstop auf den Beinen. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Jubiläum. Alle haben miteinander gefeiert und es gab keine Zwischenfälle", sagte Kriegler mit zufriedenem Lächeln.

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