Asienreise des Renninger Pfarrers: Pitzal trifft Menschen in Angst und Not

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    In Indien watete Pfarrer Franz Pitzal durch überschwemmtes Land

Artikel vom 26. August 2019 - 17:00

RENNINGEN/TIRUVALLA/COLOMBO (red). Pfarrer Franz Pitzal konnte sich in Indien von den erneuten Überschwemmungen in ganz Kerala, vor allem auch in Tiruvalla, selbst ein Bild machen. Gleich danach war er in Sri Lanka in Colombo und in Negombo, wo dieses Jahr beim Ostergottesdienst verheerende Terroranschläge zu beklagen waren.

Doch zunächst war die Frage, ob der Flughafen von Cochi frei gegeben wird. Denn er war ebenfalls überschwemmt. Im letzten Augenblick war es dann doch möglich zu landen. Die andauernden Regenfälle beeinträchtigen das ganze Landesgeschehen. Viele Menschen können nicht mehr in ihre Häuser, sie sind so zerstört, dass sie unbewohnbar bleiben. Wo einmal Felder und Wiesen waren, erstrecken sich heute Teiche. Mit Landrover oder Boot ging es auf überfluteten Straßen mit Erzbischof Mammen zu Betroffenen. Zu dem Erzbischof aus Tiruvalla pflegt die Renninger Kirchengemeinde seit vielen Jahren enge Beziehungen. Bereits 2018 gab es große Überschwemmungen, die ihresgleichen suchen. Die Menschen wurden in Lagern untergebracht. Bischof Mammen hat bereits fünf Häuser für die am schlimmsten Betroffenen bauen lassen, zehn weitere möchte er noch errichten, um den Allerärmsten zu helfen. Im August kamen aber noch Erdrutsche dazu. Demnach wurden 200 Menschen in den Tod gerissen, 50 Vermisste wurden von Geröll verschüttet und noch gar nicht gefunden. Nach einer zehnstündigen Fahrt konnten sich Bischof Mammen und Pfarrer Pitzal von dieser erneuten, großen Naturkatastrophe selbst ein Bild machen. "Es muss jetzt dringend nach Hilfe für die Flutflüchtlinge geschaut werden", findet der Renninger Pfarrer. Der Häuserbau solle vorangetrieben werden, das Grundstück habe der Bischof bereits angeschafft. Doch wie soll er den Häuserbau verwirklichen? Das Geld dafür fehle. Eigentlich müssten große Hilfsorganisationen unterstützen.

In Sri Lanka konnte Pfarrer Pitzal sich von den Folgen des Terrorakts vom Ostersonntag selbst überzeugen. In der Hauptstadt Colombo, nahe dem Hafen, kamen in der Kirche St. Anthony über 50 Menschen ums Leben. Im etwa 50 Kilometer entfernten Negombo waren es weit über 100 Menschen laut offiziellen Berichten. Zur gleichen Zeit am Ostersonntag während des Gottesdienstes um 8.45 Uhr detonierten in drei Kirchen und drei Hotels die von einem Menschen per Rucksack zum Ort gebrachten Bomben. Die Decken - sowohl im Hotel als auch in den Kirchen - brachen zusammen. Diejenigen, die in den vorderen Bänken saßen, kamen ums Leben. Insgesamt wurden nahezu 200 Tote gezählt. Kardinal Ranjith kümmerte sich als Seelsorger um die Menschen. Es gab etwa 500 Verletzte.

Pfarrer Pitzal konnte sich bei einigen Besuchen mit dem Caritas-Direktor Lorenz über das Ausmaß und die Auswirkungen der Verletzungen informieren. Eine junge Frau, die mit ihren vier Kindern in ärmsten Verhältnissen lebt, hat noch immer mehrere Splitter im Bein, das mehrmals gebrochen ist. Man kann ihr in Sri Lanka nicht mehr helfen, wahrscheinlich wird sie nicht mehr gehen können. Eine andere Frau ist an der Wirbelsäule verletzt und kann sich kaum bewegen. "Sie lächelte aber und war sehr froh über den Besuch", berichtet Pitzal. Die Witwe des Hotelmanagers, der ebenfalls bei den Anschlägen ums Leben kam, ging mit den Besuchern ans Grab ihres Mannes. Der Kardinal hat in der Zwischenzeit in Negombo einen großen Friedhof errichtet. Er gleicht einem Soldatenfriedhof.

"Was aber auffällt, ist, dass es im Land keinen Hass gibt", wundert sich Pitzal. In Sri Lanka leben nur sechs Prozent Christen. Buddhisten, Hindus und auch Muslime halfen dem Kardinal, der sofort nach den Anschlägen im Rundfunk für Versöhnung und Frieden warb. In Negombo, wo es die meis-ten Toten gab, soll jetzt eine Begegnungsstätte gebaut werden, wo sich die Angehörigen treffen können, um neuen Mut zu fassen.

Pfarrer Pitzal hat versprochen zu helfen: "Jetzt gilt es, christliche Solidarität über Konfessionen und Religionen hinweg umzusetzen, damit die zum Teil schwer getroffenen Menschen in Sri Lanka und Indien ein wenig Mut und Zuversicht bekommen können."

 

  Das Spendenkonto der katholischen Kirchengemeinde in Renningen, IBAN DE62 6039 0300 0070 4150 13, Stichwort: Indien-Sri Lanka.
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