Letzte Mahnung für Mann "mit kurzer Zündschnur"

Landgericht verhängt wegen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung Geldstrafe gegen schon mehrfach auffälligen Kurierfahrer

Artikel vom 24. Juni 2019 - 14:24

Von Bernd Winckler

SINDELFINGEN/STUTTGART. Mit einem aggressiven 36-jährigen Kurierfahrer aus Böblingen hatte es die 31. Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts zu tun. Der Mann, der mit seinem Sprinter im Juni 2018 wegen seines aggressiven Fahrverhaltens von einem Fußgänger in der Sindelfinger Ziegelstraße angesprochen wurde, drohte diesem mit "Umbringen", beleidigte ihn und versetzte ihm Fausthiebe. Die Quittung der Richter: 3900 Euro Geldstrafe.

Die Vorstrafenliste ist so dick, dass die Richter lange benötigten, um in dem Verfahren gegen den Kurierfahrer alle bisherigen zehn Urteile zu verlesen. Darunter sind Körperverletzungen, Bedrohungen, Diebstähle bis hin zum Würgen seiner Ex-Frau, was ihm eine langjährige Haftstrafe einbrachte. Sie hatte er mit den Worten "Ich töte dich jetzt gleich" in Angst und Schrecken versetzt. Besonders Bedrohungen gegen Verkehrsteilnehmer brachten den Mann mehrfach schon vor Gericht. Nicht umsonst charakterisierte der Strafkammervorsitzende Reiner Skujat den Angeklagten als "Person mit kurzer Zündschnur".

Jetzt stand der 36-Jährige erneut vor Gericht. Am 23. Juni 2018 fuhr er gegen 3 Uhr nachts mit seinem Lieferfahrzeug durch die Ziegelstraße in Sindelfingen, um das Straßenfest zu beliefern. "Viel zu schnell und aggressiv, er ist sozusagen gerast", wie ein Fußgänger im Zeugenstand aussagt. Er habe an die Karosse des Sprinter geklopft, um dem Fahrer klar zu machen, dass er zu schnell unterwegs war. Der stieg aus, ging direkt auf den Mann zu und schlug ihn mit einem Fausthieb zu Boden. Dann folgten wüste Beleidigungen - und die Drohung, er werde ihn umbringen. Die Kopfverletzung musste im Krankenhaus genäht werden.

Klarer Fall für das Amtsgericht Böblingen: Es verdonnerte den 36-Jährigen im November 2018 wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung zu der Geldstrafe von 5600 Euro und einen Monat Fahrverbot. Das jedoch wollte der Mann nicht auf sich sitzen lassen. Er legte gegen diesen Schuldspruch Berufung ein, worauf sein Fall jetzt am Landgericht aufgerufen wurde.

Angeklagter streitet die Vorwürfe zunächst

Dort bekundete der Angeklagte jetzt, dass ihn der Fußgänger zuerst angegriffen und zu Boden geschlagen habe. Zuerst habe der Mann ihn angeschrien und ihm dann den Schlag an die Schläfe verpasst, weswegen er eine Woche lang krank gewesen sei. Eine Drohung mit der Bezeichnung "Umbringen" habe er nie ausgesprochen. Er habe sozusagen in Notwehr zurückgeschlagen. Für ihn komme nur ein Freispruch in Frage.

Erst nach Anhörung der Zeugen, die den Vorfall genau schildern konnten und auch die Schläge des Angeklagten beschrieben, rang sich der Angeklagte zu einem Teilgeständnis durch und gab zu, den Fußgänger niedergeschlagen und bedroht zu haben. Relativ salomonisch urteilte daraufhin die 31. Strafkammer. Sie hob die Führerscheinsperre auf und verhängte wegen Bedrohung, Körperverletzung und Beleidigung eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je 30 Euro, insgesamt also 3900 Euro. Dies, so der Vorsitzende Richter, sei angesichts der ellenlangen und einschlägigen Vorstrafenlatte die allerletzte Mahnung. Sollte er künftig erneut im Straßenverkehr auffallen, dann sei eine Haftstrafe ohne Bewährung nicht mehr vermeidbar.

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