Landkreis soll sicherer Hafen werden

"Seebrücke" mahnt mit Holzkreuz in Sindelfingen zu Hilfe für Mittelmeer-Flüchtlinge

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    Die "Seebrücke"-Aktivisten (von links) Jule Rüter, Sanja Jäger, Alicia Krull, Utz Mörbe und Martin Rösch vor dem Holzkreuz, das an die 2297 Flüchtlinge erinnert, die 2018 im Mittelmeer ertrunken sind Foto: red

Artikel vom 02. Mai 2019 - 17:48

SINDELFINGEN (red). 2297 Menschen sind allein im Jahr 2018 im Mittelmeer ertrunken. Angesichts dieser riesigen Zahl erscheint das Mahnmal am Sindelfinger Marktplatz, mit dem der Toten gedacht werden soll, viel zu klein. Aufgestellt wurde das Holzkreuz von Mitgliedern der "Seebrücke" aus dem Kreis Böblingen. Die "Seebrücke" fordert von der europäischen Politik, für sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen zu sorgen.

Das Kreuz auf dem Sindelfinger Marktplatz ist orange gestrichen, da dies die Farbe der Rettungswesten ist, die flüchtende Menschen sich und ihren Kindern überziehen in der Hoffnung, so ihre Chancen auf eine sichere Überfahrt zu erhöhen. "Oft bekommen sie aber nicht mal dieses lebenswichtige Utensil - oder noch grausamer: Sie bekommen von den Schleppern Rettungswesten, diese sind aber nicht funktionsfähig, also Attrappen", heißt es in einer Pressemitteilung der "Seebrücke" im Kreis.

Die Menschen fliehen vor Krieg und mit ihm verbundenen humanitären Missständen, vor Verfolgung und Diskriminierung, aber auch vor den Folgen des Klimawandels und Ungleichgewichten der globalen Handelspolitik, die in Teilen der Welt heute schon den Menschen ihre Lebensgrundlage entziehen. Die "Seebrücke", ein zivilgesellschaftliches Aktionsbündnis in Deutschland und anderen EU-Staaten, erwartet von der deutschen und europäischen Politik daher eine effektive und ernst gemeinte Fluchtursachenbekämpfung, sichere Fluchtwege, eine

Erneute Demo am 12. Mai

Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige und innerhalb Europas fair verteilte Aufnahme der Menschen, die fliehen mussten oder auf der Flucht sind.

"Die Einigung Europas auf gemeinsame Lösungswege darf nicht länger auf sich warten lassen", so die "Seebrücke"-Aktivisten. Täglich würden sich Menschen auf den gefährlichen Weg übers Meer begeben; viele würden jedoch keine Hilfe erhalten, denn aufgrund der Kriminalisierung von privater Seenotrettung seien derzeit fast keine Schiffe auf dem Mittelmeer. Sobald aber doch einmal schiffbrüchige Menschen von einem Rettungsschiff aufgenommen würden, könne dieses in keinem der nahe gelegenen europäischen Hafen anlegen, bevor nicht bei jedem Menschen an Bord geklärt sei, von welchem Land er danach aufgenommen werde. Um solche Situationen zu verhindern, fordert die "Seebrücke" vom Landkreis Böblingen, sich so wie 47 weitere Kommunen in Deutschland zum "sicheren Hafen" zu erklären. Dies bedeutet, dass der Landkreis sich bereit erklärt, unabhängig von der innerdeutschen Verteilungsquote Asylsuchender aus Seenot gerettete Menschen direkt aufzunehmen. Außerdem soll sich der Kreis solidarisch mit Menschen auf der Flucht zeigen und die zivile Seenotrettung aktiv unterstützen.

Um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen, wird die "Seebrücke" im Kreis Böblingen eine Unterschriftensammlung sowie eine Online-Petition starten. Außerdem ist für den 12. Mai erneut eine Demonstration in Sindelfingen geplant.

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