Fast sechs Jahre Haft für den "Goldräuber"

Urteil im Prozess wegen Einbruchs in Juwelierladen im Sindelfinger Stern-Center im September 2016

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Artikel vom 29. Juni 2019 - 12:00

Von Bernd Winckler

STUTTGART/SINDELFINGEN. Der Goldraub-Einbruch vom September 2016 in das Sindelfinger Stern-Center ist juristisch gesühnt. Das Stuttgarter Landgericht verurteilte nach mehrtägiger Hauptverhandlung einen 40-jährigen Libanesen wegen besonders schweren räuberischen Diebstahls zu fünf Jahren und acht Monaten Haft. Er hatte damals zusammen mit einem unbekannten Komplizen Schmuck und Uhren im Wert von über 11 000 Euro erbeutet.

Zwei Männer kletterten seinerzeit auf das Flachdach des Einkaufszentrums und warteten die Nacht ab. Gegen 2 Uhr, stellte das Gericht fest, maskierten sie sich und verschafften sich mit einer Leiter Zugang über ein Fenster in ein Büro, entwendeten dort den Generalschlüssel und 400 Euro aus einer Kasse. Danach drangen sie in die Räumlichkeiten des Juwelierladens ein und zertrümmerten mit einem Maurerhammer mehrere Verkaufsvitrinen. 85 wertvolle Schmuckstücke entnahmen sie und flüchteten über einen Notausgang.

Dabei allerdings wurden sie von einer Sicherheitsbeamtin aufgehalten. Doch die Drohung, auf die Frau mit dem Hammer einzuschlagen, zeigte Wirkung. Und der Angeklagte hatte nicht nur den Hammer zum Schlag erhoben, sondern damit auch noch auf eine Schaufensterscheibe eingeschlagen, die allerdings nicht zu Bruch ging Mit der Beute in einer Reisetasche konnten die beiden flüchten.

Auf der Anklagebank saß nur der 40-Jährige. Sein Mittäter ist verschwunden. Er trage den Vornahmen Sergej, sagte der Angeklagte vor der 7. Großen Strafkammer. Doch Sergej, der zeitweise in einer Unterkunft in Ostfildern residierte, konnte von der Polizei nicht ermittelt werden. Er habe den Hauptteil der Beute mitgenommen, sagt der 40-Jährige. Die Richter mussten diese Aussage akzeptieren und legten dem Angeklagten jetzt im Urteil lediglich die Entwendung von 20 der geraubten 85 Beutestücke zur Last. Wert: 11 367 Euro. Dass sie die Beute bei der Flucht auf dem Flachdach des Centers zurückgelassen haben, nahm ihm das Gericht nicht ab. Die Polizei fand allerdings bei einer Suchaktion einige der geraubten Golduhren.

Der 40-Jährige war 2016 wegen Diebstählen zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Hinsichtlich des Goldraubs hatte er sich freiwillig gestellt. Dass er Tage vor dem Stern-Center-Raub in eine Gaststätte eingebrochen war, war ihm nicht nachzuweisen. Die Staatsanwältin forderte eine Gesamtstrafe von sechs Jahren und vier Monaten. Sie ging von einem gemeinschaftlichen besonders schweren Raub aus, während die Verteidigerin von einem "minderschweren Fall" sprach.

Das Gericht entschied auf einen besonders schweren räuberischen Diebstahl und schickte den 40-Jährigen für knapp sechs Jahre hinter Gitter. Wegen einer früheren Drogenabhängigkeit ordneten sie seine Unterbringung im geschlossenen Entzug an.

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