Lernfabrik 4.0 an Gottlieb-Daimler-Schulen in Sindelfingen

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    Simuliert Produktionsprozesse im Industrie-4.0-Zeitalter: die Lernfabrik 4.0. Das Bild zeigt die Lernfabrik der Gewerblichen Schule Crailsheim Fotos: red

Die Gottlieb-Daimler-Schulen (GDS) in Sindelfingen sollen zur Lernfabrik 4.0 ausgebaut werden. 1,3 Millionen Euro kostet das Projekt. Das Land steuert 300 000 Euro bei. Vor Kurzem wurde im Wirtschaftsministerium der Förderbescheid an den Schulträger und die Schulen übergeben.

Artikel vom 11. Februar 2019 - 12:00

SINDELFINGEN (red). Die Zukunft in der Industrie heißt Kommunikation. Und dies nicht mehr nur zwischen Geschäftsführungen, Angestellten und Kunden. Nun kommunizieren auch die zu bearbeitenden Werkstücke, Maschinen und Produktionsketten miteinander. Die Lernfabrik 4.0 ist ein umfassendes Digitalisierungsprojekt an den GDS 1 und 2, das die auf die künftigen Arbeitsprozesse in der Industrie vorbereiten und sie dafür aus- sowie weiterbilden soll. Finanziert wird das Projekt vom Landkreis Böblingen als Schulträger, bewilligt und gefördert wurde es vom Wirtschaftsministerium des Landes.

Kommunikation zwischen Werkstücken und Maschinen klingt heute dank Smartphones und Tablets nicht mehr wie Science Fiction. Dennoch stellt sich dem Laien die Frage: Wie genau soll das in der industriellen Produktion vor sich gehen, wenn von intelligenter Produktion, von Smart Production, die Rede ist? Jörg Herold, Lehrer der Fachschule für Technik und für die Lernfabrik 4.0 an der GDS 1 verantwortlich, erklärt dies so: In einer Produktionskette wird ein Werkstück bearbeitet. Dieses Werkstück durchläuft viele Arbeitsschritte, bis es ein fertiges Produkt ist. Auf dem Weg dorthin verfügt es über einen Chip, der für den notwendigen Informationsaustausch - die Kommunikation - verantwortlich ist. Die Daten, die sich auf diesem Chip befinden, werden an jeder Station innerhalb der Produktionskette von einem Sensor ausgelesen und an eine Maschine oder einen Menschen weitergeleitet. Das Werkstück tut damit kund, was es im betreffenden Verfahrens-schritt braucht. Die angesprochene Maschine oder der zuständige Mitarbeiter stellt dem Werkstück zur Verfügung, was es angefordert hat, vermittelt die Daten an den Chip zurück und signalisiert dadurch "fertig". So kann der nächste Produktionsschritt angegangen werden.

1500 Schülerinnen und Schüler sind am Projekt beteiligt

Nach diesem Prinzip soll in Zukunft an den GDS eine realitätsnahe Abbildung von industriellen Fertigungsprozessen in einer digitalen Lernumgebung zur Verfügung gestellt werden, damit die Auszubildenden und angehenden Techniker kompetentes Handeln in komplexeren und vernetzten Zusammenhängen erlernen. Basis dieser Lernumgebung sind ein dauerhafter Datenaustausch sowie die stetige Aktualisierung und Speicherung der Daten, die Qualität und dauerhafte Reproduktion der Bauteile garantiert. Dazu arbeiten die Fachbereiche IT, Elektro-, Maschinen- und Industrielle Beschichtungstechnik an den GDS vernetzt zusammen.

Den GDS kommt in der Aus- und Weiterbildung im Kreis eine bedeutende Rolle zu, gelten die beiden Schulen doch als Kompetenzzentrum im gewerblich-technischen Bereich. Hier erhalten die Schüler das Rüstzeug für die berufliche Karriere, sei es in der Fachschule für Technik, in der dualen Ausbildung oder in der Abteilung Akademie für Datenverarbeitung. Um den hohen Standard noch weiter zu entwickeln, wird jetzt an den Schulen das Projekt Lernfabrik 4.0. gestartet, an dem 1500 Schüler beteiligt sein werden.

Die Entwicklung von der Industrie 3.0 (Automatisierung) zur Industrie 4.0 (Digitalisierung) wird schon seit Längerem in einzelnen Projekten berücksichtigt. Diese werden aber nun zu einem Gesamtkonzept gebündelt. Ein wichtiger Punkt ist dabei die physische Trennung der einzelnen Komponenten in der Produktion, sodass die Vernetzung vieler Klassen und Maschinen über den gesamten Campus des Technischen Schulzentrums möglich ist. Ziel ist es, in zwei Jahren über eine vollständige Produktionsanlage für eine Power-Bank nach den Maßstäben der Industrie 4.0 zu verfügen. Dies geschieht in enger Kooperation mit regionalen Industriebetrieben.

Die Integration aller fachlich damit verknüpften Kollegen sei in den vergangenen drei Jahren bereits gelungen, was die nachhaltige Basis für Lernen 4.0 garantiere, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts. Die Integration der handwerklichen Berufe erfolge zudem sukzessiv, da der industrielle Bereich zunächst vorangeht und die Grundlage für die Einbindung der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und anderer Sparten bietet. Projektleiter Herold ist überzeugt, dass die Lernfabrik 4.0 im Sinne der beteiligten einen Quantensprung für das praxisorientierte Lernen darstellt.

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