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Initiative Städtepartnerschaften in Corbeil-Essonnes an

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    Beeindruckende Kirchenbaukunst: die gotische Krönungskirche in Reims Fotos: Ursula Steinhübl

Der Verein Initiative Städtepartnerschaften Sindelfingen (ISPAS e.V.) macht es sich zur Aufgabe, durch Bürgerfahrten, Jugendaktionen oder Straßenfest-Stände den Partnerschaftsgedanken in Europa bewusst zu machen und zu fördern.

Artikel vom 19. Juli 2018 - 18:12

SINDELFINGEN (red). So geschah es auch diesmal mit der Bürgerfahrt nach Corbeil-Essonnes. Zweimal wurde es besonders augenscheinlich. Das erste Mal in Reims vor der gotischen Krönungskirche der französischen Könige, vor der eine Steintafel darauf hinweist, dass sich hier 1962 der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer zu einer Messe trafen und die deutsch-französische Freundschaft besiegelten. Dasselbe wiederholten übrigens Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident François Hollande zur 50-Jahr-Feier.

Auch beim Empfang der Sindelfinger im Rathaus der Stadt Corbeil-Essonnes war es symbolhaft, dass außer dem Sindelfingen sehr zugeneigten Ersten Beigeordneten (Kulturbürgermeister) Jean-Michel Fritz der jüngste Stadtrat Yazine Amer anwesend war. Er hatte ehemals Sindelfingen als Teilnehmer des Projekts "Jugend in Aktion" kennengelernt und war zuletzt beim Straßenfest am französischen Stand tätig.

Die Hitze machte zu schaffen, die Sehenswürdigkeiten entschädigten

"Die Reise selbst war anstrengend durch die Hitze, aber durch die Sonne wirkten die Sehenswürdigkeiten auch ganz besonders zauberhaft", berichtet ISPAS-Pressesprecherin Uschi Steinhübl. Nach der Anfahrt mit den Zwischenstopps in Reims und einer Sektkellerei in der Champagne mit Führungen war der Tag, den die Stadt Corbeil-Essonnes gestaltete, für die meisten sehr interessant. Dass die Sindelfinger Partnerstadt den Ruf einer Industriestadt hat, war bekannt. Dass sie aber durchaus auch viele Sehenswürdigkeiten und kulturelle Veranstaltungen vorweisen kann, wurde der Reisegruppe durch den Kulturbürgermeister persönlich vor Augen geführt.

Nach einer kurzen Führung durch die Geschichte des Rathauses und der Stadt ging es zur Kathedrale St. Spire, gegründet 950, um die Reliquie des Heiligen unterzubringen, eingeweiht 1437. Danach stellte er die städtische Galerie vor mit der Ausstellung "Opus symphoniques" des Skulpteurs und Malers Christophe Mabillon. Hauptsächlich Gitarren, aus Gestein der Region gefertigt. Beeindruckend. Vorbei am Jugendzentrum Fernand Léger mit seiner Mosaikfassade führte der Weg zum großen städtischen Theater. Ein sichtlich stolzer technischer Leiter und der künstlerische Leiter stellten ihr Haus vor und boten einen Blick hinter die Kulissen an, was sehr gerne angenommen wurde. Die Akustik und die Technik sind wirklich sehenswert.

Danach führte Jean-Michel Fritz seine Gäste zur Commanderie Saint Jean. Das ist die Kapelle des Malteserordens, die als einziges Gebäude des Malteser-Ensembles noch erhalten geblieben ist. Sie wird für Kunstausstellungen und andere künstlerische Events genutzt. Zurzeit gibt es die dort die Ausstellung "Pousser les murs" (Mauern einstoßen oder sich vergrößern) der Societé d'art (Künstlervereinigung) de Corbeil-Essonnes. Weiter ging es zu Fuß zum Stadtpark, in dem das Jazz-Festival abends beginnen sollte. Erschöpft von der Hitze, dem Fußmarsch und den tiefen Eindrücken nahmen die Sindelfinger dankbar das Abendessen der Freiwilligen, die das Festival am Laufen halten, entgegen. Das Ganze untermalt durch die Proben für die Abendaufführung der städtischen Musikschule. Wunderbare kräftige Stimmen und gute Musik.

Einige hatten sich vorgenommen, die Eröffnung des Jazz-Festivals abends anzuhören. Aber mit Blick auf die nicht vorhandenen Sitzmöglichkeiten, die eineinhalb Stunden Wartezeit, die Hitze und die Musik, die man teils ja schon gehört hatte, entschlossen sich die meisten, in das Hotel zurückzukehren. Nur ein harter Kern blieb. Der Kulturbürgermeister Jean-Michel Fritz hatte vollstes Verständnis.

Herzlicher Dank an Kulturbürgermeister Fritz

Die Vorsitzende Brigitte Stegmaier bedankte sich noch einmal herzlich bei ihm und der Bus fuhr ins Hotel zurück, wo man den restlichen Abend gemütlich auf der Terrasse ausklingen ließ. Auch zusammen mit der Sindelfinger Band "If you wanted to". Es war eigentlich geplant gewesen, diese Sindelfinger Band anzuhören. Aber die Auftrittspläne des Festivals und die Pläne der Stadt Corbeil-Essonnes für die Bürgerfahrt passten in dieser Hinsicht leider nicht zusammen.

Der nächste Tag war im normannischen Giverny den Gärten und dem Haus Monets gewidmet. Wer den Impressionismus liebt und je bewundernd vor einem Seerosenbild oder anderen Bildern Monets stand, sollte diesen Ort unbedingt auf seine Reiseliste setzen. Nachmittags und abends musste die Gruppe den anstrengendsten und überwältigendsten Teil der Reise überstehen. Zuerst die Führung durch die prächtigen Gemächer des Sonnenkönigs und seiner Nachfolger in zwei Teilen, hoher Geräuschpegel durch die immensen Massen der anderen Besucher, Warten auf den anderen Teil der Gruppe. Danach bei Barockmusik das Schlendern durch den riesigen Park mit seinen Wasserspielen, bei Einbruch der Dunkelheit die Feuersäulen und das Feuerwerk bestaunen - eigentlich kann man diese Eindrücke gar nicht beschreiben.

Umso mehr hat es die Sindelfinger gefreut, dass sie von einem entspannten und sich im Freizeitmodus befindlichen OB Bernd Vöhringer den ganzen Tag begleitet wurden.

Nach der Hitzeschlacht und dem späten Ende um kurz vor ein Uhr nachts waren alle froh, dass es am nächsten Tag relativ spät nach Barbizon und Fontainebleau ging. Nach Barbizon konnten sich die Künstler des 19. Jahrhunderts zurückziehen, die zum ersten Mal in der freien Natur und nicht nach historischen Vorgaben und Allegorien malen wollten.

Sie waren so Vorläufer des Impressionismus und bildeten eine Künstlerkolonie, deren bekanntester Vertreter wohl Jean-François Millet war. Von Paris aus ist das Dorf nicht weit entfernt und deshalb führen die französischen Staatspräsidenten gerne ihre Staatsgäste dorthin.

Die Führung durch den an das Dorf anschließenden Wald von Fontainebleau zeigte, warum die Künstler das Licht und die Natur so bewunderten. Im Schloss von Fontainebleau beeindruckten nicht nur die Gemächer und Hinterlassenschaften Napoleons, das letzte Domizil des Kaisers, sondern auch die Renaissance-Gemächer der anderen französischen Könige. Die von Louis XIV. gestalteten Gartenanlagen stehen jetzt allen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung.

Auf der Heimfahrt gab es einen ersten Zwischenstopp in Troyes mit einer Führung durch die Kirche St. Madeleine und die Fachwerkhäuser der Innenstadt aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Der nächste Stopp war in Saarburg dem riesigen Glasfenster von Marc Chagall in der Chapelle des Cordeliers, der Franziskanerkapelle, gewidmet. Fast jeder hat dieses Friedensfenster, das Chagall im hohen Alter anfertigen ließ, in irgendeiner Form schon gesehen. Doch wenn man, den Kopf in den Nacken gelegt, das in den intensiven Farben Chagalls schillernde, zwölf Meter hohe und sieben Meter breite Fenster bewundert und die verschiedenen Symbole aller Religionen entziffert, dann kommt wirklich Ehrfurcht und Nachdenklichkeit auf.

Netter Abschluss: Flammkuchen im Elsass

Beim Flammkuchenessen im Elsass wurde ein selbstgedichtetes Resümee gezogen, viel gelacht und erzählt. Jetzt freuen sich die Reisenden auf den Abend im Herbst, bei dem ISPAS nochmal viele Bilder zeigen wird von der Bürgerfahrt.

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