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Nur der Schein-Mexikaner findet Grund zum Jubeln

Volles Haus beim Public Viewing auf dem Wettbachplatz beim Deutschland-Spiel

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    Bis auf den letzte Platz gefüllt war der Wettbachplatz beim ersten Public Viewing bei einem Spiel der deutschen Mannschaft. Doch alles Mitfiebern und Daumendrücken half nicht, die Niederlage gegen Mexiko abzuwenden Fotos: Gaetano Di Rosa

Artikel vom 17. Juni 2018 - 20:06

Von Werner Held

SINDELFINGEN. Die Stimmung beim ersten Public Viewing bei einem Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf dem Sindelfinger Wettbachplatz war nur vor dem Anpfiff gut. Bald schon waren nur die zu Freudenausbrüchen hingerissen, die für Mexiko waren.

16.15 Uhr. Müller, Boateng, Kimmich und Kroos trotten die Untere Vorstand hinunter. Zumindest stehen diese Namen auf den Rücken der Trikots, die die jungen Herren tragen. Auch ein Schweinsteiger ist dabei, und sogar ein Ballack. Der deutsche Fußballfan ist sparsam und trägt die Fanwäsche von früheren Weltmeisterschaften auf, wenn er 2018 sich zum Fußball-Rudelgucken zusammenrottet.

Der Einlass ist eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn noch kein Problem. Die Sicherheitsleute an den fünf Zugängen zählen jede Person, die den Wettbachplatz betritt. Bei 2000 Gästen ist Schluss - aus Sicherheitsgründen. 20 Minuten später ist das schon anders. Vor den Eingängen bilden sich Menschentrauben. Der Missmut derer, die draußen bleiben müssen, halte sich in Grenzen, sagt Georg Sommer, der Chef der CCBS, die die Sache veranstaltet, schließlich könne ja jeder über die App Public-Viewing Sindelfingen abfragen, ob die Ampel an den Eingängen noch auf Grün oder schon auf Gelb oder gar schon auf Rot steht.

Sommer ist kaum zu erkennen unter dem Strohhut in Deutschland-Farben, den er trägt. Im Gesicht hat er Farbkleckse in den Nationalfarben. Das Public Viewing 2018 erlebt seine erste Bewährungsprobe. Bisher erreichte lediglich die Partie Portugal - Spanien mit 1800 Viewern eine nennenswerte Besucherzahl. Doch Georg Sommer ist jeder Gast wichtig. "Das Public Viewing lockt Tausende von Menschen aus dem Umland an, die bisher keine Beziehung zum Wettbachplatz oder überhaupt zu Sindelfingen hatten", hebt er den Marketing-Nutzen der Veranstaltungsreihe hervor, die nicht ganz billig ist. Vier Wochen lang fast jeden Tag open air Fußball zu zeigen, verschlingt 160 000 Euro, von denen die Stadt Sindelfingen einen nicht unerheblichen Teil trägt. Georg Sommer steht an der Spitze eines fünfköpfigen Teams, das den Laden schmeißt. "Wenn die vier Wochen rum sind", gesteht der CCBS-Geschäftsführer, "schlaf ich wieder besser."

Auf dem Festgelände will sich keine rechte Stimmung einstellen. Die Deutschen kicken schlecht und geraten in Rückstand. Nur einer feiert das Tor der Mexikaner frenetisch. Er haut vor Begeisterung so auf den Biertisch, dass der übervolle Aschenbecher seinen Inhalt zwischen Biergläsern und Pommes-Tellern verstreut. Seine Tischnachbarn schütteln amüsiert den Kopf über den Schein-Mexikaner. Doch am Ende hat nur er Grund zu überschwänglichem Jubel.

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