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Raubüberfall auf Gleichaltrige

Jugendliches Trio muss sich wegen Vorfall in Sindelfingen vor Gericht verantworten

Artikel vom 24. Juli 2018 - 22:06

SINDELFINGEN/STUTTGART (wic). Drei junge Burschen im Alter von 17 und 18 Jahren sitzen auf der Anklagebank. Gemeinschaftlicher besonders schwerer Raub, besonders schwere räuberische Erpressung, Bedrohung und gemeinschaftliche Sachbeschädigung, so die Anklage. Die Jugendstrafkammer am Stuttgarter Landgericht will nun klären, was an einem kalten Winterabend dieses Jahres in einer Sindelfinger Wohnung geschah.

Ein Dumme-Jungen-Streich? Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist anderer Meinung. Das angeklagte jugendliche Trio soll am Abend des 24. Februar dieses Jahres urplötzlich die Idee gehabt haben, einen alten Freund "abzuziehen". Gemeint ist damit, so die Vorsitzende Richterin der 4. Strafkammer am gestrigen ersten Verhandlungstag in Richtung Anklagebank, "einem anderen Menschen mit Gewalt etwas wegnehmen".

Das "Abziehen" habe sich so abgespielt: Der Ältere der drei Angeklagten, der jetzt übrigens die Gesamtschuld auf sich nimmt, soll an jenem kalten Februar-Abend an der Wohnungstüre des späteren Opfers im Wohngebiet Hinterweil geklingelt haben, während die übrigen beiden 17-jährigen Angeklagten - mit in das Gesicht hochgezogenen Pullis als Maske - neben ihm warteten.

Es sei geöffnet worden, drinnen hatten sich mehrere Jugendliche aufgehalten, denen man gemäß voriger Absprache ihre Handys und möglicherweise noch andere Wertgegenstände abzunehmen gedachte. Während der 18-Jährige jetzt schnurstracks in die Küche ging und sich dort eines schweren Wetzsteins und aus dem Schlafzimmer einer Kübelpflanze bemächtigte, um damit gegen die Wohnungsinhaber zu drohen, sollen die anderen Beschuldigten die Handys der Opfer eingesammelt haben.

Handys, i-Phones und Fernseher zerstört

Angesichts der Stein-Drohung sei dies problemlos geschehen. Die Handys, ein Samsung, vier i-Phones und ein Sony im Einzelwert bis zu 700 Euro, soll der Hauptangeklagte kurzerhand durch Zertrampeln mit den Schuhen unbrauchbar gemacht haben. Die vorsitzendende Richterin fragt erstaunt: "Warum?" Der Angeklagte kann es nicht erklären. Auch nicht das, was danach geschah. Nämlich durch harte Schläge den Fernseher kaputt gemacht und zusätzlich einen Schlüsselbund für die Eingangstüren des Hauses an sich genommen zu haben.

Und die Richterin wiederholt ihre Frage, erklärt aber gleichzeitig ihre Version der Dinge: "Um später zurückzukommen?" Man habe nämlich in den Wohnungsräumen noch Rauschgift vermutet.

"Stellen Sie sich vor, sie werden in der Wohnung überfallen und der Räuber nimmt den Schlüssel mit und könnte jederzeit zurück kommen. Da wird man doch als Opfer in Angst versetzt?" Das jedenfalls schließt die Richterin. Mit dem Hinweis, man werde ihnen umgehend das Genick brechen, falls sie zur Polizei gingen, sollen sich die drei angeklagten Jung-Räuber dann verabschiedet haben, wobei allerdings die Handschellen der dennoch alarmierten Polizei innerhalb kurzer Zeit klickten.

Im gestern begonnenen Prozess vor der 4. Großen Jugendkammer am Stuttgarter Landgericht gibt der 18-jährige Hauptbeschuldigte pauschal die Vorwürfe zu, will aber zunächst zum Tatablauf und der Beteiligung seiner mitangeklagten 17-jährigen Freunde nicht viel beitragen. Erst nach deutlicher richterlicher Ermahnung: "Gegen Sie aus sich heraus und sagen Sie die Wahrheit!" legt der Angeklagte ein volles Geständnis ab - allerdings ohne das eigentliche Tatmotiv zu nennen. Man habe halt "abziehen" wollen.

Sein neben ihm sitzender Mitbeschuldigter hingegen hüllt sich derweil in Schweigen. Er wolle dazu vorerst gar nichts sagen, gibt sein Verteidiger zu Protokoll, während der Dritte im Bunde ebenfalls Geständnisbereitschaft zeigt. Man habe erst nach dem Tatgeschehen damals in der eiskalten Februarnacht eingesehen, das "es Scheiße war", so die Feststellung des Angeklagten.

Das Gericht hat vier Prozesstage mit der Vernehmung von fünf Zeugen angesetzt. Ein Urteil soll am 23. August gesprochen werden.

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