Faserspuren belasten die Angeklagte

Gutachter sagt im Sindelfinger Hochhausmord-Prozess aus

Artikel vom 11. April 2019 - 17:12

STUTTGART/SINDELFINGEN (wic). Für die 63-jährige Angeklagte sieht es nicht gut aus. Die Frau bestreitet im Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht energisch, etwas mit dem Tod ihrer 81-jährigen Nachbarin in einem Sindelfinger Hochhaus zu tun zu haben. Doch laut einem Gutachten sind sie belastende Faserspuren entdeckt worden. Selbst der Verteidiger der Angeklagten war recht hilflos, als er davon erfuhr. Tausende Spuren von der Hose der Angeklagten sollen an der Kleindung des Opfers entdeckt worden sein. Daraus wird geschlossen, dass die Angeklagte die einzige Person gewesen sei, die zur Mittagszeit am 29. Juni 2018 in der Wohnung der 81-Jährigen war, und die Tat begangen haben könne. Als Motiv nennt der Staatsanwalt "Lärm durch das Klavierspielen".

Zeugen haben in dem Verfahren bekundet, dass die Ermordete keine Fremden, auch keine Hausbewohner, in ihre Wohnung gelassen habe. Die betagte Frau habe sehr zurückhaltend gelebt. Das Klavierspiel sei ihr liebstes Hobby gewesen. Die Bewohner sind entsetzt, dass ihr gerade diese musikalische Gewohnheit das Leben gekostet haben soll.

Die 81-Jährige muss einen qualvollen Tod erlitten haben, wie die Gerichtsmedizinerin der Schwurgerichtskammer berichtete. Die Tat müsse äußerst brutal ausgeführt worden sein, sagt die Medizinerin. Man will es nicht glauben, wenn man die schmächtige und nur 1,58 Meter große Angeklagte sieht. Zahlreiche Knochenbrüche, Stiche, wahrscheinlich sogar mit zwei Messern oder ähnlichen Gegenständen hat die Medizinerin an der Leiche festgestellt. Teilweise Durchstiche durch den Körper bis zum Rückenwirbel. Stiche auch mitten in die Lungenflügel. Die Folge waren innere Blutungen, an denen das 81-jährige Opfer erstickt sein muss, so das Gutachten. Allerdings nicht sofort; der Tod sei erst etwa 15 Minuten nach der Tat eingetreten. Die Gutachterin geht auch davon aus, dass es zwischen Täter und Opfer einen minutenlangen Kampf gegeben haben muss.

Die Tatwaffe ist bis heute verschwunden. Das nährte Zweifel daran, dass die Angeklagte tatsächlich die Täterin ist. Auch zu der Frage, wie sich die Angeklagte von Blutspritzern, die an ihrer Kleidung angehaftet gewesen sein müssen, so rasch zu befreit hat, ist ungeklärt. Außer den Faserrückständen und einigen DNA-Spuren gibt es keine verwertbaren Tatnachweise. Am Donnerstag berichtete ein Ermittler der Böblinger Polizei, dass sich erst vor einigen Tagen eine neue Zeugin telefonisch gemeldet habe, um eine Aussage zu machen. Die Frau sei aber nicht erreichbar gewesen. Von Nachbarn werde sie psychisch krank beschrieben.

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