Mit zu wenig Abstand über die Autobahn

Polizei legt Schwerpunkt bei einem bundesweiten Aktionstag auf die Kontrolle des Schwerlastverkehrs

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Den Schwerlastverkehr hatte die Polizei am Donnerstag bei einem Aktionstag im Rahmen der Kampagne "sicher.mobil.leben" besonders im Visier. Auf der Rastanlage Sindelfinger Wald kontrollierten Polizisten Brummis, die auffielen, weil sie auf der Autobahn den Sicherheitsabstand nicht einhielten.

Artikel vom 12. September 2019 - 16:48

Von Werner Held

SINDELFINGEN. Überall in der Bundesrepublik hatten Polizisten am Donnerstag "Brummis im Blick". So war der Aktionstag überschrieben, der zu einer Kampagne gehört, mit der die Verkehrssicherheit erhöht werden soll. Unfälle mit Lastwagen fordern viele Tote und Verletzte und hohe Sachschäden. Viele Zusammenstöße sind vor allem darauf zurückzuführen, dass die Brummi-Fahrer ihren Vorderleuten zu sehr auf die Pelle rücken. Dann sinkt die Zeit zum Reagieren, wenn der Vorausfahrende plötzlich bremst, dramatisch. Auffahrunfälle sind die Folge.

Am Autobahndreieck Leonberg hat die Polizei ein Verkehrskontrollsystem installiert, mit dem sie die Sicherheitsabstände zwischen Fahrzeugen misst. Bei einer Geschwindigkeit über 50 Kilometern in der Stunde müssen die Laster 50 Meter Abstand halten. Lkw-Fahrer, die deutlich darunter liegen, werden von einem Polizeiauto oder -motorrad von der Autobahn auf die Raststätte geleitet. Dort warten Polizeibeamte der Verkehrsüberwachung auf die Abstandssünder.

Gerade hat es einen Sattelzug mit griechischem Kennzeichen erwischt. Als das Gespann steht, geht Polizeihauptmeister Georg Papp zur Fahrertür und erklärt dem Chauffeur, warum er von der Autobahn geholt wurde. Der Mann spricht ein paar Brocken deutsch. Zur Not müssen sich Kontrolleure und Kontrollierte auch mal mit Gesten verständigen. Aber eigentlich wissen die Berufskraftfahrer ganz genau, worauf es ankommt und welche Unterlagen sie beibringen müssen. Polizeikontrollen gehören zu ihrem Alltag.

"Der Abstand war zu kurz", sagt Papp. Der Fahrer schaut betreten drein. Noch sind Papps Kollegen dabei, auszurechnen, wie hoch das Bußgeld ist. Der Polizeihauptmeister nutzt die Zeit, um das EG-Kontrollgerät des griechischen Lkw auszulesen. Auf dem Fahrtenschreiber sind der Name des Fahrers, die gefahrenen Geschwindigkeiten und technische Daten des Fahrzeugs dokumentiert. Papp hat an dem, was er liest, nichts zu beanstanden. Er bittet den Griechen, den Laderaum zu öffnen. Die Fracht ist bescheiden. Er müsse noch 40 Kilometer fahren, gibt der Mann zu verstehen, bis er die volle Ladung für die Rückfahrt nach Griechenland aufnehmen kann. Zwei Tage lang fährt er dann von Deutschland in seine Heimat - wenn es an der serbischen Grenze flott geht. Doch dort seien Wartzeiten bis zu 20 Stunden für Lkw keine Seltenheit. Der Laptop im Polizeibus hat inzwischen die Rechnung für den Griechen ausgespuckt: 105 Euro muss er Strafe zahlen, weil der bei Tempo 85 nur 29 Meter Abstand eingehalten hat.

Stets ein waches Auge für weitere Verstöße

Auch wenn die Polizisten an diesem Tag die Sicherheitsabstände besonders überwachen, sehen sie über andere Verstöße nicht hinweg. So fällt einem routinierten Kontrolleur laut Markus Eggensperger, dem Leiter der Verkehrsüberwachung des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, ins Auge, wenn sich der Blick des Mannes hinterm Lenkrad nicht ausschließlich auf den Verkehr richtet, sondern immer wieder aufs Handy-Display, den im Cockpit laufenden Fernseher, die Zeitung oder zu anderen Tätigkeiten abschweift. Auch allzu offensichtliche technische Mängel an den Lastern entgehen den Kontrolleuren nicht.

Polizeihauptkommissar Thomas Sauer wird ein niederländischer Lastzug gemeldet, den Kollegen auf den Rastplatz eskortieren. Der Sattelzug hat riesige Betonfertigteile geladen. "Alles in Ordnung?", fragt der junge Mann, der aus dem Führerhaus steigt. "Nein!", entgegnet Sauer und erklärt ihm, weswegen er kontrolliert wird. Er fordert vom Chauffeur Zulassung, EU-Lizenz und CMR-Frachtbrief. Die Papiere sind in Ordnung - bis auf das, dass der Fahrer für seinen Auflieger keine Zulassung vorweisen kann. "Die Trailer wechseln ständig", entschuldigt sich dieser. Thomas Sauer inspiziert, wie die Ladung gesichert ist. Die schweren Betonteile liegen auf rutschhemmenden Matten. Dicke Balken halten sie zusätzlich in einer Position der optimalen Gewichtsverteilung. Mit mächtigen Spanngurten sind die Betonteile festgezurrt. Sowohl die Gurte als auch die Ratschen, erklärt der Polizeihauptkommissar, tragen ein Etikett mit Daten, mit deren Hilfe der Kontrolleur ausrechnen kann, ob die Sicherung der Ladung ausreicht. Mit zwei Spanngurten ist Thomas Sauer nicht zufrieden: Der eine ist gedehnt, der andere angerissen. Gut, dass der Fahrer Austauschgurte bei sich hat. Doch um die Strafe für die Unterschreitung des Mindestabstands kommt auch er nicht herum. Er steigt ins Cockpit und holt seine Kreditkarte. 90 Kilometer hat er noch bis Ulm, wo er seine Ladung löschen kann.

Zu einer umfassenden Lkw-Kontrolle gehört auch das, was im Fachjargon Parkraumüberwachung heißt. Im Klartext bedeutet das, dass die Polizei dafür Sorge trägt, dass auf den nachts und am Wochenende völlig überfüllten Parkplätzen Laster nicht verkehrsgefährdend herumstehen. Deshalb hängten die Verkehrsüberwacher am Donnerstag noch eine Spätschicht dran. Und auch auf dem Straßen abseits der Autobahnen hatte die Polizei ein waches Auge auf Brummis. Dort ging sie vor allem gegen Tempoverstöße, Telefonieren am Steuer und die Missachtung von Lenkhöchst- und Ruhezeiten vor.

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