Denkmalstiftung unterstützt Restaurierung der 200 Jahre alten Panoramatapete im Dätzinger Schloss

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    An allem nagt der Zahn der Zeit: Der Förderverein Schloss Dätzingen präsentierte anlässlich der finanziellen Zuwendung auch ein besonders lädiertes Stück Tapete, das Jagdszenen zeigt
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    Die 18 Rollen wurden über Jahrzehnte unsachgemäß gelagert
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    Die Übergabe des Fördervertrages in Höhe von 30 000 Euro findet natürlich vor dem Ausschnitt der Tapete des Schlosses Dätzingen statt, der bereits restauriert wurde, allerdings mithilfe von Ölfarben
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    Eine der 18 Bahnen hat Diplom-Restaurator bereits in Teilen konserviert. Der Bildband (vorn) zeigt die verschiedensten Tapetenmotive aus den Manufakturen des 19.Jahrhunderts Fotos: Bischof

Im Schloss Dätzingen ist Kunst und Kultur zu Hause. Selbst eine Tapete atmet dort 200 Jahre Geschichte. Das gute Stück ist aber leider lädiert und muss konserviert und restauriert werden. Möglich wird dies durch die finanzielle Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Lotterieerlösen in Höhe von 30 000 Euro.

Artikel vom 25. Juni 2019 - 17:36

Von Matthias Weigert

DÄTZINGEN. Weihnachtsstimmung trotz hochsommerlicher Temperaturen verbreitete deshalb Bürgermeister Martin Thüringer am Dienstvormittag im Maltesersaal des Schlosses. Der Hausherr des erst vor wenigen Jahren mit öffentlichen Mitteln sanierten Anwesens lobte den Vorsitzenden des Förderverein Schloss Dätzingen. Herbert Blum hatte sich zusammen mit Heimatmuseumsleiter Joachim Ratz um eine Förderung der Denkmalschutzmaßnahme stark gemacht.

30 000 Euro stellt daher die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) dank der Lotterie Glücksspirale in diesem Jahr für die Restaurierung der 18 eingelagerten Bahnen der Panoramatapete "Les chasses de Compiègne" zur Verfügung. Gisela Lasartzyk, Ortskuratorin Stuttgart der DSD, gemeinsam mit Regionaldirektor Hubert Gfrörer von Lotto Baden-Württemberg überreichten vor Ort den dazugehörigen Fördervertrag und strichen die Besonderheit der Förderung heraus. Schließlich sei erstmals eine Wandtapete Gegenstand der Zuwendung.

Die Panoramatapete ist nämlich eine der wenigen, heute noch erhaltenen Raumdekorationen des beginnenden 19. Jahrhunderts, von denen bekanntermaßen kein weiteres Exemplar in Deutschland existiert. Nun sollen die von Carle Vernet entworfene und zwischen 1812 bis 1815 in der Pariser Manufaktur Jaquemart gefertigten Bahnen der Panoramatapete "Les chasses de Compiègne" von Diplom-Restaurator Thomas Wieck restauriert werden. 2000 Druckformen waren dafür notwendig - für viele Teilmotive, wie bei einem Puzzle, noch dazu für jede Farbe eines. "Ein riesiger Aufwand, der mit hohen Kosten verbunden war", weiß Wieck. Sieben Bahnen der Tapete wurden schon vor Jahren restauriert und wieder im Vorraum des Maltesersaals angebracht. Die fehlenden 18 Bahnen sind bei ihrer Abnahme in den 1960er Jahren getrennt und zerschnitten worden, sie weisen Nagellöcher und Korrosionsauswirkungen der Nägel auf und wurden auch durch die unfachmännische Lagerung in Rollen stark geschädigt.

Einige Jahrzehnte waren sie dann im Besitz der Stadt Sindelfingen, die sie bei der Versteigerung des Inventars erwerben konnte. Im Jahre 1998 bot sich dann die einmaligen Gelegenheit für die Gemeinde Grafenau, die Dätzinger Bahnen für 25 000 Mark wieder nach Dätzingen zurückzuholen. Dort schlummerten sie allerdings über viele Jahre in einer Kiste, blieben aber vielen Dätzingern im Gedächtnis. Insbesondere Joachim Ratz trat als Mahner auf, damit endlich die Jagdszenen wieder betrachtet werden können. Aber die Gebäudesanierung ging vor. 2009 bis 2011 wurde das Schloss außen wie innen saniert. Damals half auch die DSD bei der Instandsetzung der Dachdeckung des Hauptbaus. Die Wandtapete ist seit 2009 eines der über 320 Projekte, die die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz dank Spenden und Mitteln der Glücksspirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Baden-Württemberg fördern konnte.

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