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Ein Filzhut als Zeichen der Dankbarkeit

Renningens katholischer Pfarrer Franz Pitzal hat Kirgistan bereist und ist auf große Hilfsbereitschaft getroffen

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    In einem schlichten Gotteshaus übergibt Pfarrer Franz Pitzal (rechts) ein Kreuz aus Renningen an Pater Adam. Links steht der Reisebegleiter des Pfarrers, der Student Christoph Pitzal Foto: red
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Artikel vom 07. September 2018 - 16:00

RENNINGEN (red). Renningens katholischer Pfarrer Franz Pitzal ist schon viel in der Welt herumgekommen. Jetzt hat er Kirgistan bereist - gemeinsam mit seinem Namensvetter, dem Studenten Christoph Pitzal.

Kirgistan gehört zu den zentralasiatischen Staaten und ist umgeben von Usbekistan, Kasachstan, Tadschikistan und China. Das Land hat 1991 von der Sowjetunion unabhängig geworden. 97 Prozent der Bevölkerung sind Muslime - "aber ganz anderer Art, als wir das gewohnt sind, weit entfernt von Fundamentalismus", schreibt Pfarrer Pitzal in einem Reisebericht. In Kirgistan gibt es nur wenige Katholiken.

In der Hauptstadt Bishkek wurden die beiden Pitzals vom Apostolischen Administrator Anthony, einem Amerikaner, herzlich aufgenommen. Ihm zur Seite stehen im ganzen Land nur sieben Priester aus Polen und der Slowakei. Die katholische Kirche liegt am Rand der Hauptstadt; sie ist schlicht. 100 Kilometer weit ist Pfarrer Pitzal dann mit einem Priester zu zwei Gemeinden gefahren. Dort ist in russischen Häusern eine Kirche errichtet, in denen die Gäste aus Deutschland mit jeweils zehn Personen den Gottesdienst feierten.

350 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt der See Issyk Kul. Dort haben die Katholiken ein Camp errichtet. Die beiden Priester Pater Adam und Pater Remigius hielten gerade eine Astronomie-Freizeit für 90 junge Menschen ab, alle Muslime. "Mit einem Fernrohr konnten sie den Sternenhimmel beobachten. Über eventuelle Marsbewohner machten sie sich Gedanken. Sie schrieben eine Verfassung für diesen Planeten, verfassten eine Nationalhymne, machten sich Gedanken über eine Flagge, die Energieversorgung und das Leben auf diesem Planeten", schildert Franz Pitzal einige Programmpunkte aus dem Camp.

Zehn Stunden dauerte dann die Fahrt über das Tien-Schan-Gebirge. Der Pass liegt in 3300 Metern Höhe. Dort oben leben die Menschen hauptsächlich in Jurten. Dann ging es entlang des Flusses zum Toktokul-Stausee, der in Kaskaden unter Lenin erbaut worden ist. Von ihm stammt das Zitat: "Kommunismus, das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes."

Dzhalal Abad, 650 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, ist eine Stadt mit 50 000 Einwohnern. Dort gibt es auch noch einige Katholiken - "und es entfaltet sich ein lebendiges kirchliches Leben", so Pitzal. Die Stadt Osch liegt 100 Kilometer entfernt. Sie ist die zweitgrößte Stadt des Landes. Priester gibt es dort nicht, aber in einem halbzerfallenen Haus kommt Pater Adam jeden Sonntag mit den wenigen Katholiken zum Gottesdienst zusammen. Inmitten dieser Stadt erhebt sich der Salomon-Berg. 150 Stufen führen hinauf. Bei nahezu 35 Grad Hitze konnten die beiden Pitzals den Berg besteigen und hatten dann einen großartigen Rundblick über die Stadt und die umgebenden Berge. Am Fuße des Berges wurde eine Moschee errichtet. Im Land stehen viele Moscheen, die aber zum Großteil erst nach der Sowjetzeit erbaut wurden.

Kirgistan hat etwa sechs Millionen. "Die wenigen Katholiken", hat Pfarrer Pitzal beobachtet, "gehen in vielfältiger Weise auf die Menschen zu, ohne dass sie sich vornehmen zu missionieren. Sie überzeugen durch ihre Hilfsbereitschaft und ihre Menschlichkeit." Für Franz Pitzal war dies zutiefst beeindruckend - und auch dass "bei der großen Armut überall Sauberkeit und Ordnung vorzufinden sind". Dies zeige sich besonders im großen Basar einer jeden Stadt. Fast jeder Mann trägt den Hut des Landes, den Kolpak, aus weißem Filz hergestellt, mit einem besonderen Emblem verziert. Im Camp hat man Pfarrer Franz Pitzal einen solchen Hut als Zeichen der Dankbarkeit überreicht.

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