Sindelfinger Hochhausmord: Staatsanwalt fordert 13 Jahre Haft

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    Symbolbild: Archiv

Artikel vom 07. Juni 2019

SINDELFINGEN/STUTTGART (wic). Im Sindelfinger Hochhaus-Mordprozess vor dem Stuttgarter Landgericht hat der Staatsanwalt gegen die 68-jährige Angeklagte eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren gefordert. Die beiden Verteidiger pochen auf Freispruch. Laut Ankläger kann nur die beschuldigte Frau die Täterin sein. Sie soll ihre 81-jährige Nachbarin mit elf Messerstichen in den Hals und weiteren sieben Stichen in die Brust getötet habe.

Vier Monate lang hat die Schwurgerichtskammer diesen ungewöhnlichen Tötungsfall verhandelt. Die Angeklagte ließ durch ihre Verteidiger wissen, dass sie mit der Tötung der Klavierspielerin nichts zu tun habe. Mehrfach hatten die Verteidiger argumentiert, dass es keine Beweise für eine Täterschaft gebe, und mehrere Zeugen dazu befragt. Dem jedoch widersprach der Ankläger energisch. Für ihn steht fest, dass sich die Angeklagte am 29. Juni 2018 zwischen 12 und 13 Uhr über das Klavierspiel der 81-jährigen Nachbarin ärgerte, in Rage geriet und diese Ruhestörung unterbinden wollte.

Dazu habe sie an der Wohnungstür der 81-Jährigen geklingelt, sei eingelassen worden und habe nach einem zunächst verbalen Streit die 81-Jährige niedergeschlagen und mit einem messerähnlichen, spitz zulaufenden Gegenstand wie einem Brieföffner oder einer Schere zugestochen. Die Stiche waren so wuchtig, dass nicht nur die Halsschlagader geöffnet wurde, sondern die Spitze des Gegenstandes auch die Zunge des Opfers durchbohrte. Die 81-Jährige verblutete innerhalb weniger Minuten.

Vom Tatwerkzeug fehlt bis heute jede Spur

Danach, so der Staatsanwalt, habe sich die Angeklagte im Bad des Opfers gereinigt und die Gerätschaft, mit der sie die 81-Jährige niedergeschlagen hatte, in das Wasser geworfen, das sie zuvor in die Badewanne eingelassen hatte. Dann habe sie die Wohnung mit dem messerähnlichen Gegenstand verlassen, aber vergessen, das Wasser abzustellen, sodass das Wasser die Wohnung überflutete. Bis heute ist das Tatwerkzeug nicht aufgetaucht. Nach Auffassung des Anklägers hat es die Angeklagte nach der Tat entsorgt. Worauf sie nicht geachtet habe, sei der Umstand, dass sie in der Wohnung des Opfers zahlreiche eigene DNA-Spuren und eine ganze Reihe von Faserrückständen aus ihrer am Tattag getragenen roten Jeanshose hinterließ. Der Täterin weist der Staatsanwalt auch zahlreiche andere tatrelevante Molekularspuren an der Kleidung der Angeklagten zu, sodass letztlich nur sie und niemand anderes für die Tat in Frage komme. Dafür fordert der Anklage wegen Totschlags die 13-jährige Haftstrafe. Der Ankläger bezeichnete die Tat als äußerst brutal und menschenverachtend mit einem krassen Missverhältnis zum Anlass.

Ganz anders die Ansicht der Verteidiger. Sie bemängeln die Ermittlungen am Tatort, bei denen zahlreiche Menschen im Flur der Hochhauswohnungen herumgetreten seien und dabei genetische Spuren verteilt hätten. So können ihrer Meinung nach auch die DNA-Spuren des Opfers bei der Angeklagten gelandet sein. Unmittelbare Tatzeugen gebe es nicht. Die Angeklagte sei müsse freigesprochen werden.

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